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Steckbrief Katharinasittich

Art:
Bolborhynchus lineola
Ursprungsgebiet:
Mittel- und Südamerika
Größe:
17 cm
Verhalten:
Schwarmvogel mit starker Paarbindung
Alter:
10-12, teilweise deutlich älter
Futter:
Großsittichmischung, Kolbenhirse, tierisches Eiweiß, Gemüse, Obst, Grit, Sepiaschale
Besonderheiten:
Sehr intelligent und bewegungsaktiv, schreckhaft, eher zurückhaltend

Katharinasittiche (Bolborhynchus lineola) sind kleine Papageien, die aus Mittel- und Südamerika stammen. Ihre Besitzer bezaubern sie mit ihrer Intelligenz, Sanftmütigkeit und ihrem großen Verhaltensrepertoire. Ihre Partnerbindung ist besonders eng – sie machen alles zu zweit und sind daher kaum je alleine anzutreffen.

Bitte beachte: Katharinasittiche unterliegen in Deutschland dem Artenschutzrecht. Allerdings gilt für Bolborhynchus lineola eine Befreiung von der Meldepflicht. Ein Herkunftsnachweis ist allerdings nötig.

Aussehen

Katharinasittiche erreichen eine Größe von etwa 17 Zentimetern und ein Gewicht von 50 bis 60 Gramm. Sie gehören somit eher zu den kleineren Vertretern der Papageien. Sie haben einen verhältnismäßig kurzen Schwanz und einen kräftigen, hornfarbenen Schnabel. Die Wildfarbe der Sittiche ist Grün, wodurch sich die Tiere im dichten Blätterwerk gut tarnen können. Zur Stirn hin nimmt das Gefieder einen gelbgrünen Ton an, am Scheitel ist oftmals ein leicht bläulicher Einschlag zu erkennen. Aufgrund der Beliebtheit der Vögel hat die Zucht von Katharinasittichen mittlerweile zahlreiche Farbschläge hervorgebracht, unter anderem Blau, Türkis, Gelb oder Creme mit teilweise grauen Flügeln. Katharinasittiche weisen keinen ausgeprägten Geschlechtsdismorphismus auf, das heißt, Männchen und Weibchen sind äußerlich kaum voneinander zu unterscheiden. Meist ist das Männchen etwas dunkler und die zwei mittleren Schwanzfedern fallen durch eine schwarze Färbung auf.

Wichtig: Eine eindeutige Geschlechtsbestimmung gelingt durch einen DNA-Test.

Katharinasittiche gibt es in unterschiedlichen Farbschlägen. Ihre Wildfarbe ist grün. 

Ursprüngliche Verbreitung und Lebensweise

Die Heimat der Katharinasittiche liegt in Mittel- und Südamerika von Mexiko bis Peru, wo sie teilweise in beachtlichen Höhen von 1500 bis 2500 Metern zu finden sind. Sie leben paarweise oder in kleinen Schwärmen und pflegen eine nomadische Lebensweise. Wie die meisten Papageien sind auch Katharinasittiche Höhlenbrüter, die ihr Gelege, das meist aus etwa 4 Eiern besteht, in Baumhöhlen ablegen. Nach einer Brutdauer von ungefähr 21 Tagen schlüpfen die Jungvögel, bleiben aber noch mehrere Wochen im Nest und werden von den Eltern gefüttert und versorgt. Katharinasittiche haben eine sehr enge Paarbindung. Hat sich ein Paar einmal gefunden, ist es beinahe unentwegt zusammen. Kuscheln, gegenseitige Gefiederpflege und enger Körperkontakt sind Ausdruck ihrer tiefen Verbundenheit. Werden sie getrennt, rufen sie lautstark nacheinander.

Katharinasittiche werden etwa 10 bis 12 Jahre alt, in Einzelfällen aber auch älter.

Tiergerechte Haltung

Die Paarbindung ist bei Katharinasittichen besonders stark ausgeprägt, daher dürfen sie unter keinen Umständen alleine gehalten werden. Möglich ist sowohl die paarweise Haltung als auch die Haltung in einem kleinen Schwarm. Die Anzahl der Vögel sollte dabei gerade sein und das Geschlechterverhältnis ausgeglichen, sodass jeder Vogel einen Partner für sich finden kann. Bei Gruppenhaltung werden drei Paare empfohlen.

