Einen wirklichen " Boom " erlebt man nicht oft in der Aquaristik. Es gibt immer wieder neue Entdeckungen und einige neue Arten, die als Sensation oder Neuimport des Jahres bezeichnet werden und unserem Hobby einen neuen Anstoß geben. Üblicherweise geschieht dies in einem übersichtlichen Rahmen, was für die eindeutige Bestimmung dieser Tiere unerlässlich ist. Anders ist es nun bei der Gruppe der Wirbellosen, die sehr stark im Wachstum begriffen ist und dem Aquarianer die Möglichkeit bietet, neben Fischen und Pflanzen auch die eine oder andere Art an Krabben, Krebsen oder Garnelen zu pflegen. Viele der neuen Garnelen-, Krabben- oder Krebsarten sind sehr schnell im Handel. Meist mit phantasievollen, provisorischen Namen ausgestattet, hinterlassen sie Neueinsteiger sichtlich ratlos und erschweren auch erfahrenen Garnelenexperten die Einordnung der neu erworbenen Arten. Aquarianer sollten sich aber nicht durch technisches Durcheinander die Freude an diesen interessanten und farbenfrohen Tieren nehmen lassen.

Bis jetzt wurden diese Tiere eher als Sonderlinge im Aquarium betracht, doch mittlerweile erfreuen sie sich einer starken Beliebtheit, die unsere Aquarianer, wie so oft, das Schöne mit dem Nützlichen verbinden lässt. Viele der Garnelenarten sind exzellente Algenvertilger und können so manches Aquarium von dieser Plage befreien und sind außerdem sehr interessant zu beobachten. Im Gegensatz zur herkömmlichen Meinung sind sie jedoch nicht in der Lage die langen Haar- oder Pinselalgen zu bewältigen, die bereits im Aquarium zur Plage geworden sind. So ist denn auch Prävention gefragt, indem auf den Pflanzenblättern alle Oberflächenalgen abgeweidet werden. Wenn keine ausreichende Nahrung im Becken vorhanden ist, kümmern diese Garnelen recht schnell und sterben bald darauf. Garnelen sind Omnivore und somit Allesfresser. Der Speiseplan enthält Flockenfutter, jede Art von tiefgekühltem Futter wie z.B. rote Mückenlarven oder Artemia.

Alle Arten fressen aber auch Algen, Zooplankton, Detritus und Aufschwemmungen größeren Futters. Garnelen bewältigen täglich Unmengen an Futter und sind dennoch ständig hungrig. Daher sollte jeder Aquarianer, der Süßwassergarnelen pflegen will, seine Tiere ausreichend füttern. Geeignete Mittel hierfür sind Futtertabletten, Flockenfutter oder spezielles Planktonfutter diverser Anbieter. Manche Arten wie zum Beispiel Macrobrachium rosenbergii oder andere Großarmgarnelen werden auch zu einer Gefahr für kleinere Fische.

Garnelen sind opivar, also eierlegend. Ihre Geschlechtsöffnungen liegen auf der Unterseite des Körpers an und zwischen den Schreitbeinen. Zur Paarung dreht das Männchen das Weibchen auf den Rücken und deponiert sein Spermienpaket im Bereich der Geschlechtöffnungen des Weibchens doch können sich Garnelen nur paaren, wenn das Weibchen frisch gehäutet ist und weich. Dadurch kann das Sperma im Weibchen deponiert werden. Die Eiablage erfolgt meist wenige Stunden oder Tage nach der Paarung. Die Eier werden nach ihrem Austritt befruchtet und an der Unterseite des Abdomens angebracht, wo sie unter ständigen wedeln mit sauerstoffreichem Wasser versorgt werden. Die Inkubationsdauer liegt zwischen 10 und 20 Tagen, ist aber auch von der jeweiligen Art und der Wassertemperatur abhängig. Aus den Eiern schlüpfen kleine Larven, die im freien Wasser umherschwimmen und mehrere Entwicklungsstadien durchlaufen, bis sie schließlich die Form und die Lebensweise einer Garnele annehmen. Manche der Garnelenarten leben in Brackwasser und ihre Larven wachsen im Meer auf, so das ihre Zucht schwierig bis unmöglich ist. Dennoch sind diese beeindruckenden Tiere widerstandsfähige Wirbellose, die sich bei guten Haltungsbedingungen prächtig entwickeln und dem Aquarianer viel Freude bereiten werden.

