Steckbrief Bearded Collie

Herkunft und Geschichte

Der Bearded Collie ist eine britische Hunderasse, die zu den Hütehunden, genauer zu den Schäferhunden, zählt. „Bearded“ bedeutet „bärtig“, und dadurch scheint die Rasse zunächst nicht zur Vorstellung von einem Collie zu gehören. Aber auch er ist ein schottischer Schäferhund, dessen Urahnen aber wohl aus Osteuropa stammen, möglicherweise aus Polen. Der genaue Ursprung ist jedoch nicht bekannt, auch Verwandtschaften mit dem Tibet Terrier, dem Bobtail und dem Briard werden vermutet. Den schottischen Schäfern dienten die robusten Hunde mit dem langen Fell jedoch als ausgezeichnete Hüter von Schafen und Rindern, denn ihnen konnten die unwirtlichen Witterungsverhältnisse kaum etwas anhaben. Dabei bekam der Bearded Collie ganz besondere Aufgaben zugewiesen, die eine eigenständige Arbeitsweise und eine hohe Intelligenz erforderten, wie etwa das Aufspüren und Zurücktreiben verirrter Tiere. Erst 1967 wurde die Rasse von der FCI anerkannt. Heute ist der „Beardie“, wie er liebevoll auch genannt wird, insbesondere ein beliebter Begleit- und Familienhund.

Aussehen

1) Körperbau

Der Bearded Collie ist ein robuster, sportlicher Hund mit langem Fell. Er hat eine lange Rute, die er hängend trägt, sowie mittelgroße Hängeohren und ausdrucksstarke Augen. An der Nase ist das Fell kurz, wird jedoch in Richtung Kinn und Wangen länger, wodurch der Collie seinen typischen „Bart“ (Beard) erhält. Das Fell des Bearded Collie ist mittellang, glatt bis leicht wellig und von harscher Textur. Die Unterwolle ist dicht und weich.

2) Körpergröße und Gewicht

Rüden erreichen eine Größe (Widerristhöhe) von etwa 53 bis 56 cm und ein Gewicht von 23 bis 28 kg. Hündinnen sind etwas kleiner und leichter (51 bis 53 cm, 18 bis 22 kg).

3) Farben

Bezüglich der Farben zeigt sich der Bearded Collie recht vielfältig in verschiedenen Tönen von Grau, Braun, Rot und Sandfarben mit teilweise weißen Abzeichen an Brust, Beinen, Pfoten und Schwanz.

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Wichtig: Leider gibt es immer noch recht viele stark überzüchtete Bearded Collies mit viel zu langem Fell, das teilweise bis auf den Boden reicht. Dieses lässt die Körperformen regelrecht verschwinden und behindert die Hunde beim Sehen und in ihren Bewegungen. Nicht selten sind diese „Ausstellungshunde“ nervös und schreckhaft. Daher ist es bei Bearded Collies nicht zuletzt aus Tierschutzgründen besonders wichtig, einen seriösen Züchter auszuwählen, der Wert auf die Gesundheit und Wesensstärke seiner Schützlinge legt. Derartige Überzüchtungen werden vom VDH als Merkmale der Rasse abgelehnt (sog. „Fehler“). Aus diesem Grund sollte ein Züchter gewählt werden, der eine VDH-Mitgliedschaft aufweist.

Charakterzüge und Wesen

Bearded Collies sind gutmütige, fröhliche und aktive Hunde. Sie sind sehr intelligent und arbeiten gerne mit ihrem Besitzer zusammen. Sie begreifen schnell und sind bereit, die ihnen zugeteilten Aufgaben zu übernehmen. Die Wachsamkeit, die sie als Hütehunde unbedingt benötigen, haben sich auch die Familienhunde beibehalten. Sie sind sehr aufmerksam und beobachten genau, was in ihrer Umgebung vor sich geht. Dabei sind sie jedoch nie aggressiv oder nervös, sondern bleiben gelassen. Sie machen den Eindruck, als hätten sie stets alles im Griff. Auf der anderen Seite können sie richtige Clowns sein und strahlen große Lebensfreude aus. Dies haben sie mit Kindern gemeinsam, vielleicht verstehen sie sich mit ihnen deshalb so gut und sind bei einer kleinen Spielrunde gerne dabei. Doch den Nachwuchs behalten sie auch immer wachsam im Auge. Bei einem Ausflug mit der Familie wird sich der Bearded Collie nie weit entfernen, sondern immer alles genau im Blick haben und seine Menschen schützen.

