Steckbrief Hovawart

Herkunft und Geschichte

Der Hovawart ist eine von der FCI anerkannte deutsche Hunderasse. Ihren Namen hat die Rasse von Bauernhunden entlehnt, die bereits im 13. Jahrhundert verbreitet waren. Im Mittelhochdeutschen bedeutet der Name Hofwächter (Mittelhochdeutsch: „hova“ = Hof; „Wart“ = Wächter). Der heutige Hovawart ist eine Neuzüchtung des 20. Jahrhunderts nach Abbildungen in Büchern und auf Gemälden, die als Vorlagen dienten. Es ist erstaunlich, welche Mühe und Überlegungen angewendet werden mussten, um dem heutigen Hovawart sein charakteristisches und erbfestes Aussehen zu verleihen. Zu den „Vätern“ gehören Schäferhunde, Neufundländer, ungarische Kuvasz und Leonberger. Als eigene Rasse wurde der Hund erst 1937 anerkannt. Ursprünglich als Wach- und Schutzhund gezüchtet, ist er heute zu einem beliebten Begleithund geworden. Aber mit seinem ausgezeichneten Riechvermögen eignet er sich auch als Spürhund.

Aussehen

1) Körperbau

Hovawarts sind mittelgroße, kraftvolle, langgestreckte Hunde mit langem, leicht gewelltem Fell.

2) Körpergröße und Gewicht

Rüden erreichen etwa eine Widerristhöhe von 63 bis 70 cm und ein Gewicht von 40 kg. Hündinnen sind mit 58 bis 65 cm und etwa 30 kg deutlich kleiner und leichter.

3) Farben

Die am häufigsten vorkommende Farbvariante nennt sich „Schwarzmarken“: Das Fell ist Schwarz mit braunen Zeichnungen. Es gibt sie jedoch auch in komplett Schwarz und Blond.

Charakterzüge und Wesen

Hovawarts sind selbstbewusste, wachsame und aktive Hunde. Ihre einst als Hof- und Schutzhund gewünschten Fähigkeiten haben sie sich beibehalten. So würden Hovawarts alles tun, um ihre Familie und ihr Heim zu verteidigen, und können sehr territoriales Verhalten an den Tag legen. Daher brauchen Hovawarts einen durchsetzungsstarken und selbstsicheren Rudelführer, der ihnen zeigt, wann eigenständiges Handeln gewünscht ist und wann nicht. Sonst sind sie geneigt, selbst das Kommando zu übernehmen, was zu unerwünschten Verhaltensweisen führen kann. Akzeptiert der Hovawart seinen Besitzer als Rudelchef, ist er ein gelehriger, anhänglicher und loyaler Hund, der dem Urteilsvermögen seines „Chefs“ traut und seinen Schutztrieb nicht auf unerwünschte Weise einsetzt. Er bindet sich eng an seine Menschen und hat ein besonderes Gespür für deren Stimmungen. Unsicherheit bei seinem Besitzer kann er als drohende Gefahr missdeuten und reagiert dann mit entsprechendem Verteidigungsverhalten. Daher sind Hovawarts keine Anfängerhunde, sondern sollten souveräne und durchsetzungsstarke Herrchen oder Frauchen an ihrer Seite haben. Entsprechend ausgelastet, sozialisiert und erzogen sind Hovawarts treue Begleiter, die sich extrem eng an ihre Familie binden.

Passt ein Hovawart zu mir? Wie muss er gehalten werden?

Hovawarts sind Energiebündel, die unbedingt Menschen brauchen, für die das ebenfalls gilt. Ihre Besitzer sollten Zeit haben und gewillt sein, sich viel und intensiv mit den klugen Hunden zu beschäftigen und sowohl für geistige als auch körperliche Auslastung zu sorgen. Als ehemaliger Hof- und Wachhund freut sich der Hovawart über ihm zugeteilte Aufgaben und gemeinsame Aktivitäten wie Mantrailing, Fährtensuche, Dummytraining, Laufen am Fahrrad, Joggingtouren und Wanderungen. Ihr Besitzer muss in der Lage sein, den Posten des Rudelchefs zu übernehmen. Hierzu gehören Selbstsicherheit und ruhige, liebevolle Konsequenz. Traut der Hovawart seinem Besitzer die Führungsaufgabe nicht zu, wird er versuchen, selbst das Zepter in die Hand zu nehmen.

1) Auslauf

Hovawart sind sehr aktive Hunde. Die kleinen Kraftpakete brauchen täglich lange und abwechslungsreiche Spaziergänge und müssen körperlich und geistig gefordert werden. Langweilen sie sich, kommen sie schnell auf blöde Ideen und suchen sich selbst eine Beschäftigung, die der Besitzer mitunter nicht begrüßt.

