Zahnpflege bei Kaninchen

Gesundes Futter, Artgenossen, viel Platz zum Rennen und Interessantes zu entdecken – Deinen geliebten Kaninchen soll es natürlich an nichts fehlen. Bei aller Fürsorge wird dabei oft eines vergessen: die Gesundheit der Zähne. Dabei ist diese ganz entscheidend dafür, dass sich Deine Kaninchen wohlfühlen. Zahnerkrankungen können sich zu einem ernsthaften Gesundheitsproblem entwickeln, zu verschiedenen Folgeerkrankungen führen und das Wohlbefinden Deiner Langohren somit massiv beeinträchtigen. Höchste Zeit also, dem Thema mehr Beachtung zu schenken.

Das Gebiss von Kaninchen

Kaninchen haben im Ober- und Unterkiefer jeweils zwei Schneidezähne und im Oberkiefer, direkt hinter den Schneidezähnen, zusätzlich zwei kleinere Stiftzähne. Hinzu kommen – man mag es kaum glauben – 22 Backenzähne. Diese werden benötigt, um das Futter zu zermalmen. Eine Besonderheit der Kaninchenzähne ist, dass sie ein Leben lang nachwachsen, und zwar etwa 1,5 mm pro Woche. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass sie sich durch das richtige Futter kontinuierlich abnutzen, quasi abschleifen, um nicht zu lang zu werden. Dies geschieht durch die Kaubewegungen: Die Zähne reiben aneinander, wodurch sie automatisch gekürzt werden und gesund bleiben. Entscheidend dafür ist möglichst natürliches, rohfaserreiches Futter wie Heu und frische Wiesenkräuter/Grünfutter. Diese sorgen dafür, dass die Kaninchen lange kauen müssen, wodurch der Zahnabrieb und somit die Gesundheit der Kaninchenzähne gefördert werden. Das Wichtigste zur Vorbeugung von Zahnproblemen ist somit die richtige Ernährung.

Zahnprobleme und ihre Folgen

Wenn Kaninchen nicht die Möglichkeit haben, sich ihre Zähne durch entsprechendes Futter kontinuierlich abzuschleifen, kann es zu massiven gesundheitlichen Problemen kommen. Die häufigste Folge ist, dass die Zähne zu lang werden und/oder schief wachsen, sodass keine natürlichen Kaubewegungen mehr möglich sind. Oftmals verletzen zu lange Zähne auch die Maulschleimhaut, was zu heftigen Entzündungen, Abszessen und Schmerzen führt. Ein Teufelskreis entsteht: Unzureichender Zahnabrieb, zum Beispiel infolge falscher Ernährung, führt zu überlangen Zähnen oder Zahnfehlstellungen, die wiederum zur Folge haben, dass der Zahnabrieb weiterhin beeinträchtigt wird, weil die Kaninchen nicht mehr richtig kauen können usw. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, müssen die Zähne in einwandfreiem Zustand sein: Sie dürfen nicht zu lang sein und müssen beim Kauen entsprechend aufeinander reiben. In extremen Fällen kann es notwendig sein, die natürliche Zahnstellung durch ein Kürzen beim Tierarzt wiederherzustellen.

Es ist somit von zentraler Bedeutung, den Zustand der Zähne regelmäßig zu kontrollieren und bei veränderten Verhaltensweisen aufmerksam zu werden. Auch Symptome, die zunächst den Anschein machen, als hätten sie nichts mit den Zähnen zu tun, können auf Gebissprobleme hinweisen. Als Beutetiere liegt es in der Natur von Kaninchen, gesundheitliche Probleme und somit Schwäche so lange wie möglich zu verstecken.

Symptome können sein:

Zähne/Gebiss/Maul

  • Schräg stehende/zu lange Schneidezähne
  • Lockere Zähne/Zahnausfall
  • Entzündungen/Schwellungen am Zahnfleisch
  • Mundgeruch
  • Offenhalten des Mauls
  • Speicheln, nasses Fell am Maul

Verdauung/Fressverhalten

  • Appetitverlust/Futterverweigerung/verändertes Fressverhalten (z.B. nur noch weiches Futter, Liegenlassen von bisher gern Gefressenem)
  • Gewichtsverlust/Abmagerung
  • Aufgasung
  • Durchfall/matschiger Kot/weniger oder im Aussehen veränderte Köttel
  • Verstopfung
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Achtung: Kaninchen, die wegen Zahnproblemen oder -schmerzen nicht mehr richtig fressen können, machen oft den Eindruck, als würden sie es doch tun, wodurch es schwierig wird, bestehende Probleme zu bemerken. Achte also darauf, ob Deine Tiere wirklich fressen oder nur im Napf stöbern, um etwas zu finden, das sie noch kauen können, aber eigentlich nichts mehr zu sich nehmen.

Augen/Nase

  • „Schnupfen“/Nasenausfluss
  • Augenausfluss
  • Hervortretender Augapfel

Letztere Symptome können durch eine Zahnwurzelentzündung verursacht werden.

