Fachkompetenz Tier
Beratung online & vor Ort
kostenlose Lieferung ab 29€
schnelle Lieferung
kostenlose Retoure

Futter und Verhalten beim Hund – gibt es einen Zusammenhang?

Lässt sich bestimmtes Verhalten Deines Hundes durch Futter beeinflussen? Kannst Du durch die Wahl des Futters oder einzelner Zutaten „unerwünschtes“ Verhalten wie Aggression, Unruhe, Ängstlichkeit, Stress, gesteigertes sexuelles Interesse, Depressionen oder jagdliche Ambitionen vermindern oder gar abstellen? Für viele Hundebesitzer ein interessanter Gedanke, der verlockend einfach klingt. Gerade bei der Rohfütterung hält sich hartnäckig das Gerücht, das gebarfte, also mit rohem Fleisch und frischen pflanzlichen Zutaten ernährte Hunde aufgrund der hohen Eiweißmengen und teils fehlenden Kohlenhydraten aggressiv werden können. Um dies zu verhindern, wird oft geraten nicht zu barfen oder gar hohe Mengen an Kohlenhydraten zu verfüttern. Auch die Aminosäure Tryptophan hört man oft in diesem Zusammenhang. Wir erklären Dir die Zusammenhänge zwischen Verhalten, Futterwahl, Kohlenhydraten und Tryptophan, denn tatsächlich lässt sich die Stimmung Deines Hundes unter Umständen mit der Wahl des Futters beeinflussen.

Proteine, Kohlenhydrate, Fette

Wie bereits erwähnt heißt es oft: eine BARF-Ration liefert zu viel Eiweiß und macht Hunde aggressiv. Wird eine BARF-Ration korrekt aus hochwertigen tierischen und pflanzlichen Bestandteilen zusammengestellt, wird man rechnerisch allerdings feststellen, dass der Eiweißgehalt gleich oder teilweise sogar geringer ausfällt als bei industriell hergestelltem Fertigfutter. Ohnehin gibt es keinerlei wissenschaftliche Belegbarkeit, dass rohes Fleisch die Aggressivität eines Lebewesens auslösen oder gar steigern könnte. Proteine (Eiweiße) bestehen unter anderem aus essenziellen Aminosäuren, welche nicht selbst vom Körper hergestellt, sondern über das Futter aufgenommen werden müssen. Proteine liefern neben Aminosäuren auch Energie und sind neben Fett Geschmacksträger einer Ration. Eine wichtige Rolle in Bezug auf verhaltensrelevante Fütterung stellt die Aminosäure Tryptophan dar, auf die wir im Weiteren noch genauer eingehen werden.

Neben der hohen Verdaulichkeit von rohem Fleisch spielt der Fettgehalt der Ration eine Rolle. Fett ist eine natürliche Energiequelle und ist in einem freilebenden Beutetier zu deutlich höheren Anteilen enthalten als Kohlenhydrate. Je mehr Fett eine Ration enthält, desto weniger Fleisch muss der Hund fressen und desto geringer fällt der Gesamteiweißgehalt aus. Jede Futterration für einen gesunden Hund sollte optimalerweise aus einem ausgewogenen Verhältnis der drei Energielieferanten Proteine, Fette und Kohlenhydrate bestehen. Eine Über- oder Unterversorgung mit bestimmten Bestandteilen und Nährstoffen kann sich natürlich auch auf das Verhalten eines Tieres auswirken.

Kohlenhydrate (Einfach-, Zweifach- und Mehrfachzucker) liefern hauptsächlich schnelle und effektive Energie. Diese über hohe Gehalte an Proteinen und Fetten in der Ration zu ersetzen, kann gerade bei hohen Fettgehalten zu Verdauungsproblemen, wie beispielsweise dem sogenannten „Fettstuhl“ führen. Daher sind oft moderate Kohlenhydratanteile im Futter empfehlenswert.

Tryptophan

Tryptophan ist eine für Hunde essentielle Aminosäure, die über die Nahrung aufgenommen werden muss. Sie ist die Vorstufe des „Glückshormons“ Serotonin. Ein Mangel an Serotonin kann sich negativ auf die Stimmung eines Hundes auswirken, in unausgeglichen und unkonzentriert machen sowie möglicherweise sogar aggressive Handlungen verstärken. Tryptophan kommt hauptsächlich in Fleisch, Milchprodukten und Eiern vor, wenig dagegen in Getreideprodukten, Soja oder Geflügelmehlen. Letztere weisen hohe Gehalte an sogenannten neutralen Aminosäuren, wie beispielsweise Tyrosin auf.

