Steckbrief Dalmatiner

Herkunft und Geschichte

Der Dalmatiner ist eine von der FCI anerkannte Hunderasse und zählt zur Gruppe 6 „Laufhunde, Schweißhunde und verwandte Rassen“. Seine genaue Herkunft liegt im Dunkeln. Bereits in alten Pharaonengräbern wurden Abbildungen von Hunden gefunden, die dem Dalmatiner sehr ähneln. Auch auf Gemälden aus dem Mittelalter und der Renaissance sind Dalmatiner-ähnliche Hunde mit Flecken abgebildet. Es ist jedoch unbekannt, ob es sich dabei tatsächlich um Ahnen des heutigen Dalmatiners handelt. Der Ursprung der Rasse liegt vermutlich in der Region „Dalmatica“, dem heutigen Kroatien. Daher hat der Dalmatiner auch seinen Namen. Mit Seefahrern gelangte er nach Indien, von wo aus britische Offiziere ihn mit nach England nahmen. Im Viktorianischen Zeitalter wurden Dalmatiner zu „Modehunden“ und waren häufig als Kutschenbegleithunde zu sehen. Erst im Jahr 1890 wurde der erste Rassestandard aufgestellt. Heute ist der Dalmatiner ein beliebter Begleit- und Familienhund.

Aussehen

1) Körperbau

Dalmatiner sind mittelgroße, muskulöse Hunde mit einem eleganten Bewegungsmuster. Sie sind stark, kräftig und athletisch. Der Rücken ist gerade, die Schultern sind stark ausgeprägt. Der Hals ist lang und kräftig ohne Hautfalten und geht in einen eher schmalen Schädel über. Die Hängeohren sind abgerundet und hochansetzend. Ihre Augen sind von bernstein- oder dunkelbrauner Farbe. Dalmatiner haben kurzes, glänzendes, dicht anliegendes Fell.

2) Körpergröße und Gewicht

Rüden erreichen eine Widerristhöhe von bis zu 62 cm und ein Gewicht von 27 bis 32 kg. Hündinnen sind mit einer Größe von bis zu 60 cm und einem Gewicht von 24 bis 29 kg etwas kleiner und leichter.

3) Farben

Die Grundfarbe ist Weiß mit schwarzen oder braunen Tupfern in unterschiedlicher Ausprägung.

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Schon gewusst?: Bei ihrer Geburt sind Dalmatinerwelpen komplett weiß. Die ersten Tupfen zeigen sich nach etwa zwei Wochen. Erst nach Vollendung des ersten Lebensjahres sind die Tupfen vollständig ausgeprägt.

Charakterzüge und Wesen

Dalmatiner sind intelligente, fröhliche und anhängliche Hunde. Sie brauchen und lieben Action und sind daher ideale Begleithunde für sportliche und aktive Menschen. Sie lassen sich für Hundesport wie Agility ebenso begeistern wie für Joggingrunden mit Herrchen oder Frauchen. Hauptsache Action und Zeit mit seinen Menschen verbringen! In ihm schlägt das Herz eines Jägers: Ist der Jagdtrieb unerwünscht, muss er früh in die richtigen Bahnen gelenkt werden. Dies gelingt am besten, wenn dem Dalmatiner geeignete Alternativen angeboten werden, wie beispielsweise Fährtensuche oder Dummytraining. Überhaupt sind bei der Erziehung des Dalmatiners Geradlinigkeit und liebevolle Konsequenz gefragt. Klare Regeln helfen dem gelehrigen Hund, seinen Platz im Rudel zu finden. Härte und Druck sind kontraproduktiv und können den feinfühligen Vierbeiner verunsichern und das aufgebaute Vertrauen nachhaltig stören. Auf Lob und positive Verstärkung reagiert der Dalmatiner viel besser und lernt dann gerne und schnell. Dalmatiner sind sehr sensibel und benötigen daher entsprechende Ruhephasen, um sich zu entspannen. Ihre Energie und ihr Tatendrang können bei fehlender Regeneration dazu führen, dass sie aufdrehen und hibbelig werden. Daher ist es wichtig, dass Dalmatiner früh lernen, auch mal zur Ruhe zu kommen.

