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» Hunde / Lismont-Kolumne

Was ist positives Training? In der Regel meint man hiermit eine Trainingsmethode, die auf positiver Bestärkung basiert.
Positive Bestärkung wiederum bewirkt, dass ein bestimmtes Verhalten des Hundes, das uns gefällt oder das wir für wünschenswert halten, so bestärkt wird, dass der Hund es unverändert, häufiger, intensiver oder schneller wiederholt.
Ich höre dann häufig Fragen wie: "Heißt das: ich gebe dem Hund ein Leckerlie wenn er etwas richtig macht kann dann erwarten, dass er es immer besser, schneller oder genauer macht?"
Hm. Schön wäre es und bei manchen Hunden klappt das sogar. Aber verallgemeinern kann man diese Erwartung nicht. Warum? Weil man mit Leckerlies nicht jeden Hund belohnen kann, und weil positive Bestärkung etwas mehr beinhaltet als : Signal + Folge + Belohnung = Lernen.
Vielleicht sollten wir uns erst einmal mit dem Begriff "Belohnen" beschäftigen: geläufig ist es, tatsächlich dazu einfach Futter einzusetzen. Ganz einfach: einige Bröckchen in die Hosentasche, Hund anleinen, fertig, los. Das kann tatsächlich bei Hunden funktionieren, die verfressen sind und drinnen wie draußen einen guten Appetit haben. Nur, wie stark bleibt die Wirkung des Bröckchens Trockenfutter, wenn irgendwann die Übungen schwieriger werden, die Ablenkung größer wird oder sonstige erschwerende Umstände auftreten, wie zum Beispiel ein wegrennender Hase?
Und wie funktioniert dies mit einem Hund, der durch übermäßige Nervosität oder sonstige Probleme noch nicht mal in der Lage ist, ein Stückchen Bio Bergkäse anzunehmen?
Ich erläutere das Konzept "Belohnung" gern an einem "Menschenbeispiel": Sagen wir mal, eine gute Freundin hat Sie um einen großen Gefallen gebeten und Sie sind ihrer Bitte nachgekommen. Das hat ihr sehr geholfen und sie möchte das bei Ihnen wieder gutmachen. Sie gehen für Ihr Leben gern ins Café, auf einen Cappuccino mit frischem Kuchen.
Welche der Belohnungen könnte Sie nun ausreichend motivieren, in Zukunft uneingeschränkt und bedingungslos für Ihre Freundin mit Rat und Tat bereit zu stehen? Etwa das Sushi Abenteuer? Oder die Rohkost Gesundheitskur? Oder hat die Wellnessanwendung mit Cappuccino + Kuchen hinterher genau ins Schwarze getroffen?
Und genau so geht es unseren Hunden. Viele nehmen das Bröckchen Trockenfutter (obwohl es morgens und abends sowieso auf dem Menü steht) an. Aber probieren Sie mal, wie aufmerksam er wird, wenn Sie das Trockenfutter zur Belohnung durch ein Stück Trockenpansen, Hühnerfiletstreifen, oder Käsewürfel ersetzen? Oder: wie begeistert ist er, wenn Sie ihm ab und zu zur Belohnung seinen Futterbeutel oder Schleuderball wegwerfen oder ihm ein kurzes Zerrspielchen anbieten? Oder: wie belohnend kann eine Runde erlaubtes Schnüffeln sein?
Wissen Sie, was Ihr Hund gerne frisst? Womit Sie ihm eine echte Freude bereiten können? Haben Sie bereits herausgefunden, welches Spiel ihn dazu motivieren kann, bei Ihnen zu sein, statt im Graben zu schnüffeln oder die Landschaft abzuscannen?
Und… genau so wenig, wie Sie vielleicht diesen Cappuccino + Kuchen jeden Tag intensiv genießen könnten, ist die Hundewurst oder der Pansenhappen auf das Lernverhalten Ihres Hundes alltäglich gleich wirksam. Auf die Abwechslung kommt es an, auf den Überraschungseffekt und auf die richtige Belohnung zur richtigen Zeit. Angepasst an die Anstrengung die wir von ihm erwarten, an seine Tagesform und seine individuelle Veranlagung.
Sie sehen also, dass positiv bestärken weitaus mehr ist als einen Clicker™ in der Hand einzusetzen, ein Markerwort zu benutzen oder ein Leckerchen zu stopfen. Positives Training ist: sich Gedanken über die individuellen Eigenschaften und Vorlieben eines jeden Hundes zu machen. Positives Training ist: rassebedingte und genetisch programmierte Neigungen und Talente einzufangen und in der Belohnung zu berücksichtigen. Positives Training kann sogar sein, sich eingeschlichene, ungewünschte Gewohnheiten auf Signal in ein bestärkendes Verhalten umzuwandeln. So kommen auch schlechte Fresser auf ihre Kosten und werden trainierbar. Nur gewusst wie.
Dazu kommen natürlich das Timing und die Koordination. Nein, man braucht keine 3 Hände zum Clickern™. Es ist eine Trainingssache für den Menschen. Es fordert eine gute Beobachtung, eine schnelle Reaktion und macht extrem viel Spaß. Ein Hund, der die Möglichkeit bekommt so zu lernen, bekommt zur gleichen Zeit ein Gehirntraining. Er wird sich überlegen, welches Verhalten gewünscht ist und findet den Weg zum Click, zum Markerwort und zur Belohnung selbstständig.
Denken Sie an den Cappuccino und an die Wellnessmassage und finden Sie heraus, was für Ihren Hund einer motivierenden Belohnung gleich kommt. Probieren Sie Unterschiedliches aus und beobachten Sie seine Reaktionen und seine Lernfortschritte. Diese sind wirklich nicht unbedeutend. Berücksichtigen bei Ihrer Forschungsarbeit, dass Hunde keine salzigen oder stark gewürzten Futtermittel essen sollten. Auch Schokolade ist verboten. Die Leckerlies sollten klein sein, damit ein hohes Belohnungstempo ihn nicht überfordert und die Motivationsspielzeuge sollten ungefährlich und artgerecht sein.
Viel Spaß beim Probieren. Sie können mir gern berichten.
Katrien Lismont
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