Diese Aminosäuren konkurrieren mit Tryptophan um das gleiche Transportsystem durch die Blut-Hirn-Schranke. Wird also beispielsweise viel Getreide gefüttert, kann es durch einen verminderten Transport von Tryptophan zu einem Mangel an Serotonin kommen, der wiederum oben genannte verhaltensbiologische „Nebenwirkungen“ auslösen kann. Je größer das Ungleichgewicht zwischen den langen neutralen Aminosäuren und Tryptophan ist, desto ausgeprägtere Nebenwirkungen sind zu erwarten. Ein gutes Verhältnis weist zum Beispiel hoch verdauliches rohes Fleisch in BARF-Rationen auf. Minderwertige Trockenfutter mit hohen Getreideanteilen, hohe pflanzliche Anteile im Futter oder bindegewebsreiche Schlachtabfälle sind dagegen eher ungeeignet.

Wie stellt der Körper auch bei minderwertigem Futter eine ausreichende Versorgung mit Tryptophan sicher?

Hohe Anteile an Kohlenhydraten in der Ration stimulieren die Insulinausschüttung, wodurch die Aufnahme an Kohlenhydraten und Aminosäuren in die Zellen gesteigert wird. Besonders die neutralen Aminosäuren werden so vermehrt in die Muskelzellen aufgenommen, die ja sonst mit Tryptophan konkurrieren würden. Auf diesem Weg kann mehr Tryptophan ins Gehirn gelangen und mehr Serotonin zur Verfügung gestellt werden. Ein Serotoninmangel entsteht hier bei einer Insulinresistenz, bei der nicht ausreichend Insulin ausgeschüttet wird.

Hohe Getreideanteile in der Ration machen dennoch wenig Sinn: zum einen machen Kohlenhydrate in der natürlichen Nahrung eines Carnivoren (oder Omnicarnivoren) nur einen kleinen Teil des Spektrums aus, zum anderen können sie die Aufnahme von anderen Nährstoffen vermindern oder gar blockieren. Hohe Anteile (mehr als 50 % der Ration) an (gekochtem) Getreide zum Beispiel vermindern die Vitamin B6 und Vitamin B3 Verfügbarkeit und verschlechtern die Aufnahmemöglichkeit von Magnesium. Außerdem enthalten getreidereiche Rationen generell zu wenig Kalium, Kupfer, Selen, Vitamin B2, B12, B5 und Biotin. Diesen Mangel an Nährstoffen nun über ein synthetisch hergestelltes Ergänzungspulver zur ersetzen, wirft zwei kritische Fragen auf: warum möchte man überhaupt hohe Kohlenhydratanteile füttern und dann den Mangel an Nährstoffen über ein Supplement ergänzen? Und warum ein synthetisches Präparat einsetzen, welches unter Umständen negative gesundheitliche Folgen auslösen kann?

Ein weiterer wichtiger Punkt in Bezug auf Tryptophan-Bereitstellung ist der Fettgehalt einer Ration. Die Aminosäure Tryptophan wird im Blut größtenteils gebunden an Albumin transportiert, einem Eiweiß, welches in der Leber produziert wird. Auch freie Fettsäuren nutzen Albumin im Blut als Transportmittel. Enthält eine Ration also einen hohen Anteil an Fetten und freie Fettsäuren, wird an Albumin gebundenes Tryptophan verdrängt und die freien Fettsäuren docken an. Das so freigesetzte Tryptophan wird so vermehrt in das Gehirn transportiert und kann für die Synthese von Serotonin genutzt werden. Um ausreichend Glückshormon zu generieren, benötigt der Hund also keine großen Mengen an Kohlenhydraten, hoch verdauliche Fette sind hierzu wesentlich besser und effektiver.
Es gibt bereits einige Studien, die sich mit Tryptophan und Kohlenhydraten und Fetten und dem Verhalten von Hunden beschäftigen.