Passt ein Dalmatiner zu mir? Wie muss er gehalten werden?

Dalmatiner sind fröhliche und agile Hunde, die Menschen an ihrer Seite brauchen, die ebenso unternehmungslustig sind wie sie. Gemeinsames Joggen, Am-Rad-Laufen, ausgiebige Spaziergänge und Erkundungstouren durch Wiesen und Wälder, Hundesportarten wie Agility oder Köpfchenarbeit wie Mantrailing – der Dalmatiner lässt sich nicht lange bitten und freut sich über Action und eine Aufgabe, der er sich voll und ganz widmen kann. Nach einem spannenden Tag liebt er es, zu Hause zu kuscheln und seine Familie ganz nah bei sich zu haben. Die enge Bindung, die er zu seinen Menschen eingeht, führt dazu, dass Dalmatiner nicht gerne alleine bleiben.

1) Auslauf

Dalmatiner brauchen viel Bewegung und Auslauf. Neben körperlicher Auslastung in Form von (Hunde-)Sport und langen Spaziergängen sollten sie auch geistig gefordert und ausgelastet werden. Dalmatiner sind so voller Energie, dass es ihnen oftmals schwerfällt, zu entspannen. Daher sollte entsprechendes Ruhetraining vom Welpenalter an ebenfalls auf dem Plan stehen, um für die notwendigen Pausen zur Regeneration zu sorgen. Insbesondere in jungen Jahren sollte auf ein gesundes Verhältnis von Bewegung und Ruhe geachtet werden. Der hohe Bewegungs- und Tatendrang von Dalmatinern verleitet die Besitzer oft dazu, schon mit Junghunden stundenlang zu laufen, zu spielen und zu trainieren, was nicht nur zu Nervosität führen kann, sondern auch zu Gelenkproblemen. Daher sind Ruhepausen ein Muss!

2) Ernährung

Dalmatiner haben eine erblich bedingte Neigung zu Blasen- und Harnsteinen. Die Ursache hierfür ist ein Stoffwechseldefekt, der dazu führt, dass der Harnsäurewert im Urin ansteigt.

Da Harnsäure ein Abbauprodukt von Purinen ist, sollte bei Dalmatinern eine möglichst purinarme Ernährung gewählt werden. Purine sind vor allem in Fleisch, Fisch und Innereien enthalten. Das bedeutet, dass der Proteinwert des Futters verringert werden sollte. Neben speziellen Diätfuttermitteln kann auch ein handelsübliches Trockenfutter mit einem Proteinanteil von etwa 15 % gefüttert werden. Beim Barfen ist auf eine genaue, bedarfsgerechte Rationsberechnung zu achten. Die Ernährung von Dalmatinern kann sich etwas schwierig gestalten, daher ist es sinnvoll, diese mit einem Tierarzt oder Ernährungsexperten zu besprechen und individuell anzupassen. Zudem sollten Dalmatiner viel trinken und sehr häufig die Möglichkeit haben, ihre Blase zu entleeren.

3) Pflege

Der Dalmatiner hat pflegeleichtes Fell, haart allerdings ganzjährig. Tägliches Bürsten ist daher sinnvoll, um herumfliegende Haare in der Wohnung in Grenzen zu halten. Wie bei allen Hunden ist es wichtig, auf eine gute Zahnpflege zu achten und bei Bedarf die Krallen zu kürzen.

