Steckbrief Blasenanemone

Eine Aneminemone mit eigenen Blubbels, das hätte auch Nemo toll gefunden! Wer eine besonders attraktive Seeanemone mit verschiedenen Farbmorphen und mittleren Haltungsansprüchen sucht, ist bei der Blasen- oder Kupferanemone genau richtig. Clownfische gehen gerne eine Symbiose mit ihr ein und durch ihre nur schwache Nesselkraft ist diese Anemone auch rifftauglich. In unserem Beitrag erfährst Du, wie Du sie erfolgreich pflegst.

Herkunft

Die aufgrund der häufig blasenartigen Verdickungen an ihren bis 10 cm langen Tentakeln Blasenanemone (Entacmaea quadricolor) genannte Seeanemone stammt aus den Korallenriffen des tropischen Pazifischen und Indischen Ozeans bis zum Roten Meer. Sie kommt von oberflächennahen Bereichen bis in etwa 200 Meter Tiefe vor, wobei die koloniebildenden Exemplare aus geringen Tiefen mit 10 cm Durchmesser meist deutlich kleiner bleiben als solitäre Tiefsee-Blasenanemonen, welche einen Durchmesser von bis zu 50 cm erreichen können. Es gibt verschiedene Farbmorphen in Braun-, Orange-, Rot-, Rosa- und Grüntönen (und deren Kombinationen). Die rötliche Variante ist in der Aquaristik am häufigsten verbreitet und wird auch als Kupferanemone bezeichnet. Grüne und braune Exemplare stammen meist aus tieferen Meeresregionen, in die weniger Licht vordringt. Die birnenförmigen Knubbel an den Tentakeln können bei Blasenanemonen vorhanden sein oder auch nicht – bei manchen blasenlosen Anemonen bilden sich die Blasen an der Tentakelspitze erst später und bei manchen blasentragenden Exemplaren verschwinden die Schwellungen nach einiger Zeit. Es können bei einer Anemone zur selben Zeit sogar Tentakel mit und ohne Blasen vorhanden sein. Weder ihre Funktion noch die Ursachen des Erscheinens oder Verschwindens sind bisher geklärt, es wird allerdings spekuliert, dass die Fütterung, die Lichtstärke oder sogar das Vorhandensein von Symbiosepartnern wie Clownfischen eine Rolle dabei spielt.

Rötlich gefärbte Blasenanemonen werden auch als Kupferanemonen bezeichnet.

Im Handel werden neben Naturentnahmen auch immer mehr Nachzuchten der Blasenanemone angeboten. Erkundige Dich vor dem Kauf, ob es sich um eine solche handelt, dann kannst Du einen Beitrag zur Schonung der natürlichen Ressourcen leistet.

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Tipp: Unter Blaulicht können Blasenanemonen in verschiedenen Farben fluoreszieren. Dies kannst Du Dir für spannende Effekte in Deinem Aquarium zunutze machen. Bedenke aber auch, dass viele Fotos mit Blaulicht oder speziellen Filtern aufgenommen wurden und sei daher nicht enttäuscht, wenn Deine Blasenanemone in natura zunächst weniger spektakulär aussieht!

Verhalten

Die Blasenanemone möchte sich im Aquarium wie in der Natur mit ihrer Fußscheibe fest in einer Felsspalte verankern und sucht sich ihren geeigneten Platz im Riffaufbau selbst. Sie bevorzugt eine mittelstarke Wechselströmung und nicht zu intensive Beleuchtung. Hat sie eine Stelle gefunden, die ihr zusagt, so ist sie meist recht standorttreu. Manche Exemplare wandern aber auch bei zusagenden Bedingungen regelmäßig im Aquarium. Während der Wanderung durch das Becken kann sie sessile Wirbellose vernesseln, allerdings ist ihre Nesselkraft im Vergleich zu anderen Anemonenarten sehr gering ausgeprägt.

Blasenanemonen leben in Symbiose mit Zooxanthellen in ihrem Gewebe, die Photosynthese betreiben und über welche die Wirtsanemone einen Teil ihres Nährstoffbedarfs deckt. Diese Symbiosealgen sind verantwortlich für einen bräunlichen Schimmer, der in Kombination mit der eigentlichen Färbung vieler Blasenanemonen vorkommt. Doch das ist nicht die einzige Symbiose, zu der die Blasenanemone fähig ist: Auch mit Krebstieren und Fischen bildet sie häufig eine Partnerschaft – selbst mit Arten, mit denen sie in der Natur überhaupt nicht vorkommt. So akzeptieren mehr als 15 Arten von Anemonenfischen der Gattung Amphiprion wie beispielsweise A. clarkii, A. frenatus und A. percula, aber auch der Samtanemonenfisch (Premnas biaculeatus) gerne Blasenanemonen als ihr Zuhause. Selbst der Dreifleck-Preußenfisch (Dascyllus trimaculatus) lebt als Jungtier gerne in Gemeinschaft mit der Anemone und auch Rotmeer-Partnergarnelen (Periclimenes longicarpus) sowie Porzellankrabben (Neopetrolisthes) finden zwischen ihren Tentakeln Schutz und Nahrung.

