Neva Masquarade Steckbrief

Herkunft und Geschichte

Die Neva Masquarade gilt als Point-Variante der Sibirischen Katze, sodass beide Samtpfoten sich Geschichte und Herkunft teilen – auch wenn jede von ihnen ihren ganz eigenen Kopf haben mag und sie sich äußerlich unterscheiden. Ihre gemeinsame Heimat ist das Gebiet der ehemaligen UdSSR, hier haben die langhaarigen Grazien vermutlich ihren Ursprung – entsprechend dazu gibt es Theorien, die besagen, dass die Neva Masquarade und ihre Schwester, die Sibirische Katze, Nachfahren der Kaukasischen Wildkatze seien und nicht wie die kurzhaarigen europäischen Samtpfoten auf die Falbkatze zurückgehen würden. Handfeste Beweise für diese These stehen indes aus.

Newskaja Maskeradnaja bzw. Neva Masquarade – das ist der Name dieser langhaarigen Katzenschönheit und zugleich ihr Programm: Die Newa ist ein russischer Fluss, der vom Ladogasee in die Newabucht der Ostsee fließt und dabei Sankt Petersburg durchquert – hier liegt vermutlich die Wahlheimat der mysteriösen Samtpfote. Masekeradnaja bzw. Masquarade, manchmal auch Masquerada, beschreibt die Maskenzeichnung, welche die majestätische Fellnase als Point-Variante der Sibirischen Katze ziert.

Mit ihrem langen, dichten Fell und der auffälligen maskenhaften Zeichnung gehört die Neva Masquarade zu den exotischen Langhaarkatzen, die den Menschen schon seit vielen Jahrhunderten faszinieren. Erste Malereien von langhaarigen Katzen finden sich in China bereits im 14. Jahrhundert – in Europa waren solche Exemplare jedoch lange Zeit überaus selten und daher ein wahres Faszinosum. Im ausgehenden 19. Jahrhundert rückten diese langhaarigen Fellnasen auch erstmals in das Interesse europäischer Naturforscher, sodass sich in mehreren Abhandlungen dieser Zeit Ausführungen und Zeichnungen zu den majestätischen Langhaarkatzen Russlands finden lassen. 1871 organisierte der englische Schriftsteller, Künstler und Journalist Harrison Weir, der als Begründer der modernen Katzenzucht gilt, die weltweit erste Katzenausstellung im Londoner Crystal Palace. In seiner Abhandlung Our cats and all about them: their varieties‚ habits, management, and for show the standard of excellence and beauty (1892) widmet er auch den langhaarigen Kätzchen Russlands ein Kapitel. Ausführlich beschreibt Weir den Körperbau und das Fell mit der vollen und dichten Halskrause. Weir besaß selbst eine russische Langhaarkatze, sodass er das Kapitel nicht nur um zwei authentische Zeichnungen ergänzen, sondern auch einen ganzen Absatz zum Sozialverhalten einfügen konnte. Hier wird insbesondere deutlich, dass die langhaarigen Fellnasen äußerst gesellige Tiere sind und ganz gewiss keine Einzelgänger – Weirs Kätzchen schließt eine innige Freundschaft zu einer weiteren Samtpfote im Haushalt: „[…] the two appeared always together. In front of the fire they sat side by side. If one left the room the other followed.” (ebd., p. 31)

Die an die große Katzenausstellung anschließenden ersten Zuchtbemühungen der russischen Langhaarkatzen in Europa kamen allerdings durch die Russische Revolution 1917 zum Erliegen und der Eiserne Vorhang isoliertet die exotischen Schönheiten vorerst weitgehend von ihren europäischen Verwandten.

Seit 1985 gab es dann in der DDR ernsthafte Bestrebungen zur Zucht der Sibirischen Katze und ihrer Gefährtin, der Neva Masquarade – damals noch unter dem gemeinsamen Namen „Sibirische Waldkatze“. Bereits ein Jahr später erfolgten erste Ausstellungen und im Jahr 1987 reiste das erste Sibirische Waldkatzen-Paar in die BRD aus. 1991 erhielt die langhaarige Fellnase dann den Namen Sibirische Katze – 1992 erfolgte die Anerkennung der Rasse durch die World Cat Federation, hier läuft die Neva Masquarade seitdem als Point-Variante der Sibirischen Katze. 1997 folgte die Anerkennung durch die Fédération Internationale Féline – hier gilt die Neva Masquarade seit 2011 als eigenständige Rasse.

Diese Anerkennung der Neva Masquarade als eigenständige Rasse hatte allerdings eine erhebliche Verkleinerung des Genpools zur Folge. Bei einem kleinen Genpool besteht natürlich immer eine erhöhte Gefahr von Erbkrankheiten – inzwischen existiert aber die medizinische Möglichkeit, das rezessive Point-Gen auch bei Sibirischen Katzen nachzuweisen, sodass diese in die Zucht mit einbezogen werden können.