Passt ein Bearded Collie zu mir? Wie muss er gehalten werden?

Der Bearded Collie ist ein bewegungsfreudiger und unternehmungslustiger Hund, kuschelt aber mindestens ebenso gerne. Daher fühlt er sich in einer Familie am wohlsten, die so ist wie er: viel unternehmen und abends gemütlich auf der Couch entspannen! Ursprünglich ist der Bearded Collie ein Hütehund. Darf er keine Schafherde bewachen, müssen ihm Ersatzbeschäftigungen angeboten werden. Dabei lässt er sich neben ausgiebigen Spaziergängen für alles Mögliche begeistern, etwa Agility, Dogdancing, Mantrailing oder Treibball. Wichtig ist, dass er beschäftigt wird, um Langeweile und damit verbundene unerwünschte Verhaltensweisen zu vermeiden. Aufgrund seiner Intelligenz und Aufmerksamkeit ist er relativ leicht zu erziehen. „Liebevolle Konsequenz“ lautet das Zauberwort. Zu einem Beardie sollte man immer freundlich sein – Härte, Druck und Lärm kann der sensible und feinfühlige Hund nur schlecht ertragen. Doch zum Glück ist das auch gar nicht nötig, denn Beardies lernen schnell und gern!

1) Auslauf

Der Bearded Collie ist bewegungsfreudig und ausdauernd. Er benötigt täglich längere Spaziergänge, am liebsten auf abwechslungsreichen Strecken durch Wald und Wiese, wo es immer etwas zu entdecken gibt. Auch Kopfarbeit (Suchspiele, Intelligenzspielzeug etc.) sollte auf dem Programm stehen, um die klugen Hütehunde auch geistig zu fordern und auszulasten.

2) Ernährung

An seine Ernährung stellt der Bearded Collie keine rassespezifischen Ansprüche. Wie allgemein empfohlen sollte auf ein hochwertiges Hundefutter zurückgegriffen werden, das reich an Fleisch ist. Der Collie kann sowohl mit Trocken- oder Nassfutter als auch mit Barf ernährt werden.

3) Pflege

Das Fell des Bearded Collies erweist sich als deutlich pflegeleichter, als es aussieht. Aufgrund der harschen Textur fällt ein Großteil des beim Waldspaziergang eingefangenen Schmutzes von selbst ab. Es ist völlig ausreichend, den Bearded Collie 1-2 Mal wöchentlich ordentlich zu bürsten. So befreit man ihn von überschüssiger Unterwolle und bringt sein hübsches Deckhaar wieder in Form. Zahnpflege, die regelmäßige Kontrolle von Augen und Ohren und das Schneiden der Krallen bei Bedarf gehören bei allen Hunden dazu, so auch beim Bearded Collie.

Typische Erkrankungen

An sich ist der Bearded Collie eine ausgesprochen gesunde und robuste Hunderasse. Es gibt jedoch einige Erkrankungen, die beim Bearded Collie gehäuft auftreten. Hierzu gehören:

1) Autoimmunerkrankungen

Pemphigus foliaceus

Pemphigus foliceus ist eine selten auftretende Hauterkrankung, bei der der eigene Körper Antikörper gegen die Strukturen der Haut bildet. Die obere Hautschicht löst sich und es bilden sich Blasen, die sehr schnell aufplatzen, sodass in der Folge Krusten und Ekzeme entstehen können. Die Blasen treten zumeist am Kopf, den Pfoten und in der Leistengegend auf. Begleitet werden Blasenbildung und anschließende Verkrustung durch einen heftigen Juckreiz, zusätzlich kann an den betroffenen Stellen, das Fell ausfallen. Im Rahmen einer möglichen medikamentösen Therapie werden Immunsuppressiva gegeben, um das Immunsystem zu unterdrücken.

2) Gelenkerkrankungen

Ellenbogenluxation

Als eine Ellenbogenluxation bezeichnet man das Auskugeln oder das Ver- bzw. Ausrenken des betroffenen Gelenkes, das zu einer vorrübergehenden oder dauerhaften Fehlstellung der gelenkbildenden Knochenenden zueinander führt. Begleitende Symptome sind eine extrem Lahmheit sowie eine eingeschränkte Beweglichkeit des Ellenbogengelenkes und eine deutliche Schwellung des betroffenen Gewebes. Zumeist wird ein operativer Eingriff notwendig, um die Fehlstellung beheben zu können.

