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Hunde getreidefrei ernähren – Pro & Contra

Seit einigen Jahren hat sich getreidefreies Trocken- und Nassfutter für Hunde mehr und mehr durchgesetzt. Auch viele Barfer verzichten auf die Zugabe von Reis, Hirse & Co. Hundehalter wollen nur das Beste für ihren Liebling. Das gilt auch und ganz besonders für die Ernährung. Und somit ist die Verunsicherung groß: Sollte ich meinen Hund komplett getreidefrei ernähren? Ist Getreide schädlich? Wir wollen im Folgenden versuchen, etwas Klarheit in die Diskussion zu bringen.

Die Ausgangsfrage: Kann der Hund Getreide verdauen?

Mit dieser Frage fängt die Diskussion meist an und die Argumentation für oder wider getreidefreies Futter fußt auf der jeweiligen Antwort. Warum ist das so? Es wird davon ausgegangen, dass der Körper eines jeden Lebewesens so gestaltet ist, dass er diesem optimal dient. Kann ein Hund also kein Getreide verdauen, sollte er es wohl auch nicht fressen. Kann er es doch, wird es schon einen Grund dafür geben und Getreide sollte auf dem Futterplan nicht fehlen. Doch was ist richtig? Können Hunde Getreide verdauen oder nicht? Und was folgt daraus?

Verfechter einer getreidefreien Ernährung vertreten meist die Ansicht, dass Hunde nur sehr bedingt in der Lage sind, Stärke – das ist der Hauptbestandteil von Getreide – aufzuspalten und zu verdauen. Hierbei bedienen sie sich der Analogie zum Wolf: Der Verdauungstrakt des Hundes habe sich im Laufe der Domestikation nur unwesentlich weiterentwickelt bzw. verändert und unterscheide sich daher kaum von jenem des Wolfes. Wölfe als Fleischfresser (Carnivoren) können Stärke nicht gut verdauen, daher kann es auch der Hund nicht. Ergo sollte auf Getreide im Hundefutter verzichtet werden, da es im schlimmsten Falle schädlich und im besten Falle schlicht unnötig und ein „billiger Füllstoff“ im Futter ist, aus dem der Hund keinen Mehrwert zieht.

Die andere Seite dagegen argumentiert, dass die tausende von Jahren der Domestikation sehr wohl ihre Spuren im Magendarmtrakt des Hunds hinterlassen haben. Er habe sich im Laufe der Jahre an die Ernährungsgewohnheiten seines engsten Begleiters, des Menschen, angepasst und sei mittlerweile vielmehr ein Omnivore (Allesfresser) als ein Carnivore. Und tatsächlich wird diese Ansicht scheinbar durch wissenschaftliche Studien untermauert. In einer Untersuchung von Axelsson et al. (Erik Axelsson et al. 2013: "The genomic signature of dog domestication reveals adaptation to a starch-rich diet", Nature, 495, 360-364, (21 March 2013)) untersuchten die Forscher die Amylase-Aktivität im Serum. Amylase ist ein in der Bauchspeicheldrüse gebildetes Enzym, das unter anderem zur Stärkeverdauung dient. Grob zusammengefasst konnte ermittelt werden, dass die Amylase-Aktivität bei Hunden höher ist als bei Wölfen. Daraus wird oftmals geschlossen, dass sie somit „besser“ in der Lage seien, Kohlenhydrate zu verdauen.  Was dabei oftmals unerwähnt bleibt, ist, dass in Folgestudien unter Mitwirkung von Axelsson et al. nachgewiesen wurde, dass die Fähigkeit zur Stärkeverdauung zwischen unterschiedlichen Rassen und sogar innerhalb derselben Rasse bei einzelnen Individuen stark schwankt. Insbesondere scheinen nordische Hunderassen in geringerem Maße in der Lage zu sein, Stärke zu verdauen.

In diesem Sinne müssen die Ergebnisse relativiert werden: Die Fähigkeit zur Verdauung von Stärke und somit von Getreide ist individuell unterschiedlich! Es muss also immer der jeweilige Hund betrachtet und genau beobachtet werden, ob und welche Mengen an Getreiden er verträgt. Auch der Wolf kann übrigens durchaus gewisse Getreidemengen verdauen, schließlich frisst er auch den Mageninhalt seiner Beutetiere, der ebenfalls oftmals Getreide enthält. Doch ist es deshalb gut, sinnvoll oder gar empfehlenswert, Hunden Getreide zu füttern? Schließlich können wir Menschen auch Schokolade verdauen und würden trotzdem nicht auf die Idee kommen, uns zum Großteil davon zu ernähren. Dass ein Hund also in der Lage ist, gewisse Anteile an Stärke zu verdauen, bedeutet nicht, dass es zugleich sinnvoll ist, ihn mit stark getreidehaltigem Futter zu ernähren.

