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Wandelndes Blatt

Wandelndes Blatt

Phyllium biocellatum

Text:
Dipl.-Biologe Uwe Dost
Fotos:
Dipl.-Biologe Uwe Dost

Wandelnde Blätter sind, wie schon der Name andeutet, Meister im Nachahmen von Blättern. Nicht nur ihr Körper ist blattartig verbreitert und abgeflacht, sondern auch die Ober- und Mittelschenkel der Gliedmaßen sind es. Auf Flügeldecken und Hinterleib vervollkommnen angedeutete Blattadern die Tarnung. Die Insekten ahmen nicht nur die Form und Farbe von Blättern nach, sondern auch deren Bewegung, wenn ihr Ruhezweig erschüttert wird. Bei starken Störungen lassen sie sich einfach fallen und verharren einige Minuten regungslos am Boden.

In ihrer Färbung variieren ausgewachsene Exemplare von grün über grüngelb bis zu braun. Oft zeigen die Tiere auch eine kräftige Fleckenzeichnung vor allem an den Körperrändern. Weibchen können 7 bis 8,5 cm Länge erreichen, Männchen bleiben mit 5 cm deutlich kleiner und schlanker. Die männlichen Flügeldecken sind kürzer als die der Weibchen, und Männchen können fliegen; Weibchen nicht. Weibchen haben wenige Millimeter lange Fühler, die der Männchen sind mehrere Zentimeter lang.

Wandelndes Blatt

Phyllium biocellatum ist von Mauritius und den Seychellen über Indien bis nach Borneo verbreitet und bewohnt lichte tropische und subtropische nicht zu feuchte Waldungen. Zur Pflege eignen sich hochformatige Terrarien von 40x40x60 cm Größe, in denen man bis zu zehn Exemplare pflegen kann. Bei dichterem Besatz fressen sich die Insekten unter Umständen auch gegenseitig an. Den Terrarienboden bedeckt man mit einer einige Zentimeter dicken Schicht aus Terrarienerde oder Torf, die man immer leicht feucht hält, damit abgelegte Eier nicht austrocknen. Als Futterpflanzen bietet man Eichen- oder Brombeerblätter an und stellt die Zweige in enghalsigen Fläschchen ins Terrarium. Zum Aufrechterhalten der Luftfeuchtigkeit von 60 bis 70 % besprüht man die Pflanzen und die Seitenwände vorsichtig, damit die Tiere nicht naß werden. Als Temperatur genügt Zimmerwärme von 20 bis 22 °C.

Uwe Dost

Uwe Dost

Erwachsene Weibchen können Eier legen, aus denen nach etwa sechs Monaten Junge schlüpfen, ohne jemals mit Männchen in Berührung gekommen zu sein. Man nennt das Jungfernzeugung oder Parthenogenese; sie kommt vor allem bei parasitisch lebenden Insekten vor. Aus den Eiern schlüpfen dann immer nur Weibchen. Männchen erscheinen seltener. In einem gemischten Bestand von Männchen und Weibchen sterben die geschlechtsreifen Männchen nach der Befruchtung eines Weibchens, und die Weibchen sterben, sobald sie alle Eier gelegt haben, was nach etwa einem halben Jahr der Fall ist. Wenn die rot gefärbten Jungen schlüpfen, erinnern sie entfernt an ihre Eltern, haben aber keine Flügel, und brauchen unbedingt Eichenblätter als Erstnahrung. Erst nach mehreren Häutungen erreichen sie ihre endgültige Größe und Gestalt.

Familie:
Phylliidae, Wandelnde Blätter
Vorkommen:
Von den Seychellen über Indien, Sumatra und Java bis nach Borneo
Größe:
Männchen etwa 5 cm, Weibchen bis 8,5 cm
Temperatur:
Zimmertemperatur, 20-22 °C
Pflege:
In einem Insektarium oder Terrarium mit den Maßen 40x40x60 cm
Futter:
Eichenlaub, Brombeerblätter
Vermehrung:
Durch Jungfernzeugung oder nach Befruchtung durch Männchen
Alter:
Nach 6 Monaten geschlechtsreif. Männchen sterben nach Befruchtung, Weibchen nach Ablage des letzten Eies. Mitunter bis zu einem Jahr alt

...dass die Wandelnden Blätter in die Ordnung der Gespenstschrecken, Phasmida, gehören, in der sich auch so sonderbare Gestalten wie die Stabschrecken befinden? Es sind Pflanzenschädlinge, die sich durch Jungfernzeugung vermehren und bei starkem Befall großen Schaden anrichten. Fehlen dann bestimmte Nährstoffe, entwickeln sich aus den Eiern Männchen, die dann die Weibchen befruchten. Es erscheinen danach Dauereier, aus denen erst bei günstigen Umweltverhältnissen Junge schlüpfen, die aber wiederum nur aus Weibchen bestehen.

 

 

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