Mit ihren Ansprüchen an das Wasser sind die meisten Arten recht tolerant. Sie können bei 7 bis 28 °C und einem pH-Wertes zwischen 5,5 und 7,5 gehalten werden, dennoch hat natürlich jede Art ihre spezifischen Anforderungen. Die Wasserhärte kann im Allgemeinen vernachlässigt werden, eine ausreichende Versorgung mit Sauerstoff ist aber in jedem Falle zu gewährleisten. Wird der Sauerstoffgehalt zu gering, so kränkeln die Tiere, daher gehören gute Belüftung und Filterung zu den Grundvoraussetzungen erfolgreicher Pflege. Außerdem mögen die Tiere gedämpftes Licht und viele Verstecke, in denen sie sich tagsüber aufhalten können. Javafarn ist eine der Pflanzen, die sich in meinen Garnelenbecken bewährt hat. Es leistet nicht nur als Versteck gute Dienste, sondern auch als Nahrung.

Die am häufigsten gepflegte Garnele in unseren Aquarien ist wohl die sogenannte Amanogarnele Neocaridina japonica, welche im südlichen Teil Zentraljapans, besonders in Flüssen, die in den Pazifischen Ozean entwässern, vorkommt. Vor kurzem wurden sie auch im östlichen Teil Taiwans nachgewiesen. Ihre Eier sind äußerst klein. Die frisch geschlüpften Larven werden ins Meer gespült und machen planktische Phasen durch. Allein im Süßwasser kann diese Art ihren Lebenszyklus nicht vervollständigen. In der Natur bevorzugt Caridina japonica den Ober- und Mittellauf ihrer Heimatgewässer. Diese Garnelenart ist sehr scheu und im natürlichen Lebensraum eher nachtaktiv. Tagsüber verstecken sich die Tiere unter Felsen oder zwischen Pflanzen. Die Jungen dieser Garnelen Larven sind mit einem bis anderthalb Millimetern Größe wirklich sehr klein. Zunächst wachsen sie für ein bis zwei Monate im Meer auf. Die Jugendstadien der Garnele wandern dann, ab einer Länge von eineinhalb Zentimetern, langsam wieder die Flüsse hinauf. Das macht die Zucht für die Liebhaber äußerst schwierig, da es einen gewaltigen Aufwand bedarf, den Junggarnelen entsprechende Bedingungen zu bieten. Gleichwohl ist es einfach Männchen und Weibchen bei Neocaridina japonica zu unterscheiden. Wenn man sich die Bauchunterseite der Garnelen anschaut sieht man beim Männchen die bläulichen Punkte rundlich und unregelmäßig angeordnet. Liegen die Punkte in Linienform vor, so hat man ein Weibchen vor sich. Die Weibchen werden übrigens auch größer und ihre Bauchproportionen sind etwas üppiger, denn sie müssen die zahlreich produzierten Eier fassen. Ein Weibchen kann wiederholt viele Eier ausbilden und laichen, wenn es nur ausreichend Futter vorfindet. Alle zwei bis drei Wochen setzt es Hunderte von Eiern ab. Die Lebensspanne von Caridina japonica ist mit zwei bis drei Jahren gar nicht einmal kurz. Da bisher eine Zucht in Aquarien oder Teichen gescheitert ist, stammen alle japanischen Exporte dieser Art von Fängen der einheimischen Fischer.

Noch zu erwähnen sind einige Vertreter der Gattung Paratya, die nur wenige Unterschiede zu Caridina zeigen, beispielsweise eine leicht abweichende Kopfform. Alle Neocaridina spp. produzieren, wie schon erwähnt, größere Eier, deren Durchmesser einen bis anderthalb Millimeter beträgt. Sie sind daher auch im Aquarium einfach nachzuziehen. Die populärste Art, möglicherweise noch unbeschrieben, kommt aus Hongkong und China. Die Bienengarnele. Diese Bezeichnung erklärt sich aus der Körperfarbe und -zeichnung der Tiere, die an Bienen oder Wespen erinnert. Auch hier laichen die Garnelen viele Male hintereinander ab. Alle paar Wochen lassen sich so 10 bis 30 Junge erzielen. Wichtig ist wieder eine ausreichende Zusatzfütterung. Zur Bepflanzung des Vermehrungsbeckens eignen sich verschiedene Moose (Vesicularia spp.), die durch ihre Verzweigungen den jungen Garnelen Schutz und Raum bieten. Alle Neocaridina und Caridina sind absolut friedlich. Schon in einem 60-l-Aquarium lassen sich weit über 100 Tiere problemlos unterbringen. Wichtig sind regelmäßige Zufütterung und etwa alle 4 bis 6 Wochen 10 bis 20 Prozent Wasserwechsel. Das Frischwasser sollte übrigens der Temperatur des Beckenwassers entsprechen. Der Wasserwechsel hat auch noch eine weitere Funktion - er regt nämlich sowohl die Häutung als auch das Ablaichen an. Fast alle Süßwassergarnelen beginnen ihr Laichgeschäft nach einer Häutung. Wollen Sie Ihre Garnelen oftmals zur Zucht bringen, sollten sie demnach ihr Wasser häufig austauschen!