Wie Du siehst, können die Symptome für Probleme im Bereich der Zähne/des Mauls vielfältig sein und sind nicht immer leicht mit der eigentlichen Ursache in Verbindung zu bringen. Beobachte Deine Kaninchen daher genau und gehe bei verändertem Verhalten auf Ursachenforschung.

Ursachen für Zahnprobleme

Der Großteil der Zahnprobleme und der oben genannten Symptome ist auf falsche Fütterung zurückzuführen. Die Kaninchen bekommen nicht genug rohfaserreiche Nahrung, müssen demzufolge wenig kauen und können sich ihre Zähne nicht ausreichend abnutzen. Daneben können auch andere Faktoren zu Zahnproblemen führen, so etwa:

  • Genetisch bedingte/angeborene Fehlstellung der Zähne
  • Traumata/Verletzungen
  • Altersbedingte Zahnprobleme
  • Mineralstoffmangel, insbesondere ein Mangel an Kalzium und Vitamin D
  • Andere Erkrankungen, die zu einer geringeren Futteraufnahme führen

In diesen Fällen ist durch eine Ernährungsumstellung nicht viel zu erreichen – mit Ausnahme des Mineralstoffmangels. Hier sollte in jedem Fall ein Tierarzt aufgesucht werden. Auch bei Tieren aus schlechter Haltung, die bereits überlange Zähne haben, müssen diese zunächst vom Tierarzt gekürzt oder sogar entfernt werden, bevor mittels der richtigen Ernährung erneuten Zahnproblemen vorgebeugt werden kann.

Zahnproblemen vorbeugen durch richtige Zahnpflege

Um gesundheitlichen Problemen und damit verbundenen Schmerzen vorzubeugen, sind insbesondere zwei Dinge wichtig: die regelmäßige Kontrolle der Zähne und das richtige Futter zur Unterstützung des Zahnabriebs.

Futter

Zur Förderung des Zahnabriebs brauchen Kaninchen rund um die Uhr hochwertiges, rohfaserreiches Futter. Von zentraler Bedeutung ist Heu, das ihnen immer frisch und in ausreichender Menge zur Verfügung stehen muss. Auch Grünfutter sollten ihnen angeboten werden. Grundsätzlich gilt: Je mehr die Kaninchen kauen müssen, desto besser funktioniert der Zahnabrieb. Es ist ein Trugschluss, zu glauben, dass mit möglichst harter Nahrung oder gar getrocknetem Brot (bitte niemals füttern!) der Zahnabrieb gefördert wird. Entscheidend ist nicht die Härte der einzelnen Futterbestandteile, wichtig ist vielmehr, dass die Kaninchen genau auf die Art und Weise und in der Länge kauen und zermalmen müssen, wie es ihr Gebiss vorsieht. Sie nutzen sich die Zähne nicht am Futter selbst ab, sondern dadurch, dass die Zähne aneinanderreiben. Je länger sie kauen, desto besser funktioniert das. Möglichst viel Frisch- und Grünfutter sowie Heu sollten somit die Grundlage der Kaninchenernährung darstellen. Auf eine entsprechende Deckung des Mineralstoffbedarfs ist ebenfalls zu achten.

Zähne kontrollieren

Du solltest es Dir zur Gewohnheit machen, den Gesundheitszustand Deiner Tiere regelmäßig zu überprüfen. Hierzu gehört auch die Kontrolle der Zähne bzw. des Gebisses. Die Schneidezähne lassen sich mit etwas Übung leicht untersuchen. Lass Dir von einem Tierarzt oder unseren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in den Kölle Zoo Märkten zeigen, wie das geht. Mit einem geübten Griff tust Du dem Kaninchen nicht weh und hast die vorderen Zähne gut im Blick. Wenn die Schneidezähne zu lang sind oder schief wachsen, sind meist auch die sehr schlecht einsehbaren Backenzähne betroffen. Bitte suche dann einen kaninchenkundigen Tierarzt auf, um das Gebiss professionell begutachten zu lassen. Er wird Dich dann auch dazu beraten, welche Behandlung sinnvoll ist.

Gesunde Kaninchenzähne sind nicht zu lang und nicht verfärbt oder schrägstehend. Sie haben Längsrillen. Die oberen Schneidezähne stehen leicht über die unteren.

Fazit

Zahnprobleme sind bei Kaninchen leider sehr häufig und führen zu großen Problemen und Schmerzen. Entscheidend für die Abnutzung der lebenslang nachwachsenden Zähne und somit die Zahngesundheit und das Wohlbefinden unserer Langohren ist die Kautätigkeit. Kaninchen müssen rund um die Uhr rohfaserreiches Futter wie Heu und Wiesenkräuter sowie Gräser zur Verfügung haben. Außerdem solltest Du die Zähne Deines Lieblings regelmäßig kontrollieren, um Zahnprobleme schnell erkennen und behandeln zu können.

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