Wie bereits erwähnt, liest und hört man in diesem Zusammenhang, dass hohe Proteingehalte Hunde aggressiv machen, dass die Zugabe von Tryptophan Aggression mindert und sogar, dass sich Hunde durch die vermehrte Fütterung von Kohlenhydraten besser konzentrieren können. Grundsätzlich sind diese Studien kritisch zu sehen, denn zum einen haben die Testkandidaten ein Futter erhalten, welches hauptsächlich aus pflanzlichen und damit tryptophanarmen Bestandteilen zusammengesetzt war (z. B. DeNapoli, J. S.; 2000). Dass eine Zugabe von Tryptophan dann eine „Besserung“ des Verhaltens nach sich zieht, ist natürlich erklärbar. Hätten die Studienhunde direkt eine Ration aus verdaulichen Proteinquellen, Fett und hochwertigen pflanzlichen Bestandteilen erhalten (z.B. BARF), wäre eine zusätzliche Gabe von Tryptophan hinfällig und eine Beobachtung von Verhaltensproblemen eher unwahrscheinlich gewesen. Einige Studien haben zudem als Futter minderwertige Proteinquellen, uns diese in großen Mengen oder ungeeignete und nicht repräsentative Zucker verwendet, was sich natürlich auch negativ auf das Verhalten der Testhunde ausgewirkt haben könnte. Auch Stress bei der Fütterung kann sich auf das Verhalten der beobachteten Hunde auswirken. Grundsätzlich sind diese Studien also eher kritisch zu betrachten, auch im Hinblick auf die Testquantitäten, die zum Teil sehr gering waren und dementsprechend als wenig repräsentativ gelten.

Andere Nährstoffe und Tryptophan

Zu einer ausreichenden Serotoninsynthese im Gehirn ist die Aufnahme von Vitamin B6 unverzichtbar. Dieses licht- und hitzeempfindliche Vitamin kommt besonders in rohem Fleisch (vor allem Leber) und in Eiern vor.
Auch Vitamin B3 (besonders in Fleisch enthalten) muss in ausreichender Menge in der Ration enthalten sein. Ist dies nicht der Fall, muss der Körper Vitamin B3 selbst aus Tryptophan herstellen, was wiederum den freien Tryptophangehalt senkt und damit auch die Serotoninsynthese herabsetzt. Für die Umwandlung von Tryptophan muss außerdem ausreichend Magnesium in der Ration enthalten sein. Gut geeignet als Magnesiumquelle ist Fleisch, Knochen und Innereien.

Fazit

Generell solltest Du Dich bei Verhaltensauffälligkeiten Deines Hundes informieren und bei offenen Fragen auch geschulte Menschen, wie eine/n Hundetrainer/in oder Ernährungsberater/in dazu konsultieren. Überprüfe Deine BARF-Ration auf den Gehalt an hochwertigen Proteinquellen, Fett und Kohlenhydraten. Letztere sollten auch bei einem Trocken- oder Nassfutter nur in geringem Maße enthalten sein, denn der Körper braucht keine Kohlenhydrate zur Serotoninsynthese. Solltest du testen wollen, ob sich mit der Zugabe oder Erhöhung an Kohlenhydraten etwas im Verhalten Deines Hundes ändern lässt, empfehlen wir Dir einen maximalen Gehalt von 10 % Getreide in der Ration. Nicht jedes „Problem“ kann über die Änderung des Futters abgeschaltet werden, oftmals hilft nur geduldiges und fleißiges Training bei verhaltenskreativen Hunden.

Weitere Artikel
Braucht mein Hund einen Mantel?

Braucht mein Hund einen Mantel?

Über Sinn oder Unsinn von Hundemänteln erhitzen sich oftmals die Gemüter. Doch woran erkennst Du, ob Dein Hund tatsächlich einen Mantel benötigt oder nicht? In unserem Blogartikel findest Du Antworten! weiterlesen »
Blasenentzündung beim Hund

Blasenentzündung beim Hund

Wenn Dein Hund plötzlich nicht mehr stubenrein ist oder Schmerzen beim pinkeln hat, kann eine Blasenentzündung dahinter stecken. Hier bekommst Du Tipps um eine Blasenentzündung bei Deinem Hund zu erkennen und wie Du sie vorbeugen kannst. weiterlesen »
Leinenführigkeit beim Hund trainieren – stressfrei Gassi gehen

