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Vögel - Tierportraits
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Die farbenfrohen Chiriquisittiche #
Die farbenfrohen Chiriquisittiche
Pyrrhura hoffmanni gaudens
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Chiriquisittichs / Pyrrhura hoffmanni gaudens
  

Rotschwanzsittiche (Pyrrhura) haben bei den Züchtern in den letzten Jahren einen regelrechten Aufschwung erlebt. Galten viele Arten vor 10 Jahren noch als äusserst selten und nicht zu haben, gehören viele dieser ehemaligen Raritäten heute zu den häufig und gerne gehaltenen Papageienarten. Bestes Beispiel hierfür ist der Rotbauchsittich (Pyrrhura perlata perlata). Die ersten Tiere dieser Art wurden für 10.000,- Euros das Paar gehandelt. Heute sind die Preise auf einige hundert Euros gesunken. Einziger Grund dieses Preisverfalls ist die gute Züchtbarkeit dieser Vögel. Waren sie früher nur bei wenigen Spezialisten anzutreffen, schmückt dieser äusserst attraktive Vogel mittlerweile auch die Volieren anderer Züchter. Die Anzahl der Nachzuchten ist jetzt so gross, das der Kölle-Zoo auch den Heimtiermarkt versorgen kann. Gerade Rotschwanzsittiche sind durch ihr zutrauliches Wesen, durch ihre Verspieltheit und durch ihre Anspruchslosigkeit besonders auch für Anfänger in der Papageienhaltung geeignet. Werden die üblichen Grundvoraussetzungen wie geeignete Behausung, abwechslungsreiche Fütterung und Paarhaltung beachtet, kann man an diesen Tieren jahrelang Freude haben.
      
In Deutschland galt Hoffmans Rotschwanzsittich (Pyrrhura hoffmanni hoffmanni) lange Zeit als absolute Rarität und auch heute gehört er noch zu den nicht überall verbreiteten Arten. Durch seinen roten Fleck im Ohrbereich erhält der ansonsten grün scheinende Vogel ein apartes Aussehen. Die Unterart des Hoffmanns Rotschwanzsittich, der Chiriquisittich (Pyrrhura hoffmanni gaudens) ist bis vor kurzem überhaupt nicht in Deutschland gehalten worden.
Dem Loro Parque war es im Februar 1997 gelungen von einem Züchter aus Florida direkt drei nicht miteinander verwandte Paare Chiriquisittiche aus dessen eigener Nachzucht zu bekommen. In den USA bestand in jener Zeit ein kleiner Bestand dieser Vögel. Diese Unterart unterscheidet sich von der Nominatform durch seinen höheren Gelbanteil, vor allem im Kopfbereich. Die Handdecken, die Daumenfittiche, die Armschwingen und die inneren Handschwingen sind gelb. Die Körpergrösse ist um einen Zentimeter gegenüber der Nominatform grösser. Das Gewicht liegt zwischen 80 und 90 Gramm. Beim Fliegen kann man sehr schön die ganz gelb wirkenden Flügel erkennen, was einen sehr kontrastreichen Eindruck vermittelt.
        
Der Chiriquisittich kommt in Westpanama, im westlichen und zentralen Chiriqui sowie im angrenzenden Bocas del Toro vor. Sein Lebensraum sind Waldränder, teilweise bewaldete Gebiete und auch Gebiete mit Sekundärvegetation in der oberen tropischen und subtropischen Zone zwischen 500 m und 3.000 m über NN.
  
Robiller (1990) schreibt noch in seinem Buch ´Papageien´, das beide Unterarten des Hoffmans Rotschwanzsittichs noch nicht in Europa eingeführt wurden. Die Welterstzucht von Pyrrhura hoffmanni gaudens gelang im Jahre 1982 bei Rowley in Arizona in den USA. Zwei Jungvögel wurden damals aufgezogen.
  
Chiriquisittiche werden in der Zuchtstation der Loro Parque Foundacion in Hängevolieren gehalten, die eine Länge von drei Metern, eine Höhe von einem Meter und eine Breite von einem Meter haben. Die Volieren sind so aufgehängt, dass sich der Gitterboden der Voliere etwa in einer Höhe von 130 cm befindet. Die Volieren sind mit Sitzstangen und jeweils zwei Nistkästen ausgestattet.Die Grösse der beiden Nistkästen variiert. Bei gleicher Grundfläche von 22 x 22 cm unterscheiden sich die Kästen in der Höhe. Der eine ist etwa 45 cm hoch, der andere etwa 65 cm. Jeweils ein Kasten ist an den Stirnseiten der Volieren angebracht. Deutlich bevorzugt werden von den Pyrrhura-Arten die höheren Kästen, wobei es immer wieder auch Tiere gibt, welche die kürzeren Kästen nutzen. Als Abstiegshilfe ist in den mit Hobelspäne ausgepolsterten Nistkästen ein Drahtgeflecht angebracht.
   