Wichtig: Dass paarweise oder in Gruppen gehaltene Katharinasittiche nicht zahm werden, ist ein Irrglaube. Die Zahmheit ist nicht von der Anzahl der Tiere abhängig, sondern von den jeweiligen Charakteren und der Geduld und dem Einfühlungsvermögen des Menschen. Als Mensch kann man einen Artgenossen niemals ersetzen.

Für die Haltung von Katharinasittichen gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • Vogelzimmer: In einem Vogelzimmer haben die Tiere ganztägig die Möglichkeit, sich frei zu bewegen. Ein Käfig dient als Schlaf- und Rückzugsort. Dies ist generell die empfehlenswerteste Variante der Vogelhaltung, da man so dem enormen Bewegungsdrang der Tiere am ehesten gerecht werden kann.
  • Große Zimmervoliere: Gemäß Informationsblatt nach § 21 TierSchG sollte das Vogelheim, wenn keine Haltung in einem Vogelzimmer möglich ist, mindestens die Maße 120 x 60 x 100 (L x B x H) aufweisen. Diese Vorgaben dürfen keinesfalls unterschritten werden. Bei der Käfig- oder Volierenhaltung muss den Tieren täglich ein mehrstündiger Freiflug ermöglicht werden.
  • Außenhaltung: Wird den Tieren ein frostfreier Schutzraum zur Verfügung gestellt, in den sie sich jederzeit zurückziehen können, ist eine ganzjährige Außenhaltung möglich. Die Mindesttemperatur im Schutzhaus muss 5 °C betragen.

Volierenhaltung

Möchtest Du Deine Tiere in einer Voliere halten, so sollte darauf geachtet werden, dass die Gitterstäbe nicht verzinkt oder mit Kunststoff überzogen sind, sodass die Vögel, sollten sie daran knabbern, keine gesundheitlichen Schäden davontragen. Außerdem sollten sie waagerecht verlaufen, sodass die Tiere daran klettern können. Der Standort der Voliere sollte hell und trocken sein. Zugluft, plötzliche Temperaturschwankungen, kalte Nässe und direkte Sonneneinstrahlung sollten vermieden werden. Beim Freiflug ist darauf zu achten, dass sich die Tiere nicht verletzen können (Vorsicht vor Elektrokabeln, giftigen Pflanzen, Essensresten, Fenstern, Spiegeln etc.). 

Umgebung

Am wohlsten fühlen sich Deine Sittiche bei einer Temperatur von 18 bis 25 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von mind. 60 %. Eine angemessene Luftfeuchtigkeit ist wichtig, um ein Austrocknen der Schleimhäute und somit Erkrankungen zu verhindern. Vögel benötigen zum (Farb-)Sehen UV-Licht, das durch Fensterscheiben jedoch „ausgesperrt“ wird. Biete Deinen Tieren daher eine UV-Lampe mit UVA- und UVB-Anteilen an. Leuchtstoffröhren sind für Vögel sehr unangenehm und irritierend, da sie deren Flackern wahrnehmen können. Es sollte dafür gesorgt werden, das Flackern z. B. mittels eines Vorschaltgerätes zu verhindern.

Übrigens: Auch das Flackern von Computern und Fernsehgeräten können die Tiere wahrnehmen, was ebenfalls sehr störend für sie ist.

Katharinasittiche sind tagaktiv und brauchen daher Helligkeitsphasen von etwa 12 Stunden. Gegen Abend ist für eine entsprechende Abdunkelung zu sorgen, insbesondere in Zimmern, die Du abends selbst noch nutzt. Ein schwaches Orientierungslicht sollte in dunklen Zimmern nachts anbleiben, da Katharinasittiche sehr schnell erschrecken und dann mitunter kopflos losfliegen und sich verletzen können.