Als Resultat seiner Zuchtbemühungen konnte der japanische Hobbyaquarianer Hisagasu Suzuki eine neue Farbform herauszüchten, die er "kristallrote Garnele" nannte. Diese Garnele zeigt wirklich sehr intensive rote Farben auf ansonsten klarem Untergrund. Nachdem er sie öffentlich vorgestellt hatte, wollten viele andere japanische Aquarianer sie ebenfalls besitzen und sie wurde anfangs zu astronomischen Preisen gehandelt. Soviel sei vorab verraten: es handelt sich um keine künstliche Zuchtform, sondern um eine albinotische Form, wie man sie auch von vielen Fischen kennt.

Durch rigorose Anwendung der bekannten Kreuzungsschemata lassen sich 25 Prozent rote Tiere in einem Wurf erzielen. Er hatte im Mai 1995 zwischen ca. 1000 normalfarbenen Garnelen eine rote entdeckt und natürlich damit weitergezüchtet. Während die nächste Generation wieder nur normalfarbene Garnelen hervorbrachte fanden sich in der Nachfolgegeneration gleich mehrere der roten Tiere. Sie bildeten das Ausgangsmaterial für die neue Farbform.

Interessant sind die häufig eingeführten Molukken - Garnelen Ataya molluccensis von den südostasiatischen Inseln oder auch Atya africana aus Westafrika sowie die Arten Atya gabonensis aus Westafrika, dem nordöstliches Südamerika und Atya scabra aus Westafrika, dem nordöstliches Südamerika und dem östlichen Mittelamerika . Im Vergleich zu den eher grazileren Neocaridina und Caridina wirken diese Arten eher etwas plump, schleppen einen wuchtigen Panzer mit sich und habe kleine Augen.

Das erste Schreitpaar ist bei diesen Garnelen etwas verdickt. Auffällig sind die zu Borstenhänden entwickelten Scherenfinger, die wie kreisförmige Fächer aussehen und deren Aufgabe es ist das Plankton oder fressbare Schwebeteilchen aus dem strömendem Wasser herauszufiltern. Meistens weisen die Tiere etwas dunklere Farben auf, doch können sie ihre Färbung stimmungsbedingt oder in Anpassung an ihre Umgebung ändern. Die in den Tropen weitverbreiteten Großarmgarnelen (Gattung Macrobrachium) sind jedoch nicht nur bei dem Aquarianer wohlbekannt, sondern gelten auch bei so manchem Gourmet als ausgesprochener Leckerbissen. Diese Tiere sind meistens nicht sehr farbig jedoch sehr hübsch gezeichnet.

Die eigentliche Faszination geht aber von ihrer bizarren Gestalt aus. Diese Garnelen, die in den größeren Flüssen Südamerikas, Südostasiens oder Australiens leben, können sogar größere Barsche im Schlaf überwältigen, da sie nachtaktiv sind und sehr kräftige Scheren haben. Manche dieser Arten können über 30 cm messen und benötigen deshalb auch geräumigere Becken, die eine Kantenlänge von mindestens 80 - 100 cm haben sollten. Diese Tiere sind untereinander aggressiv und kanibalistisch so das es dem Liebhaber Geduld und Einfühlungsvermögen abverlangt, um den Tieren ein dementsprechendes Biotop zur Verfügung zu stellen. Am besten ist in diesem Fall ein Artenbecken mit Steinen und Wurzeln einzurichten, wobei ein Männchen mit mehreren Weibchen vergesellschaftet werden kann.

Wie die Krebse und Krabben sind auch die Garnelen dabei sich einen festen Platz in der Süsswasseraquaristik zu erobern. Wir beim Kölle-Zoo helfen Ihnen dabei mit unserem umfangreichen Angebot und der gewohnt kompetenten Beratung. Fragen Sie uns bei Ihrem nächsten Besuch nach diesem reizvollen Aspekt der Süßwasseraquaristik.

Text: ©Kölle-Zoo
Fotos: ©Kölle-Zoo

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