Fliegenmadenfraß (Myiasis) bei Kaninchen und Meerschweinche

Fliegenmadenfraß – so unappetitlich das klingt, so gefährlich kann es sein. Für Kaninchen und Meerschweinchen kann ein Fliegenmadenbefall das Todesurteil sein, wenn keine sofortige Behandlung erfolgt. Daher ist es besonders in den Sommermonaten wichtig, aufmerksam zu sein, seine Tiere gut im Blick zu haben und bei ersten Anzeichen eines Madenbefalls umgehend zu reagieren. Wir haben im Folgenden das Wichtigste zum Thema für Dich zusammengefasst.

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Bitte beachte: Fliegenmadenfraß kann nicht nur bei Kaninchen und Meerschweinchen vorkommen, sondern auch bei anderen Tieren und auch bei uns Menschen! Myiasis ist immer ein medizinischer Notfall!

Wie entsteht Fliegenmadenfraß?

Fliegenmadenfraß (Myiasis) ist insbesondere in den Sommermonaten ein Problem, wenn Fleisch- oder Schmeißfliegen ihre Eier ablegen. Dies tun sie leider auch auf unseren Tieren. Hierzu wählen sie beispielsweise kleine Wunden oder die After- und Genitalregion. Von dort aus fressen sich die geschlüpften Maden durch das Gewebe und verursachen schwere Entzündungen, innere Blutungen und/oder Verletzungen an Organen.

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Wichtig: Dieser sogenannte Fliegenmadenfraß ist, wie man sich leicht vorstellen kann, äußerst schmerzhaft für die Tiere und kann innerhalb kurzer Zeit tödlich sein. Fliegenmadenfraß ist immer ein Notfall und bedarf umgehender tierärztlicher Behandlung ohne jegliche Zeitverzögerung!

Ursachen von Fliegenmadenfraß

Die eigentliche Ursache von Fliegenmadenfraß sind natürlich die entsprechenden Maden, die sich durch Haut und Gewebe fressen. Es gibt jedoch einige begünstigende Faktoren. Dazu gehören:

  • Mangelnde Hygiene: Fliegen werden von Kot und Urin angezogen. Verschmutzte Gehege oder Toiletten sowie zu viele Tiere auf engem Raum sind somit ein Risikofaktor.

  • Kaninchen und Meerschweinchen, die an Durchfall leiden, sind besonders anfällig für Fliegenmaden, da kleine Hautläsionen und Entzündungen am After ideale Orte für die Eiablage darstellen. Außerdem ist die Afterregion häufig durch Kot verschmutzt, was Fliegen anlockt. Dasselbe gilt für Tiere, die sich aufgrund anderer Erkrankungen wie Arthrose nicht mehr ausreichend putzen können.

  • Wunden und Abszesse auf der Haut ziehen Fliegen an und begünstigen die Eiablage.

  • Stress führt zu einem geschwächten Immunsystem. Betroffene Tiere sind anfälliger für Infektionen und somit für einen Fliegenmadenbefall. Stress wird u. a. verursacht durch unharmonische Gruppenkonstellationen, zu viele Tiere auf engem Raum, falscher Umgang durch den Menschen (herumtragen, hochheben etc.), Einsamkeit, Langeweile, zu wenig Bewegung u.v.m.

Eine verschmutzte Afterregion begünstigt den Befall mit Fliegenmaden. Betroffene Tiere sind unbedingt im vor Fliegen geschützten Innenbereich unterzubringen.

Symptome

Von einem Fliegenmadenbefall betroffene Meerschweinchen oder Kaninchen wirken meist apathisch und lustlos. Sie bewegen sich kaum und sitzen häufig einfach auf dem gleichen Fleck. Mitunter zucken sie urplötzlich zusammen und/oder beißen sich. Oft haben sie entzündete Wunden, auf denen bei genauerem Hinsehen Maden und/oder Eier zu erkennen sind. Auch das Fressverhalten kann sich ändern: Sie sind appetitlos und fressen weniger oder gar nicht. Bei einem starken Befall kann man einen üblen Geruch wahrnehmen. Oftmals ist die Einstreu verschmutzt und Fliegen befinden sich im Gehege.

Durch Fliegenmaden verursachte Fraßlöcher. Dies ist ein absoluter Notfall! Betroffene Tiere sind sofort einem Tierarzt vorzustellen. Außerhalb der regulären Öffnungszeiten ist eine Tierklinik aufzusuchen.