Käfigeinrichtung

Der Käfig bzw. die Voliere sollte zumindest folgende Gegenstände beinhalten:

  • Einstreu aus Hanf oder Buchenholzspäne
  • Gefäße für Wasser, Futter und Grit
  • Badehaus
  • Sitzstangen mit unterschiedlichen Durchmessern, um Sohlenballengeschwüre zu verhindern. Ideal sind Naturäste, die sich auch zum Knabbern eignen. Diese sollten nur einseitig befestigt werden, sodass sie leicht federn und die Gelenke schonen
  • Schaukeln, Leitern, dicke Äste, Baumwollseile und andere Beschäftigungsmöglichkeiten
  • Schlafhäuschen (nicht komplett geschlossen, um Brüten zu vermeiden. Entsprechende Schlafkästen müssen aber unbedingt vorhanden sein!)

Beschäftigung

Um fit und gesund zu bleibe, brauchen Katharinasittiche geeignete Beschäftigungsmöglichkeiten. Von zentraler Bedeutung ist ein täglicher, mehrstündiger Freiflug, sofern die Vögel nicht ohnehin in einem Vogelzimmer untergebracht sind. Nur so können sie ihren enormen Bewegungsdrang ausleben. Im Folgenden noch einige Tipps für die Beschäftigung Deiner Tiere:

  • Platziere Futter, Leckerli oder „Erlebnisfutter“ wie Kolbenhirse an verschiedenen Stellen in der Voliere und/oder im Vogelzimmer. So können Deine Piepmätze wie in der Natur auf Futtersuche gehen und ihre natürlichen Instinkte ausleben.
  • Katharinasittiche nagen gerne und benötigen daher geeignetes Knabbermaterial wie Obstbaum-, Haselnuss- oder Weidenäste, gerne noch mit Knospen und Blättern
  • Spendiere ihnen abwechslungsreiche Einrichtungsgegenstände wie Schaukeln, Leitern und Seile, die Du regelmäßig austauschst. Biete ihnen immer wieder neue Anreize.
  • Über spannende (Intelligenz-)Spielzeuge aus Holz, Kork oder anderen unbedenklichen Materialien freuen sich alle Sittiche! Hier kannst Du Deiner Phantasie freien Lauf lassen und auch selbst Spielzeug basteln.
  • Stelle Deinen Vögeln unterschiedliche Naturmaterialien wie Gras, Kork, Holz, Stroh etc. zur Verfügung. Dies weckt ihre Neugierde und ihren Erfindergeist.
  • „Futterpflanzen“ wie Callisia oder Katzengras in einem stabilen Keramiktopf sorgen für Abwechslung

Wichtig: Bitte verzichte unbedingt auf tierschutzwidriges Zubehör wie Spiegel, Plastikvögel, Fluggeschirre, Spielzeug mit kleinen Plastikteilchen usw. Diese Utensilien führen zu Verletzungen und/oder Verhaltensstörungen.

Katharinasittiche brauchen viel Bewegung und Beschäftigung. Mit einem Leckerli wie Kolbenhirse gelingt die Kontaktaufnahme am besten. 

Ernährung

Eine gesunde Ernährung ist von zentraler Bedeutung für das Wohlbefinden Deiner Tiere. Als Grundlage dient eine ausgewogene Körnermischung für Großsittiche. Diese sollte mit der täglichen Gabe von Frischfutter ergänzt werden (Gemüse, Futterpflanzen wie Callisia, Obst, grüne Pflanzenteile). Um die Körner im Muskelmagen verdauen zu können, benötigen Katharinasittiche dauerhaft Zugang zu Grit, das Du am besten in einer separaten Schüssel anbietest. Frisches Wasser muss immer zur Verfügung stehen. Eine Sepiaschale und ein Kalkpickstein versorgen Deine Piepmätze mit Mineralstoffen. Erlebnisfutter wie Kolbenhirse wird ebenso gerne angenommen wie gelegentlich Keimfutter. Während der Mauser und/oder der Brut kannst Du den erhöhten Proteinbedarf Deiner Tiere mit Eifutter decken.