3) Augenerkrankungen

Retinale Atrophie

Die Retinale Atrophie ist eine degenerative Erkrankung der Netzhaut, in deren Verlauf durch eine Stoffwechselstörung im Gewebe die Retina (Netzhaut) nach und nach zerstört wird, bis das erkrankte Tier vollständig erblindet ist. Die Retinale Atrophie ist eine autosomal-rezessive Erberkrankung, für die es bisher leider keine Möglichkeiten der medikamentösen oder operativen Behandlung gibt, betroffene Hunde erblinden zumeist komplett auf beiden Augen.

Katarakt

Als Katarakt (auch grauer Star) bezeichnet man eine krankhafte Veränderung der Augenlinse, in deren Verlauf, sich die Linse nach und nach eintrübt, sodass das Sehvermögen der erkrankten Fellnase langsam nachlässt. Charakteristisches Symptom eines Katarakts ist eine Eintrübung der Augenlinse, die sich im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit durch eine bläulich-weiße Färbung des Auges zeigt. Durch diese Eintrübung kann nicht mehr ausreichend Licht in das Auge eindringen, sodass der Hund seine Umgebung wie durch einen Schleier oder Nebel wahrnimmt. Orientierungslosigkeit oder das häufige Anstoßen an Gegenständen können daher als zusätzliche Symptome auftreten. Bleibt ein Grauer Star unbehandelt, erblindet der Hund und es kann im Endstadium zur Ablösung der Linse und in der Folge zu schmerzhaften Augenentzündungen kommen. Eine wirkungsvolle Therapie bietet nur eine Operation, bei der die erkrankte Linse zerstört und eine neue künstliche Linse in das Auge eingesetzt wird.

Hornhautdystrophie

Bei einer erblich bedingten Hornhautdystrophie kommt es aufgrund einer Stoffwechselstörung zu Einlagerung von kalk- und fetthaltigen Stoffwechselprodukten in verschiedenen Schichten der Hornhaut. Diese Einlagerungen können als weiße Eintrübung in der Mitte des Auges sichtbar werden. In der Regel ist die Erkrankung nicht schmerzhaft und führt nur selten zu einer Einschränkung des Sehvermögens. Ist die Dystrophie jedoch altersbedingt können vermehrte Ablagerungen zu Schmerzen führen, sodass eine medikamentöse Behandlung notwendig werden kann.

Fragen und Antworten zum Bearded Collie

1) Wie stark haart ein Bearded Collie?

Anders als man bei seiner Felllänge annehmen würde, haart der Bearded Collie im Vergleich zu manch anderem Hund recht wenig.

2) Ist der Bearded Collie ein Anfängerhund?

Aufgrund seines gutmütigen und ausgeglichenen Wesens und seiner vergleichsweise leichten Erziehbarkeit eignet sich der Bearded Collie auch für Anfänger. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Erziehung ein Selbstläufer ist. Als Hundehalter sollte man sich stets mit den Besonderheiten und Bedürfnissen der gehaltenen Rasse auseinandersetzen – dem Hund zuliebe, aber auch im Sinne eines funktionierenden, zufriedenen Zusammenlebens. Bearded Collies reagieren sensibel auf Härte, Druck und Lautstärke. Die Erziehung funktioniert am besten auf Basis von Geduld, Lob und Ruhe. Bearded Collies sind klug und begreifen schnell, was man von ihnen möchte. Außerdem wollen sie ihren Menschen gefallen und arbeiten gerne mit ihnen zusammen. Dies sind ideale Voraussetzungen, um auch als Anfänger gute Erfolge zu erzielen.

3) Kann man einen Bearded Collie scheren?

Das Fell des Bearded Collies sieht nicht nur schön aus, sondern hat auch spezifische Funktionen: Im Winter schützt es vor Kälte, im Sommer vor Hitze. Zudem hält es bei Regen Feuchtigkeit ab. Dieser Schutz geht durch das Scheren verloren, weshalb davon abgeraten wird. Zudem kann das Scheren zu negativen Folgen wie dem Post Clipping Alopecia Syndrom und einem regelrechten Wuchern der Unterwolle führen. Bei Bedarf kann das Fell mittels einer Hundeschere (abgerundete Spitze) gekürzt werden.

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