Typische Erkrankungen

Seine Beliebtheit hatte für den Dalmatiner leider zahlreiche gesundheitliche Nachteile. Verantwortungsvolle Züchter achten heute wieder vermehrt auf die Gesundheit ihrer Welpen. Gleichwohl gibt es nach wie vor einige rassetypische Erkrankungen:

1) Beeinträchtigung des Hörsinns

Schwerhörigkeit und Taubheit

Erblich bedingte Taubheit steht bei Hunden oftmals in Verbindung mit einem hohen Weißanteil des Fells, weswegen der Dalmatiner überdurchschnittlich häufig betroffen ist. Je höher der Weißanteil ist, desto höher ist also die Gefahr von Taubheit. Die weitgehende Einschränkung oder das komplette Fehlen des Hörsinns ist erblich bedingt. Das, die Schwerhörigkeit oder Taubheit auslösende, Gen konnte in der Forschung bisher allerdings noch nicht eindeutig identifiziert werden, sodass es bis jetzt keine verlässlichen Gentests gibt. Taubheit kann bei einem Dalmatiner einseitig (unilateral) oder beidseitig (bilateral) ausgeprägt sein. Seriöse Züchter legen Interessenten das Ergebnis eines Hörtests ihrer Welpen vor und schließen Dalmatiner mit blauen Augen aus der Zucht aus, da sich bei ihnen eine erhöhte Disposition zur Taubheit beobachten lässt.

2) Erkrankungen der Blase und der Nieren

Hyperurikosurie

Als Hyperurikosurie oder auch „Dalmatiner-Syndrom“ wird eine vererbte Neigung zur Bildung von Blasen- und Nierensteinen bezeichnet. Der Grund hierfür ist ein Stoffwechseldefekt, der zu einem erhöhten Harnsäurespiegel im Urin führt. Dies kann, muss aber nicht zu Blasen- und Nierensteinen führen. Daher spielt die richtige Ernährung beim Dalmatiner eine bedeutende Rolle, sie sollte möglichst purinarm sein. Denn die durch das Futter aufgenommenen Purine werden bei Dalmatinern zu Harnsäure abgebaut, sodass die Entwicklung von Blasen- oder Nierensteinen befördert werden kann. Sinnvoll sind außerdem regelmäßige Kontrollen des pH-Werts und tierärztliche Untersuchungen des Urinsediments, um sich bildende Steine rechtzeitig bemerken zu können, bevor sie zu ernsthaften Schwierigkeiten führen.

3) Allergien und Hauterkrankungen

Dalmatiner-Bronze Syndrom (Dal Crud)

Von dem Dalmatiner-Bronze Syndrom können grundsätzlich nicht nur Dalmatiner, sondern alle Hunderassen betroffen sein, allerdings wurde die Erkrankung das erste Mal bei einem Dalmatiner beschrieben und bei der gepunkteten Fellnase scheint zudem eine erhöhte Disposition zu bestehen, an diesem Syndrom zu erkranken. Beim Dalmatiner-Bronze Syndrom bilden sich zuerst Bläschen und Verschorfung an den betroffenen Hautbereichen – in der Folge kommt es zu einer bronzefarbigen Färbung des Fells, Haarverlust und im schlimmsten Fall zu Sekundärinfektionen durch eindringende Keime. Grund dieser Erkrankung sind zumeist Futtermittelunverträglichkeiten bzw. -allergien.

Hauterkrankungen

Auch wenn es für diese Aussage keine eindeutigen wissenschaftlichen Belege gibt, steht zu vermuten, dass Dalmatiner u. a. aufgrund ihres kurzen Fells besonders anfällig für Hautprobleme und Allergien sind. Sind Futtermittelallergien das auslösende Moment, kann eine Futterumstellung häufig Linderung bringen.

4) Neurologische Erkrankungen

Dalmatiner-Leukodystrophie

Die Dalmatiner-Leukodystrophie ist eine seltene und nur bei Dalmatinern auftretende Erkrankung des zentralen Nervensystems, die zu den sogenannten Degenerativen Myelopathien zählt. Dabei handelt es sich um eine erblich bedingte und degenerativ verlaufende Krankheit, die zu einer krankhaften Veränderung des Gehirns führt und ab dem dritten Lebensmonat auftreten kann. Als Symptome treten Sehstörungen und Ataxie auf, betroffene Tiere erblinden im Verlauf der Erkrankung teilweise sehr schnell.

