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Die Katrien Lismont-Kolumne

Hundeerziehung ist ... Kommunikation

Als Kleinkind wurde uns das Alphabet beigebracht, im gesprochenen und im geschriebenen Wort, womöglich auch noch von Handzeichen begleitet, damit wir uns das besser merken konnten. Es brauchte viele Wiederholungen und Übungen, bis es irgendwann selbstverständlich war, dass wir anhand der einzeln erlernten Buchstaben, ganze Worte ja gar komplette Sätze lesen und schreiben konnten. Wir konnten unseren Wortschatz stets erweitern und verstanden immer besser, was unsere Eltern uns erzählten und was in den Zeitungen geschrieben wurde.

Dennoch stelle ich in meiner Hundeschule täglich fest, dass von unseren Hunden erwartet wird, dass sie verstehen, was wir von ihnen wollen, auch wenn wir für jedes Verhalten immer wieder ein neues Signal (wird oft "Kommando" genannt) aussprechen und all zu oft selber nicht mal wissen, wie wir es anfangs unserem Hund beigebracht haben. Auch Hunde werden nicht mit einem eingebauten Kommunikations-Gen geboren, schon gar nicht mit dem Verständnis der menschlichen Sprache. Dennoch erlebe ich immer wieder, dass Hundehalter frustriert sind, weil ihr Hund nicht versteht, was "Komm-hier-Rudi-kommst-du-jetzt-hier-sage-ich-ich-hole-dich-gleich-wenn-du-nicht-sofort…" bedeutet und er einfach nicht kommt, obwohl er gerufen wird. Dabei wird die Stimme immer lauter, der Ton immer forscher, die Haltung seines Menschen immer steifer und bedrohlicher.

Und da soll einer gern kommen, wenn er gerufen wird…

Wie bei uns Menschen, funktioniert auch in der Hundeerziehung die Kommunikation in zwei Richtungen. Der Hund verfügt über eine relativ breite Palette mit hündischen Kommunikationssignalen. Er kann bellen, knurren, winseln, jammern, grunzen. Und das in unterschiedlichen Tonalitäten und Nuancen. Dazu kommen noch seine vielfältigen Körpersignale: sei es, dass es um einfache Körperhaltungen und –ausrichtungen handelt, oder dass es sich um Bewegungen und Bewegungsabläufe handelt, ja selbst komplette Handlungen können für uns etwas zu bedeuten haben, wenn wir uns damit auseinander setzen und sie auch wahrnehmen wollen und können.

Um eine optimale Verständigung zu gewährleisten, sollten wir als Mensch das Kommunikationssystem des Hundes kennen lernen und interpretieren können. Dem Hund sollten wir beibringen, was wir unsererseits erwarten, wenn wir unsere Signale wie Sitz, Hier, Bleib etc… aussprechen. Der Hund kann über 200 Begriffe erlernen und ausführen - wenn wir es ihm beibringen! Und, wenn wir sie uns selber merken können und nicht heute "Hier" rufen und morgen "komm".

Hier einige Basisregeln für eine klare und deutliche Kommunikation:

  • Es soll nur eine Person auf einmal auf den Hund einwirken
  • Ein Signal wird einmal gegeben, und in der Lernphase maximal einmal wiederholt, wenn es nicht sofort umgesetzt wird. Wenn es nach dieser Wiederholung immer noch nicht befolgt wird, dann brechen wir ab, geben einige Sekunden Pause und starten von neuem.
  • Wir geben nur ein Signal, wenn wir den Hund mental erreichen können. In der Trainingsphase muss ich zum Beispiel keinen Abruf üben, wenn er gerade ganz vertieft im Wegrand schnüffelt. Später sollte das dann schon funktionieren.
  • Wir geben für eine erwünschte Handlung immer das gleiche Signal.
  • Unsere Körperhaltung sollte locker, dynamisch und einladend wirken. Zu vermeiden sind starre und steife Haltungen und Positionen, in denen wie uns nach vorne, also über den Hund beugen etc… Am Besten steht man immer leicht vom Hund abgewandt und in lockerer Haltung.
  • Wir versuchen jederzeit einen neutralen, freundlichen Ton zu bewahren, denn verschärfte oder laute Signale demotivieren den Hund.
    • Menschen hören ungefähr 10.000 - 18.000 Hertz. Bei Hunden reicht die gehörte Frequenz weit in den Ultraschallbereich. Bis zu 90.000 Hertz kann ihr Gehörsinn empfangen. Wenn man bedenkt, dass für eine verlustfreie Übertragung von menschlicher Sprache nur etwa 3.000 Hertz ausreichen, kann man sich vorstellen, dass auf den Hund viel mehr akustische Reize einprasseln, als wir uns vorstellen können.
    • Darum ist es unsinnig, die Signale zu schreien. Wir wissen heute viel mehr über das Gehör des Hundes als in der Zeit, in der die Hundeausbildung aus dem Militärbereich stammte und dort im Kasernenton umgegangen wurde.
  • Die Sicht ist für den Hund auch sehr wichtig. Er kann sehr gut Körperhaltungen und Diskrepanzen zwischen dem, was er hört und dem was er sieht, wahrnehmen. Vor allem nimmt er Bewegungen sehr scharf wahr. Das bedeutet, dass wir Signale sehr gut mit Hand- oder Körperbewegungen unterstützen können. Allerdings gilt hier: Immer zuerst das verbale Signal und dann die Geste. Die Bewegung wird nämlich vorrangig wahrgenommen und dann geht unser akustisches Signal unter.
  • Wenn der Hund das Signal richtig umsetzt, sollte er dafür eine Bestätigung erhalten. Diese sollte für den Hund so motivierend sein, dass sie das Verhalten verstärkt und er es öfter, schneller und intensiver zeigen wird.
  • Führt der Hund ein Signal, das er sehr gut beherrscht nicht aus, dann kann es sein, dass er nervös ist oder unter Druck steht. Beobachten Sie seine Körpersignale, Haltungen und Handlungen. Ein Hund, der intensiv schnüffelt, versucht oft sich selbst zu beruhigen. Dies wird von uns oft als „Sturheit“ oder „Desinteresse“ gedeutet. Sollte er beschwichtigendes Verhalten zeigen, können wir ihm leicht helfen, indem wir lockere, einladende Bewegungen in unsere Haltung bringen oder ihm ein alternatives Signal anbieten.
  • Viele Menschen glauben, sie können ihren Hund auch belohnen, indem sie ihm freudevoll über den Kopf streicheln. Beobachten Sie Ihren Hund nächstes Mal genau dabei: zieht er sich weg oder sieht es so aus, als ob er es geduldig toleriert? Dann würde ich das Streicheln einstellen. Es wirkt in diesem Fall keineswegs belohnend.
  • Berührungen sind ein wichtiges Kommunikationsmittel. Daher sollte man gezielt und bewusst damit umgehen: bitte nicht tätscheln, klopfen oder schütteln. Das ist grob und wenig motivierend. Sanftes und intensives Abstreichen in langen Linien hingegen beruhigt und bringt mehr Bewusstsein in den Körper.
  • Wir sollten wahrnehmen, wann er uns erwartungsvoll anschaut, damit wir seine Kooperationsbereitschaft nicht dämpfen.
  • Wenn die Übungszeit vorbei ist, sollte man ihm ein Zeichen geben, dass Feierabend ist.

Wenn die Kommunikation stimmt und Sie lernen die Körpersprache Ihres Hundes zu deuten, werden Sie staunen, wie flott die Erziehungserfolge eintreten. Versuchen Sie es, es lohnt sich und macht Spaß!

 

Katrien Lismont

Copyright: Katrien Lismont, 2010
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