Leinenführigkeit beim Hund trainieren – stressfrei Gassi gehen

Eine Situation, die viele Hundehalter kennen: Du möchtest – vielleicht möglichst schnell und kurz – mit Deiner Fellnase vor die Tür, doch kaum habt ihr das Haus verlassen, beginnt es vorne oder hinten an der Leine zu ziehen und zu zerren und der kurze Ausflug wird zur Belastungsprobe für Dich und Deinen Fellfreund. Was tun, um die Situation zu entspannen bzw. im wahrsten Sinne des Wortes zu entzerren? Hier ist guter Rat zum Glück nicht teuer – die folgenden Tipps sollen Dir und Deinem Hund helfen, das Spazierengehen in Zukunft stressfrei zu gestalten. weiterlesen »
Trennungsangst beim Hund

Trennungsangst beim Hund

Dein Hund bellt und jault sobald er allein gelassen wird? Er zerkratzt die Türen und das Sofa musste auch schon daran glauben? Dies sind typische Anzeichen für Trennungsangst! Wie Du Dir und Deinem Tier das Leben leichter machen kannst, erfährst Du im folgender Artikel. Dann beschweren sich auch die Nachbarn nicht mehr. weiterlesen »
Die häufigsten Parasiten im Überblick

Die häufigsten Parasiten im Überblick

Parasiten sind unliebsame Besucher, die Mensch und Tier heimsuchen können. Dabei wohnen die Plagegeister dann nur zeitweise oder auch dauerhaft auf oder im Wirtskörper. Hier findest Du die häufigsten Parasiten von Hund und Katze im Überblick! weiterlesen »
Hundeeis selber machen

Hundeeis selber machen

Wird es draußen warm, werden viele Hunde zu richtigen Schleckermäulchen, die ihr Hunde-Eis genüsslich wegschlabbern. Ein Hundeeis kannst Du ganz einfach und schnell selber machen, denn die meisten Zutaten hast Du sicher schon zuhause. weiterlesen »
Hundepfoten vor Streusalz schützen

Hundepfoten vor Streusalz schützen

Es gibt kaum etwas Schöneres, als Hunde ausgelassen durch den Schnee toben zu sehen. Doch Eis, Frost und insbesondere Streusalz können den sonst recht widerstandsfähigen Hundepfoten stark zusetzen. Wie Du Hundepfoten vor Streusalz schützen kannst, haben wir in diesem Artikel für Dich zusammengefasst. weiterlesen »
Hundebetreuung - Hundehotel, Hundesitter oder private Unterbringung?

Hundebetreuung - Hundehotel, Hundesitter oder private Unterbringung?

Nach der Corona-bedingten „Urlaubssperre“ macht sich mit dem zaghaften Einzug des Frühlings die Hoffnung breit, dass es diesen Sommer vielleicht wieder möglich sein wird: ans Meer fahren, in die Berge, die lange geplante Fernreise nachholen. Doch so gerne wir es würden: Leider können wir unsere Hunde nicht überallhin mitnehmen und so müssen wir eine geeignete Unterbringungsmöglichkeit für unsere Vierbeiner finden. Oder hast Du Dir vielleicht während Deiner Zeit im Homeoffice den lange ersehnten Welpen nach Hause geholt und suchst nach einer Betreuungsmöglichkeit, wenn Du wieder ins Büro musst? Welche Möglichkeiten gibt es? Welche Vor- und Nachteile haben sie? Worauf ist bei der Wahl der Unterbringung zu achten? weiterlesen »
Die Schäferhundkeratitis

Die Schäferhundkeratitis

Insbesondere Deutsche Schäferhunde und Schäferhund-Mischlinge sind von einer Entzündung der Augenhornhaut (Keratitis) betroffen. weiterlesen »
Felltypen und Fellpflege bei Hunden

Felltypen und Fellpflege bei Hunden

Stockhaar, Kurzhaar oder Rauhaar? Striegel, Pflegehandschuh, Softbürste, Entfilzungsharke, Furminator oder Kamm? Bürsten, Kämmen, Striegeln, Scheren, Trimmen, Zupfen? Bei all den Angeboten zur Hundefell-Pflege und den unterschiedlichen Techniken und Begriffen kann man schnell den Überblick verlieren! Wir verraten Dir, welche Felltypen es bei Hunden gibt und welcher Hund welche Pflege braucht. weiterlesen »

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

  • Super!

    Sehr spannender und aufschlussreicher Artikel! Seit ich meinen zwei Hunden fast ausschließlich BARF füttere, erkenne ich tatsächlich die beschriebenen Effekte! Ich bin überrascht! Vielen Dank