Epilepsie

Insgesamt circa 2 % aller Fellnasen leiden unter Epilepsie. Epilepsie gehört bei Hunden somit zu einer der häufigsten Erkrankungen des zentralen Nervensystems und tritt auch bei Dalmatinern auf. Während einer wiederholten Fehlfunktion des Großhirns, bei der das Gleichgewicht zwischen der elektronischen Ladung und Entladung der Nervenzellen kurzfristig gestört ist, beginnen ganze Neuronenverbände plötzlich und unkontrolliert Stromstöße abzugeben. Man spricht dann von einem epileptischen Anfall: Die Skelettmuskulatur wird steif, der Hund kippt mit ausgestreckten Beinen um, ist nicht mehr ansprechbar oder sogar bewusstlos. Nach kurzer Zeit ist dann zumeist alles vorbei, wobei der Hund noch über einen längeren Zeitraum erschöpft, desorientiert und sehr hungrig und durstig sein kann. Epilepsie ist nicht heilbar, kann jedoch medikamentös behandelt werden.

Fragen und Antworten zum Dalmatiner

1) Ist ein Dalmatiner ein Familienhund?

Dalmatiner können tolle Familienhunde sein und lieben den engen Anschluss an ihr Rudel. Wenn sie ausreichend Bewegung und Beschäftigung haben und sowohl körperlich als auch geistig ausgelastet sind, sind sie Zuhause entspannte und verschmuste Zeitgenossen. Sie wollen am liebsten überall dabei sein und können bei entsprechender Erziehung auch problemlos überall hin mitgenommen werden. Künftige Dalmatinerbesitzer sollten jedoch wissen, dass Dalmatiner sehr feinfühlig sind und daher äußerst sensibel auf Stress reagieren. Daher sollte stets – wie bei allen Hunden – darauf geachtet werden, dass Kinder den Dalmatiner nicht überfordern.

2) Sind Dalmatiner schwer zu erziehen?

Dalmatiner sind grundsätzlich eher gelehrige Hunde, die gerne mit ihrem Herrchen oder Frauchen zusammenarbeiten. Mit Druck und Härte erreicht man bei den sensiblen Tieren jedoch nichts. Dann ziehen sie sich zurück oder schalten auf stur. „Liebevolle Konsequenz“ lautet das Zauberwort bei der Dalmatiner-Erziehung. Mit viel Lob, Streicheleinheiten, positiver Verstärkung und Leckerli lässt sich der Dalmatiner sehr gut erziehen. Seine hohe Intelligenz trägt dazu bei, dass er schnell begreift, was von ihm verlangt wird.

3) Wie viel kostet ein Dalmatiner?

Ein Dalmatinerwelpe aus einer seriösen Zucht, die auf Wesensstärke und Gesundheit des Nachwuchses Wert legt, ist nicht unter 1.000 Euro zu haben. Preise zwischen 1.500 und 1.800 Euro sind keine Seltenheit. Achte bei der Auswahl des Züchters darauf, dass er einem der Vereine im VDH angeschlossen ist. Da Dalmatiner zu einer Reihe rassespezifischer Krankheiten neigen, ist eine sorgsame Auswahl des Züchters besonders wichtig. Auch im Tierheim suchen immer wieder Dalmatiner(-Mischlinge) ein Zuhause.

4) Ist ein Dalmatiner ein Jagdhund?

Dalmatiner sind keine typischen Jagdhunde. Da sie früher jedoch auch zur Rattenjagd eingesetzt wurden, steckt noch immer ein kleines Jägerherz in ihnen. Der Jagdtrieb kann stärker oder schwächer ausgeprägt sein, ist mit entsprechendem Training und dem Anbieten von Alternativen (Fährtensuche, Dummytraining etc.) jedoch meist in den Griff zu bekommen.

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