Gesundheit

Den Grundstein für Gesundheit und ein langes Leben kannst Du durch gesunde Ernährung, täglichen Freiflug, ausreichend Bewegung, durch das Leben in Gesellschaft (keine Einzelhaltung!) und tiergerechte Beschäftigung selbst legen. Ein täglicher Gesundheitscheck ist empfehlenswert, um Krankheiten rasch zu erkennen. Mehr zur Gesundheit von Vögeln findest Du hier. Grundsätzlich sind Katharinasittiche sehr robuste Vögel. Fehler in der Haltung wie mangelnde Bewegung oder falsche Ernährung können jedoch zu zahlreichen Problemen wie Verfettung und Störungen des Stoffwechsels führen. Einzelhaltung führt zu Verhaltensstörungen wie Schreien, selbstverletzendem Verhalten (Federrupfen), Aggressivität oder Stereotypien. Sohlenballengeschwüre an den Füßen sind meist auf nicht geeignete Sitzstangen zurückzuführen (einheitliche Durchmesser, Sandpapierüberzug, Plastik). Da Katharinasittiche recht schreckhaft sind, besteht besonders kurz nach dem Einzug eine erhöhte Verletzungsgefahr. Werden sie beispielsweise während des Schlafes plötzlich durch hektische Bewegungen erschreckt, kommt es vor, dass sie planlos losfliegen und gegen Hindernisse prallen.

Fragen & Antworten

Für wen eignen sich Katharinasittiche?

Katharinasittiche eignen sich für Menschen, die Zeit und Platz haben, um den Bedürfnissen der kleinen Papageien gerecht zu werden. Ihre ruhige Art sollte nicht über ihren enormen Bewegungsdrang hinwegtäuschen. Insbesondere zu Beginn können sie sehr zurückhaltend sein. Hier muss man als Besitzer Geduld beweisen, um das Vertrauen der kleinen Schönheiten zu gewinnen.

Nagen Katharinasittiche viel?

Ja, das tun sie. Wie alle Papageien haben auch Katharinasittiche ein ausgeprägtes Nagebedürfnis, weshalb ihnen immer entsprechende Nage- und Beschäftigungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen sollten, etwa Naturäste, Korkröhren etc.

Sind Katharinasittiche laut?

„Laut“ ist ein relativer Begriff. Zwar sind Katharinasittiche in der Regel deutlich leiser als beispielsweise Unzertrennliche und „unterhalten“ sich auch nicht unentwegt wie Wellensittiche, doch papageientypisch können auch sie eine beachtliche Stimmgewalt erreichen. In freier Wildbahn versichern sich Katharinasittiche durch lautes Rufen während des Fluges, dass ihre Artgenossen noch in der Nähe sind. Dieses Verhalten kann auch in menschlicher Obhut beobachtet werden. Beim Freiflug etwa rufen sich die beiden Partner eines Paares immer wieder zu, obwohl sie gar nicht weit voneinander entfernt sind. Erschrecken die Tiere, startet oftmals ein kollektives, aufgeregtes Stimmgewirr. Es gibt jedoch auch viele „ruhige“ Phasen. Grundsätzlich sollte man sich bei der Haltung von Vögeln, insbesondere Papageien, an einer gewissen Lautstärke nicht stören und dies vor der Anschaffung auch mit Vermietern und/oder hellhörigen Nachbarn besprechen.

Wie viel Pflege brauchen Katharinasittiche?

Für die tägliche Versorgung Deiner Tiere (Fütterung, Reinigung etc.) solltest Du mit ca. 15-30 Minuten rechnen. Mindestens einmal pro Woche sollte eine gründliche Reinigung samt Desinfektion des Geheges und aller Einrichtungsgegenstände erfolgen. Dies kann je nach Größe der Voliere durchaus 1-2 Stunden in Anspruch nehmen. Natürlich solltest Du Dich auch täglich mit den klugen Vögeln beschäftigen.

Braucht man Papiere für Katharinasittiche?

Katharinasittiche unterliegen in Deutschland dem Artenschutzrecht. Allerdings gilt für Bolborhynchus lineola eine Befreiung von der Meldepflicht. Ein Herkunftsnachweis ist allerdings nötig.

Fazit

Katharinasittiche sind aktive und kluge Tiere mit einem vielfältigen Verhaltensrepertoire und einer ganz besonders engen Partnerbindung. Sie können sowohl zu zweit als auch in einem kleinen Schwarm gehalten werden. Die kleinen Sittiche sind besonders sensible und liebenswürdige Vertreter ihrer Gattung, die sich mit ihrem einzigartigen Charakter schnell in das Herz ihres Besitzers schleichen werden.

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