Aussehen und Farbe

Die Neva Masquarade als sog. Maskenkatze unterscheidet sich nur durch ihre Point-Zeichnung von der Sibirischen Katze, man vermutet dahinter eine frühe spontane Mutation innerhalb der Population der Sibirischen Hauskatzen. Das Point-Gen wird rezessiv weitervererbt, daher kann es auch bei einem Wurf der Sibirischen Katze auftreten. Die Point-Zeichnung lässt sich auf eine Stoffwechselstörung zurückführen: Für die Färbung ihres Fells brauchen Katze das Pigment Melanin. Bei Point-Katzen ist das Tyrosinase-Enzym, das für die Produktion von Melanin verantwortlich ist, allerdings nur eingeschränkt funktionsfähig – es verfügt lediglich über eine temperatursensitive Restaktivität. Die Melanin-Produktion ist damit nicht komplett ausgesetzt, erfolgt aber nur bei bestimmten, und zwar besonders niedrigen Temperaturen. Konkret bedeutet das, dass sich das Fell von Point-Katzen nur an den Körperregionen dunkler färbt, die häufiger kälteren Temperaturen ausgesetzt sind – dazu zählen besonders die Extremitäten, aber auch der Schwanz, die Ohren und die Nase. Die wärmeren Körperregionen bleiben hell. Da die Temperatur in der Gebärmutter besonders kuschelig warm ist, werden Point-Katzen komplett weiß geboren – erst nach ihrer Geburt beginnt das Fell, nachzudunkeln – das ist übrigens ein lebenslanger Prozess: Eine ältere ist häufig dunkler als eine junge Point-Katze und eine Point-Katze, die im warmen Süden lebt, ist zumeist heller als eine, die im kalten Norden zu Hause ist. Da die hellen Bestandteile des Fells auf eine fehlende Pigmentierung zurückzuführen ist, bezeichnet man diese Stoffwechselerscheinung auch als Teil-Albinismus.

Dieser Teil-Albinismus ist auch der Grund für die wunderschönen – oft intensiv und dunkel funkelnden – blauen Augen der Neva Masquarade. Zuweilen können allerdings Augenzittern oder leichtes Schielen auftreten – diese Phänomene sind aber ebenfalls auf das sog. Point-Gen und den Teil-Albinismus zurückzuführen, sodass hier nicht wie bei anderen Katzenrassen neurologische Störungen oder Hirnschäden vorliegen und kein Grund zur Sorge besteht. Man geht davon aus, dass die Neva Masquarade – wie andere Point-Katzen auch – Probleme beim Fixieren oder binokularen (beidäugigen) Sehen haben können, dies beeinträchtigt sie allerdings nicht. Die Neva Masquarade sind geschickte und erfolgreiche Jäger, die man allerdings häufiger in der Dämmerung als in der Dunkelheit antrifft.

Die blauen Augen und die Point-Zeichnung sind die hervorstechendsten Merkmale der Neva Masquarade – die Augen sind groß, oval und leicht schräg stehend. Die Fédération Internationale Féline legt in ihren Kriterien fest, welche Point-Farbvarietäten gemäß den Rassestandards erlaubt sind, dabei sind unterschiedlich hohe Anteile an Weiß gestattet. Lediglich die Farben Chocolate, Lila, Cinnamon und Fawn werden ausgeschlossen, da sie auf die Einkreuzung einer anderen Rasse hindeuten.

Ansonsten gleicht die Neva Masquarade ihrer Schwester, der Sibirischen Katze, wie ein Ei dem anderen. Die Wildkatzen im Kleinformat haben ein langes und dichtes Fell, das im Winter deutlich dichter ist als im Sommer. Ihr Körperbau ist muskulös und ihr Schwanz buschig. Haarbüschel und Pinsel schmücken ihre gerundeten und leicht nach vorn stehenden Ohren. Haarbüschel zwischen den Zehen sehen nicht nur gut aus, sondern halten die Pfoten im Winter auch schön warm!

Wesen und Haltung

Die Neva Masquarade ist sehr aktiv, bewegungsfreudig und gilt als eine äußerst geschickte Jägerin. Sie ist robust und mag, geschützt durch ihr dichtes Fell, auch bei Eis und Schnee draußen spielen, toben und jagen. Eine Haltung als reine Wohnungskatze ist daher schwierig, da die russische Frohnatur ihren Freigang sehr vermissen würde – zumindest ein gesicherter Balkon oder ein geschützter Gartenbereich sollte ihrem Taten- und Bewegungsdrang zur Verfügung gestellt werden. Auch drinnen ist ein Platz zum Toben natürlich erwünscht – ein großer Kletter- und Kratzbaum wäre da ganz im Sinne des Kätzchens. Wie Harrison Weir schon 1892 beschrieb, ist die Neva Masquarade eine äußerst soziale Samtpfote, die sich gerne mit angenehmer Gesellschaft umgibt und diese sehr zu schätzen weiß. Es wäre also schön, ihr einen Gefährten zur Seite zu stellen! Langeweile und Allein-Sein sind nämlich die Dinge, die eine Neva Masquarade gar nicht mag, das macht sie nicht nur traurig, sondern kann im schlimmsten Fall auch zu psychischen Problemen und zu unerwünschtem Verhalten wie z. B. Unsauberkeit führen.