Verschiedene Anemonenfische leben in einer Symbiose mit der Blasenanemone.

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Tipp: Auch wenn die Blasenanemone nur schwach nesselt – eine Bekanntschaft mit ihren Nesselfäden kann dennoch schmerzhaft enden und allergische Reaktionen können bei jedem Menschen auftreten. Wasche Dir daher nach jeder Berührung der Anemone gründlich Deine Hände oder Arme oder benutze ungiftige, ungepuderte Einweghandschuhe – oder eine lange Pinzette – zum Hantieren im Aquarium.

Tiergerechte Unterbringung und Pflege

Das Aquarium für eine Blasenanemone sollte auch für ein Exemplar der kleinen Flachwasserform keinesfalls unter 80 cm Kantenlänge haben und man sollte stets bedenken, dass nie absehbar ist, welche Endgröße eine als kleines Blumentier eingesetzte Anemone erreichen wird. Allerdings kann die nur schwach nesselnde Blasenanemone besser in relativ kleinen Aquarien mit Korallen vergesellschaftet werden als die meisten anderen Anemonenarten. Du solltest die Blasenanemone zunächst im mittleren Bereich des Riffs unterbringen. Sagen ihr die Licht- oder sonstigen Bedingungen nicht zu, wird sie sowieso auf Wanderschaft gehen und sich einen passenderen Standort suchen. An die Wasserwerte stellt sie keine besonderen Anforderungen: Die Wassertemperatur sollte im tropischen Bereich von 23 bis 27 °C liegen bei einem pH-Wert von 8,1 bis 8,4 und einer Salinität von etwa 35 g/l. Die benötigte mittelstarke und wechselhafte Strömung für unsere Blasenanemone erzeugst Du am einfachsten mit mehreren Strömungspumpen an den beiden Seiten Deines Aquariums. Der Einlass der Strömungspumpen muss mit einem Schwamm oder Gitter geschützt sein, damit die Anemone nicht versehentlich beim Wanders durchs Becken angesaugt und schwer verletzt wird.

Ernährung

Dank ihrer Symbiose-Zooxanthellen sind Blasenanemonen bei ausreichender Beleuchtung nicht auf eine zusätzliche Fütterung angewiesen. Fütterst Du Deine Fische, so erhalten die Anemonen aber automatisch ihren Anteil. Sie nehmen gerne feines bis mittleres Frost- und Lebendfutter wie z. B. Hüpferlinge (Cyclops), Salzkrebschen (Artemia) oder Schwebegarnelen (Mysis). Zu große Futterstücke, wie die häufig empfohlenen Stücke von Stinten, sollten vermieden werden, da deren Verdauung das Tier stark unter Stress setzen kann und die Brocken auch zum Teil wieder ausgespuckt werden. Die Futterpartikel werden mit den Tentakeln gefangen und zur Mundöffnung geführt, von wo aus sie in den Verdauungsraum gelangen und die unverdaulichen Reste im Anschluss wieder über die Mundöffnung ausgeschieden werden.

Fortpflanzung und Zucht

Blasenanemonen können sich sowohl geschlechtlich als auch ungeschlechtlich durch Teilung fortpflanzen. Eine sexuelle Vermehrung findet im Aquarium normalerweise nicht statt, wurde selten aber auch schon beobachtet. Durch die Abgabe von Eiern oder Spermien entsteht eine starke Wassertrübung, mit der ein ausreichend dimensionierter Eiweißabschäumer aber fertig werden sollte. Kontrolliere zur Sicherheit in diesem Fall die Einstellungen und den Schaumtopf. Die Aufzucht der Larven ist aufwändig und hat nur in einem separaten Aquarium Aussicht auf Erfolg. Die ungeschlechtliche Fortpflanzung (Lazeration) ist aber dafür unkompliziert und im Aquarium häufig zu beobachten. Ausgelöst wird die Teilung allerdings wahrscheinlich durch Stressfaktoren wie einen Teilwasserwechsel oder ungünstige Lichtverhältnisse. Die Anemone teilt sich meist längs und aus beiden Teilen regenerieren sich dann vollständige Anemonen. Gelegentlich wird auch empfohlen, die Teilung künstlich durch einen Schnitt vorzunehmen, um seine Anemone zu vermehren. Allerdings besteht hierbei die Gefahr, zwei tote Hälften anstelle der einen gesunden Seeanemone zu erhalten. Teilt sich Deine Anemone häufiger, so solltest Du die Pflegebedingungen überprüfen und mögliche Stressfaktoren beseitigen. Seeanemonen können übrigens in der Natur ein Alter erreichen, welches die menschliche Lebensspanne sogar noch übertrifft – über 100 Jahre sind keine Seltenheit.

