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Ab wann ist die Kastration bei Hunden sinnvoll?

 

Bezüglich des optimalen Kastrationszeitpunktes bei Hunden hat sich in den letzten Jahren einiges getan und auch das Für und Wider wird wieder kritischer betrachtet.

Doch der Reihe nach!

Was passiert eigentlich bei einer Kastration?

Die Kastration von Rüde und Hündin gilt als Routineeingriff, bei dem die Organe des Körpers entfernt werden, die für die Fortpflanzung verantwortlich sind. Beim Rüden sind das die Hoden, bei der Hündin die Eierstöcke. Einmal kastriert, bleibt das Tier dauerhafte unfruchtbar.

Die stets unter Vollnarkose durchgeführte Operation unterscheidet sich im Hinblick auf Aufwand und Kosten erheblich zwischen den Geschlechtern. Beim Rüden wird der Hodensack durch einen Schnitt eröffnet, die Samenstränge werden abgebunden und die Hoden entfernt.

Bei der Hündin ist der Eingriff aufwendiger und dadurch auch teurer. Um an die Eierstöcke zu gelangen, eröffnet der Tierarzt den Bauchraum mit einem mehr oder weniger großen Schnitt, je nach Operationsmethode und ob die Gebärmutter mit entfernt werden soll, oder nicht. In der Regel können die Tiere nach dem Eingriff vom Besitzer mit nach Hause genommen werden.

Sterilisationen, also Eingriffe, bei denen keine Organe entfernt, sondern nur die Samen- bzw. Eileiter durchtrennt werden, werden heutzutage fast nicht mehr durchgeführt.

Ab welchem Lebensalter kastrieren?
Mittlerweile lautet die Empfehlung:


Kastration nach Erreichen der Geschlechtsreife.


Ausnahmen wären bestimmte Erkrankungen oder durch Hormone verursachtes, aggressives Verhalten. Dies kann z. B. durch noch im Bauchraum liegende Hoden (Hodenhochstand, Kryptorchismus) ausgelöst werden.
Hunde werden, je nach Rasse und Geschlecht, mit fünf bis zwölf Monaten Geschlechtsreif. Dies geschieht bei kleinen Rassen wie Chihuahua und französische Bulldogge meist früher als bei großen Rassen, wie Labrador und Dobermann. Bei beiden Geschlechtern erkennt man die (nahende) Geschlechtsreife an pubertärem Verhalten, dem Interesse am anderen Geschlecht und bei der Hündin zusätzlich am Beginn der ersten Läufigkeit.
Durch die bis vor einigen Jahren noch empfohlenen Frühkastrationen erhoffte man sich z. B. ein einfacheres Handling des Tieres und eine Vorbeugung bestimmter Erkrankungen, z.B. Gesäugetumore der Hündin.


Nachteile der (Früh-) Kastration

Mittlerweile werden die Nachteile der Frühkastration aber als zu bedeutend eingeschätzt um sie, außer in Ausnahmefällen, noch durchzuführen. Außerdem gibt es Zusammenhänge zwischen Kastration vor der Geschlechtsreife und dem häufigeren Auftreten verschiedener Krankheiten:

 

  •  Mangelnde körperliche und geistige Reife

  •  Neigung zu Übergewicht

  •  Beibehaltung des Welpenfells

  •  Milztumoren

  •  Knochenkrebs

  •  Prostatakarzinom

  •  Orthopädischen Erkrankungen (z. B. Kreuzbandriss, Patella-Luxation, Hüftgelenksdysplasie)

  •  Inkontinenz

 

Es konnte mehrfach belegt werden, dass je länger die Geschlechtshormone ihre Wirkung auf den Körper entfalten können, desto geringer das Risiko für die oben erwähnten Erkrankungen ist. Generell ist das Risiko eine der oben aufgezählten Krankheiten zu entwickeln, bei kastrierten Hunden höher. Das Risiko der Inkontinenz nach einer Kastration, egal zu welchem Zeitpunkt, besteht bei Hündinnen und Rüden, wobei es bei Rüden seltener vorkommt. Je größer die Hunderasse, desto häufiger tritt das Phänomen auf.

 

Vorteile der Kastration

Bei allen möglichen Nachteilen hat die Kastration natürlich auch Vorteile.

Bei einem kastrierten Tier braucht man sich keine Gedanken mehr um ungewollte Trächtigkeit machen.  Dies ist natürlich in einem Mehr-Hunde-Haushalt, in dem beide Geschlechter gehalten werden, ein bedeutender Punkt. Der Aufwand Rüde und Hündin während der kritischen Phase der Läufigkeit zuverlässig getrennt zu halten, ist nicht zu unterschätzen.

Außerdem gibt es tatsächlich auch Erkrankungen, die durch Kastration vorgebeugt werden können. Dazu zählen beim Rüden Hodenkrebs und einige Erkrankungen der Prostata, sowie bei der Hündin Scheinträchtigkeit und die Gebärmuttervereiterung (Pyometra), eine potenziell lebensbedrohliche, wenn zu spät erkannte Krankheit.

Wenn Du z. B. aus beruflichen Gründen auf Hundesitter oder Hundepensionen angewiesen bist, ist es unter Umständen unumgänglich Deine Hündin kastrieren zu lassen. Fast alle Hundesitter und Hundepensionen lehnen die Betreuung läufiger Hündinnen ab.

Auch der Besuch der Hundeschule und die Teilnahme an sportlichen Veranstaltungen ist in der Regel für läufige Hündinnen untersagt.

Viele (nicht alle!) kastrierte Rüden markieren deutlich weniger oder überhaupt nicht, außerdem neigen kastrierte Rüden weniger dazu auf Brautschau zu gehen und zu streunern.

Darüber hinaus zeigen kastrierte Rüden oft eine geringere Aggressivität gegenüber männlichen Artgenossen.

 

Wozu eignet sich eine Kastration nicht?

Eine Kastration ist keine Verhaltenstherapie und auch kein Ersatz für eine gute Erziehung des Hundes. Gefestigte Verhaltensweisen wie z. B. aggressives Verhalten gegenüber Geschlechtsgenossen, Streunern, Markieren und Aufreiten sind in den meisten Fällen durch eine Kastration nicht ganz zu beseitigen, sondern bedürfen konsequenten Trainings.

 

Fazit

Es sollte individuell abgewogen werden, ob eine Kastration des jeweiligen Hundes angebracht ist oder nicht. Außer in Ausnahmefällen sollte auf eine Kastration vor der Geschlechtsreife verzichtet werden. Außerdem gibt es mittlerweile die Möglichkeit einer chemischen Kastration mittels Kastrations-Chips. Auch diese Methode ist wieder mit Vor- und Nachteilen behaftet, am besten lässt Du Dich von deinem Tierarzt beraten!

 

 

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