Eine glückliche Neva Masquarade hingegen ist ein absolut geselliger, liebenswerter und geduldiger Mitbewohner, der immer mittendrin und dabei sein möchte, um bloß nichts zu verpassen. Die verschmuste Samtpfote verträgt sich in aller Regel auch gut mit Kindern und Hunden. Die intelligente Fellnase ist dabei auch sehr gelehrig, sodass man ihr sogar kleinere Tricks und Kunststücke beibringen kann – eine ihrer freundlichen Eigenarten, die so gar nicht katzenhaft anmutet, ist übrigens, zu Dir zu kommen, wenn Du sie mit ihrem Namen rufst.

Pflege und Ernährung

Die Neva Masquarade ist immer der Jahreszeit entsprechend perfekt gekleidet: Ihr wasserabweisendes Fell ist im Winter dicht und länger, sodass sie auch bei Eis und Schnee hervorragend draußen toben kann (und das auch möchte). Im Übergang zum Sommer verliert die Neva Masquarade ihr Unterfell komplett, sodass ihr Fell insgesamt deutlich kürzer und dünner wird. Trotz ihrer langen Haare ist die russische Samtpfote relativ pflegeleicht, da das geschmeidige Fell nicht zum Verfilzen neigt. Eine Streicheleinheit mit Kamm oder Bürste ist natürlich trotzdem erwünscht. Gerade in der Zeit des Fellwechsels sollten die losen Haare aus dem Fell entfernt werden, um der Bildung von Haarbällchen vorzubeugen. Stubentiger benötigen ein wenig mehr Pflege, da sie lose Haare nicht während des Freigangs abstreifen können. Empfehlenswert ist es in jedem Fall, eine Neva Masquarade ein- bis zweimal in der Woche zu bürsten oder zu kämmen.

Wie alle Katzen ist auch die Neva Masquarade eine Jägerin und Fleischfresserin, daher sollte ein hochwertiges proteinreiches Futter mit hohem Fleischanteil verfüttert werden. Kohlenhydrate können Katzen nur in sehr geringen Mengen verdauen, daher sollte auf Getreide im Futter am besten gänzlich verzichtet werden. Insofern die Portionen bedarfsgerecht zusammengestellt werden, kann auch BARF möglich sein – hierzu solltest Du Dich aber vorher eingehend informieren und beraten lassen und zusammen mit Deiner Neva Masquarade ausprobieren, ob dies eine für euch passende Alternative ist. Hier findest Du mehr zum Thema „Katzen und BARF“.

Typische Erkrankungen

Die Neva Masquarade gehört zu den Wald- und Naturrassekatzen, die sich ohne große Eingriffe von außen entwickelt haben, das macht sie zu einer ausgesprochen robusten Rassekatze, die wenig anfällig für Krankheiten ist. Durch den Teil-Albinismus können, wie beschrieben, allerdings Schielen und Augenzittern auftreten – diese Symptome sind bei der Neva Masquarade als Point-Katze jedoch nicht krankhaft und deuten nicht wie bei anderen Katzenrassen auf neurologische Störungen oder Hirnschäden hin.

Fragen und Antworten

1) Wie viel kostet eine Neva Masquarade?

Ein seriöser Züchter wird circa 700 € für eine Neva Masquarade verlangen. Im Interesse des Tieres solltest Du auch bereit sein, diese Summe zu investieren, wenn Du ernsthaft überlegst, einer Neva ein neues Zuhause zu bieten. Wesentlich günstigere Angebote verweisen häufig auf eine nicht artgerechte Züchtung.

2) Wie alt werden Neva Masquarade?

Neva Masquarade können 15 bis 20 Jahre alt werden, ihr Durchschnittsalter liegt also ungefähr bei 18 Jahren.

3) Wie schwer werden Neva Masquarade?

Ein Kater kann zwischen 4,5 und 9 kg wiegen und ist damit zumeist schwerer und größer als sein weiblicher Counterpart.

4) Was fressen sibirische Katzen?

Wie alle Katzen ist auch die Neva Masquarade eine Jägerin und Fleischfresserin, daher sollte ein hochwertiges proteinreiches Futter mit hohem Fleischanteil verfüttert werden, auf Getreide im Futter sollte am besten verzichtet werden.

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