Die Fütterung erfolgt von aussen, damit man die Voliere bei der Fütterung nicht öffnen muss. In eine von aussen an die Voliere angebrachte Vorrichtung werden Futter- und Wassernäpfe gestellt. Die Tiere haben durch durch Öffnungen im Draht von innen die Möglichkeit direkt aus den Näpfen zu trinken oder zu fressen. Die Näpfe können aber nicht bewegt und damit umgestossen werden. Die Fütterung erfolgt zweimal täglich, wobei die erste Fütterung zwischen 8 Uhr und 9 Uhr morgens und die zweite Fütterung zwischen 14 Uhr und 15 Uhr stattfindet. Bei beiden Fütterungen erhalten die Tiere frisches Wasser. Die Morgenfütterung umfasst in erster Linie frisches Obst, Gemüse und Grünfutter, wobei sich die Komponenten je nach Jahreszeit und Verfügbarkeit ändern können. Der Obst- und Gemüsecocktail umfasst aber immer mindestens vier bis fünf verschiedene Sorten. Dazu werden noch einige wenige Kleinsaaten gemischt. Die Nachmittagsfütterung besteht aus einer üblichen Sämereienmischung für Sittiche der Firma Versele-Laga. Wenn die Tiere Junge in der Nisthöhle haben, wird die Futtermenge dadurch erhöht, dass ein zusätzlicher Napf mit der jeweils gleichen Futtersorte angebracht wird. Ausserdem wird dann täglich halbreifer, frischer Mais gegeben, der auf Teneriffa ganzjährig in diesem halbreifen Zustand verfügbar ist, ohne dass man auf eingefrorene Ware zurückgreifen muss.
  
In der Regel legen unsere Chiriquisittiche vier bis sechs Eier, die für die Grösse des Vogels relativ gross erscheinen. Hier die Maße der Eier eines Sechsergeleges aus dem Jahr 2001:

  • 28,95 mm x 20,92 mm
  • 27,63 mm x 20,00 mm
  • 27,95 mm x 21,29 mm
  • 28,91 mm x 20,51 mm
  • 28,52 mm x 20,85 mm
  • 28,94 mm x 20,41 mm

Die Eier werden normalerweise im Abstand von zwei Tagen gelegt und da das Weibchen meist schon ab dem ersten, spätestens aber ab dem zweiten Ei fest brütet, schlüpfen die Jungen dann nach 24 Tagen auch in diesen Abständen, wenn alle Eier befruchtet waren. Hin und wieder kommt es vor, dass sich einige unbefruchtete Eier `einschleichen`. Chiriquisittiche sind grundsätzlich als gute Eltern anzusehen, denn sie ziehen in der Regel ihre Jungtiere ohne Probleme gross. Die Nestlingszeit dauert etwa 50 Tage und wenn die Jungtiere die Nisthöhle verlassen sind sie von ihren Eltern nur durch die geringere Grösse zu unterscheiden.
  
Nach weiteren vier Wochen, in denen die Jungtiere das selbstständige Fressen von den Eltern lernen, werden sie von den Eltern abgtrennt, da diese oft schon wieder das Nachgelege brüten. Bevor die Jungtiere eine eigene Voliere zur Verfügung gestellt bekommen, werden sie von den Tierärzten des Loro Parque endoskopisch auf ihr Geschlecht hin untersucht.
  
Das erste Jungtier des Chiriquisittichs wurde im Loro Parque bereits 1997, im Jahre ihrer Ankunft in der Kollektion gezüchtet (Roger G. Sweeney berichtete darüber in der Gefiederten Welt 8/98, S. 298-299). Das dürfte damit auch die erste in Europa bekannt gewordene Nachzucht dieser Art sein und ist somit wohl auch als europäische Erstzucht anzuerkennen. Im Folgejahr schritten alle drei Paare zur Brut. Bis heute brüteten alle drei Ursprungspaare jedes Jahr, allerdings mit wechselndem Erfolg. Mittlerweile haben wir auch schon Nachzuchten der Nachzuchten, dass heisst, die F2-Generation bringt auch schon wieder Jungtiere, so dass die Loro Parque Foundacion mittlerweile auf einen guten und gefestigten Stamm dieser Unterart blicken kann, der durch genaues Management sicherlich in Menschenobhut für den Erhalt dieser wunderschönen Papageienart sorgen wird.

Quelle: Cyanopsitta (Nr.66-Sept. 2002)
mit freundlicher Genehmigung 

 

 

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