Fragen und Antworten zur Blasenanemone

Wann kann man eine Blasenanemone einsetzen?

Für Seeanemonen sollte Dein Aquarium mindestens einige Monate, besser bereits seit einem halben Jahr, eingefahren sein und stabile Wasserwerte aufweisen. Schalte vor dem Einsetzen der Anemone die Strömungspumpen ab, so dass sie sich mit ihrer Fußscheibe verankern kann, ohne abgetrieben zu werden. Achte beim Kauf der Blasenanemone darauf, möglichst eine Nachzucht und vor allem, ein gesundes Exemplar zu erhalten: Der Fuß der Anemone darf keine Verletzungen aufweisen und die Anemone sollte sich auch im Händlerbecken bereits fixiert haben und nicht haltlos durch das Wasser treiben. Sitzt sie auf einem Felsen, so kaufe den Felsen mitsamt der Anemone. Niemals sollte sie mit Gewalt von ihrem Untergrund entfernt werden! Die Mundscheibe sollte geschlossen sein, die Tentakel prall aufgepumpt wirken und nicht schlaff herunterhängen. Das Vorhandensein der nützlichen Zooxanthellen zeigt ein bräunlicher Schimmer an, der sozusagen unter der Grundfarbe liegt. Vorsicht bei sehr intensiven oder unnatürlichen Farben – hier könnte es sich um ein künstlich gefärbtes Exemplar handeln. Diese Tiere sind meist zum Tode verurteilt und sollten nicht erworben werden. Ausgebleichte Exemplare könnten ihre Zooxanthellen verloren haben und sollten ebenfalls vermieden werden. Schnuppere auch einmal dicht über der Wasseroberfläche: Riecht es nicht angenehm nach Meer, sondern nach Fäulnis, so lass besser die Finger vom Kauf: Auch ohne äußerlich sichtbare Anzeichen könnte die Seeanemone kurz vor der Auflösung stehen. Du kannst auch einen Mitarbeiter der Zoohandlung bitten, die Anemone vor Deinen Augen zu füttern: Zeigt sie keine Reaktion, dann fühlt sie sich nicht wohl und sollte nicht in Dein Aquarium umziehen. Die Meerwasserexperten in Deinem Kölle Zoo Markt verhelfen Dir gerne zu einer gesunden, schönen Blasenanemone.

Mit welchen Fischarten kann die Blasenanemone vergesellschaftet werden?

Optimal zur Vergesellschaftung geeignet sind Anemonenfische der Gattung Amphiprion oder Premnas, aber Du kannst die Blasenanemone auch mit allen anderen Fischarten zusammen pflegen, die sich nicht an ihren Tentakeln vergreifen, wie dies z. B. bei Kaiser- oder Drückerfischen der Fall sein kann.

Wie sieht das perfekte Aquarium für Blasenanemonen aus?

Das Becken für eine Blasenanemone sollte ihrer Größe entsprechend dimensioniert sein und über einen Riffaufbau, ausreichend Strömung sowie eine mittlere Beleuchtungsstärke verfügen. Setze Korallen, Röhrenwürmer und Muscheln außerhalb der Reichweite der Anemone ins Riff, damit sie nicht vernesselt werden oder als Futter enden.

Gibt es Besonderheiten?

Auf einen Tausch der Beleuchtungseinheit mit anschließend höherer Lichtstärke können Anemonen empfindlich reagieren. Sie ziehen sich dann zusammen oder versuchen, in schattigere Bereiche zu wandern. Du kannst der Seeanemone (und Deinen Korallen) die Umstellung erleichtern, indem Du mit der neuen Beleuchtung zunächst bei niedriger Leistung startest und diese täglich geringfügig erhöhst. Bei neueren Modellen ist die Lichtmenge meist regulierbar.

Wie groß wird eine Kupferanemone?

Kupferanemonen werden je nach Herkunft und ursprünglicher Wassertiefe zwischen 10 und 40 cm groß. Die grünen Formen bleiben meist eher klein. Allerdings solltest Du bereits beim Kauf einen Plan zur Unterbringung der Anemone für den Fall haben, dass die als kleine Morphe angepriesene Entacmaea entgegen allen Voraussagen doch eine imposante Größe erreicht.

Für wen eignen sich Blasenanemonen?

Blasenanemonen eignen sich für erfahrene Riffaquarianer und für geduldige Einsteiger, die mindestens ein halbes Jahr nach der Einrichtung des Beckens auf ihre Anemone warten können und dauerhaft eine hervorragende Wasserqualität garantieren können. Dann bereiten die langlebigen Farbtupfer viel Freude und ermöglichen besonders in Kombination mit Anemonenfische spannende Beobachtungen.