2) Ernährung

In Sachen Ernährung sind beim Hovawart keine rassespezifischen Besonderheiten zu berücksichtigen. Sie benötigen wie alle Hunde eine ausgewogene Ernährung. Diese Anforderungen erfüllt sowohl hochwertiges Trocken- oder Nassfutter als auch BARF, sofern es bedarfsgerecht zusammengestellt wird. Die Futtermenge sollte in Abhängigkeit von Alter, Gewicht und Aktivität angepasst werden. Selbstverständlich sollte der Hovawart immer frisches Wasser zur Verfügung haben.

3) Pflege

Trotz der Länge des Fells ist der Hovawart kein pflegeintensiver Hund. Es genügt, ihn regelmäßig zu bürsten, um den Glanz des Fells zu bewahren. Während des Fellwechsels ist es sinnvoll, abgestorbene Haare und Unterwolle täglich auszubürsten, zum Beispiel mit einem Gummistriegel. Da der Hovawart nur wenig Unterwolle hat, neigt das Fell nicht zum Verfilzen. Wie bei allen Hunden sind Krallen- und Zahnpflege sowie die regelmäßige Untersuchung von Augen und Ohren wichtig.

Typische Erkrankungen

Hovawarts sind trotz ihrer Größe sehr robuste Hunde. Dies ist insbesondere einer verantwortungsvollen Zucht zu verdanken. Daher ist es wichtig, beim Welpenkauf auf einen seriösen Züchter zu achten. Krankheiten, die bei großen Hunden sehr häufig sind, wie HD, kommen beim Hovawart verhältnismäßig selten vor, können aber gelegentlich auftreten. Ansonsten gelten Hovawarts als sehr gesunde Rasse mit einer für ihre Größe erstaunlichen Lebenserwartung von mitunter 15 Jahren.

Fragen und Antworten zum Hovawart

1) Ist ein Hovawart ein Familienhund?

Der Hovawart kann ein toller Familienhund sein, wenn sein Besitzer in der Lage ist, die Rolle des Rudelchefs zu übernehmen. Vertraut der Hovawart der Urteilsfähigkeit seines „Chefs“ und wird angemessen ausgelastet und beschäftigt, ist er zu Hause ein entspannter und äußerst anhänglicher Hund. Er bindet sich sehr eng an seine Familie und möchte am liebsten überall dabei sein. Im Kreise seiner menschlichen Rudelmitglieder fühlt er sich am wohlsten und ist auch Kindern gegenüber freundlich und aufgeschlossen, sofern ihnen beigebracht wird, wie mit einem Hund umzugehen ist.

2) Ist ein Hovawart für Anfänger geeignet?

Hovawarts sind keine Anfängerhunde. Sie sind zwar gelehrig und klug, brauchen jedoch einen Menschen an ihrer Seite, der sich durchzusetzen weiß. Dies sollte niemals mit Härte oder Druck erfolgen, sondern durch liebevolle Konsequenz. Ein aggressives Gebaren gegenüber dem Hund führt dazu, dass das Vertrauen nachhaltig gestört werden kann. Ebendies ist jedoch die Grundlage einer soliden Erziehung und eines zufriedenen Zusammenlebens. Beim Hovawart erreicht man mit Lob, positiver Verstärkung und Leckerli die besten Erfolge. Einen Hundeanfänger könnte die selbstbewusste und willensstarke Art des Hovawarts überfordern, daher sollte der zukünftige Halter bereits über Hundeerfahrung verfügen.

3) Wie viel kostet ein Hovawart?

Ein Hovawart-Welpe bei seriösen Züchtern kostet ab 1000 Euro. Wird Dir ein „günstigerer“ Welpe angeboten, solltest Du aufmerksam werden. Achte beim Welpenkauf darauf, dass der Züchter einem anerkannten Verein angeschlossen ist (Rassezuchtverein für Hovawart-Hunde (RZV), Hovawart-Zuchtgemeinschaft Deutschland (HZD) oder Hovawart Club Deutschland (HC)). So kannst Du sicher sein, dass bei der Zucht auf gesunde Elterntiere Wert gelegt wird und auch die Welpen die besten Voraussetzungen in puncto Gesundheit und Wesen aufweisen.

4) Wie gefährlich ist ein Hovawart?

Hovawarts sind niemals an sich „gefährlich“ oder „aggressiv“. Wachsamkeit, Aufmerksamkeit und Loyalität gegenüber seinem menschlichen Rudel sind gewünschte Charaktermerkmale der Rasse, die bei entsprechender Sozialisierung, Auslastung und Erziehung kein Problem darstellen. Er wird jedoch nicht zögern, seine Familie und sein Zuhause zu verteidigen, wenn er es für nötig erachtet. Und genau hier kann es zu unerwünschten Verhaltensweisen kommen, wenn der Hovawart das Gefühl hat, selbst Entscheidungen treffen zu müssen und sich nicht auf das Urteilsvermögen seines Besitzers verlassen zu können. Daher sind Hovawarts keine Anfängerhunde, sondern sollten einen hundeerfahrenen Menschen an ihrer Seite haben. Ist das der Fall, wird sich ein Hovawart nicht zu einem „gefährlichen“ oder aggressiven Hund entwickeln.

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