Behandlung von Fliegenmadenfraß

Bei einem Fliegenmadenbefall ist Zeit der entscheidende Faktor, der mitunter über Leben und Tod entscheiden kann. Wenn Du die genannten Symptome bemerkst oder gar Eier oder Maden auf Deinem Kaninchen oder Meerschweinchen entdeckst, solltest Du umgehend einen kundigen Tierarzt aufsuchen. Ein Madenbefall ist ein Notfall, der eine sofortige Behandlung erfordert! Hat der Tierarzt zum Beispiel am Wochenende nicht geöffnet, ist eine Tierklinik mit Notfalldienst aufzusuchen.

Der Tierarzt wird zunächst versuchen, so viele Maden und Eier wie möglich abzusammeln. Danach werden die betroffenen Stellen rasiert und das Kaninchen oder Meerschweinchen wird gebadet. Durch die Wärme werden die Maden aus den Wunden hervorgelockt und können so besser entfernt werden. Die Fraßstellen und Wunden müssen anschließend mit einer Wundspüllösung behandelt und desinfiziert werden, da sich häufig eine Sekundärinfektion bildet. Da die Behandlung mit großen Schmerzen verbunden ist, kann eine Narkose notwendig sein. Der Tierarzt wird Dir ein Antiparasitikum sowie Antibiotika und Schmerzmittel mitgeben. Nicht wenige Kaninchen und Meerschweinchen benötigen Infusionen, um den Kreislauf zu stabilisieren. Es kommt leider nicht selten vor, dass die Maden schon derart weit in den Körper vorgedrungen sind und solch massive Entzündungen, Abszesse oder Blutungen versursacht haben, dass das Tier eingeschläfert werden muss. Auch eine Sepsis (Blutvergiftung) kann die Folge sein.

In den Tagen darauf ist eine engmaschige Kontrolle vonnöten. Überprüfe mehrmals täglich, wie sich die Wunden entwickeln und ob erneut Maden oder Eier zu sehen sind. Auch das Allgemeinbefinden Deines Tieres solltest Du gut im Blick behalten. Frisst Dein Kaninchen oder Meerschweinchen normal? Bewegt es sich? Bei einer Verschlechterung solltest Du den Tierarzt aufsuchen. Achte außerdem während der Behandlungszeit noch stärker als sonst auf Hygiene, um einen erneuten Befall zu verhindern. In der Abheilungsphase ist Dein Kaninchen oder Meerscheinchen ganz besonders gefährdet! Reinige täglich die Toilette, entferne verschmutzte Einstreu und lasse Frischfutter nicht zu lange liegen.

Gefährdete oder erkrankte Tiere sind in einem vor Fliegen geschützten Bereich unterzubringen. Bei betroffenen Tieren ist die Halltung auf konventionellem Kleintierstreu nicht zu empfehlen, da es die Wunden verunreinigt. Als Alternative können sich Welpenunterlagen oder Fleecematten eignen. Dein Tierarzt berät Dich hierzu.

Vorbeugung von Fliegenmadenfraß

Leider gibt es keine Mittel, um einem Fliegenmadenbefall verlässlich vorzubeugen. Wenn Du jedoch folgende Punkte beachtest – vor allem im Sommer –, kannst Du die Gefahr zumindest reduzieren:

  • Bei allen Tieren einmal täglich die After- und Genitalregion genau überprüfen.

  • Bei alten/geschwächten/kranken Tieren (z. B. mit Arthrose, Durchfall, Wunden, Zahnerkrankungen etc.) zwei Mal täglich auf Maden kontrollieren.

  • Akut erkrankte Kaninchen, zum Beispiel mit Durchfall, nicht im Außengehege lassen.

  • Fliegengitter an den Fenstern und/oder am Außengehege anbringen.

  • Mindestens alle zwei Tage die Kaninchen- bzw. Meerschweinchentoilette reinigen. Bei Kaninchen mit Durchfall mehrmals täglich.

  • Mindestens ein Mal pro Woche eine gründliche Komplettreinigung des Geheges.

  • In der Nähe von Kaninchen und Meerschweinchen alles vermeiden, was Fliegen anzieht, zum Beispiel Komposthäufen.

  • Nicht gefressenes Frischfutter entfernen

  • Auf eine tiergerechte Haltung achten: gesundes Futter, genug Bewegung, Artgenossen etc.

Fazit

Ein Fliegenmadenbefall bzw. Fliegenmadenfraß stellt insbesondere in den Sommermonaten eine ernste Gefahr für unsere Tiere dar. Wird der Befall zu spät entdeckt, kann dem betroffenen Tier oft nicht mehr geholfen werden und es muss eingeschläfert werden. Es ist daher wichtig, auf Hygiene zu achten und die Tiere regelmäßig auf einen Madenbefall zu kontrollieren, insbesondere an der Afterregion. Ein hygienisches Meerschweinchen- oder Kaninchengehege, gesundes Futter, ausreichend Bewegung und Artgenossen unterstützen das Immunsystem.

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