Dies führt zur zweiten Frage:

Ist Getreide schlecht für Hunde?

Wie bei so vielem im Leben lautet die Antwort: kommt darauf an. Zunächst einmal ist gegen etwas (!) Getreide im Hundefutter nichts einzuwenden. Wie wir festgestellt haben, sind unsere Vierbeiner durchaus in der Lage, einen gewissen Anteil an aufgeschlossenem Getreide zu verdauen und auch positiv für sich zu nutzen. Zum Beispiel liefert Getreide zahlreiche Vitamine, Eiweiße und Fette und dient als Kohlenhydrat- und somit Energiequelle. Getreide kann somit insbesondere bei untergewichtigen oder tragenden Hunden durchaus sinnvoll sein.  Bei Welpen sieht das etwas anders aus. Sie sind bis zum Alter von 16 Wochen nur eingeschränkt in der Lage, Stärke aus Getreide zu verdauen, da ihnen die entsprechenden Enzyme fehlen. Getreide und somit Kohlenhydrate sind also nicht per se schlecht für unsere Hunde, sofern sie nur in Maßen gefressen werden. Verträgt ein Hund also Getreide und ist fit und agil, spricht erstmal nichts dagegen. Es kann jedoch auch gute Gründe geben, auf Getreide zu verzichten:

Allergien und Unverträglichkeiten

Ähnlich wie bei Menschen steigen auch bei Hunden die Zahlen der von Allergien und Unverträglichkeiten Betroffenen. Und ja, Hunde können durchaus allergisch auf bestimmte Getreidesorten reagieren, genauer gesagt auf Getreideeiweiße wie beispielsweise Weizenprotein. Dies äußert sich meist in Form von Durchfall, Blähungen, Juckreiz, Hautproblemen, Pfotenlecken etc. Es kann jedoch auch sein, dass Hunde nur gegen Gluten, ein Klebereiweiß, allergisch sind. Dieses ist nicht in allen Getreidesorten enthalten. Während Weizen, Roggen und Gerste Gluten enthalten, sind zum Beispiel Mais, Reis oder Hirse komplett glutenfrei. Es ist also durchaus möglich, Hunden, die eine Glutenunverträglichkeit haben, andere Getreidesorten zu füttern.

Wichtig: Herauszufinden, gegen welchen Nahrungsbestandteil Dein Hund allergisch reagiert, ist gar nicht so einfach. Eine Ausschlussdiät kann hier Gewissheit bringen und Deinem Hund nachhaltig Linderung verschaffen, indem auf die ermittelten Allergene verzichtet wird. Hier findest Du Wissenswertes zum Thema Ausschlussdiät bei Hunden. 

Giardien, IBD und andere Erkrankungen

Immer wieder wird empfohlen, bei gewissen Erkrankungen wie Krebs, Arthrose, Gastritis, IBD oder Bauchspeicheldrüsenerkrankungen auf Getreide zu verzichten. Doch ist ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten oder der Verschlechterung dieser Krankheiten und der Fütterung von Getreide erwiesen? Schauen wir uns das kurz am Beispiel von Giardien an: Leidet ein Hund unter Giardien, wird empfohlen, ihn möglichst kohlenhydratarm zu ernähren, da sich die Parasiten hauptsächlich von Kohlenhydraten ernähren. Man versucht also, ihnen die Nahrungsgrundlage zu entziehen. Abschließende Studien, die diesen Zusammenhang bei Hunden belegen, gibt es jedoch nicht, allerdings kommt eine Studie bei Rennmäusen zu ebendiesem Ergebnis. Leidet Dein Hund unter Krankheiten, solltest Du immer mit Deinem Tierarzt besprechen, inwiefern die Ernährung anzupassen ist.

Kotabsatz

Wenn Hunde „zu viel“ Getreide fressen, zeigt sich dies oft darin, dass sie öfter und mehr Kot absetzen. Dies hat damit zu tun, dass die unverdaulichen Bestandteile nicht verwertet, sondern wieder ausgeschieden werden. Wird dies bei Hunden beobachtet, kann es tatsächlich sein, dass der Getreideanteil im Futter zu hoch ist. Dieses „Zuviel“ an Getreide ist jedoch sehr individuell. Der eine Hund verträgt mehr Getreide, der andere weniger. Du wirst mit der Zeit herausfinden, ob und welche Mengen an Getreide Dein Hund verträgt. Die Kotfrequenz und -menge kann einen ersten Hinweis darauf liefern.

Die Verträglichkeit von Getreide unterscheidet sich von Hund zu Hund. Fellbeschaffenheit und Kotabsatz können einen ersten Hinweis liefern. 

Auf die Menge kommt es an

Trotzdem ist davon abzuraten, auf Futtersorten zurückzugreifen, die einen sehr hohen Getreideanteil haben. Das gilt für alle Hunde. Ab einer bestimmten Menge sind sie nämlich nicht mehr in der Lage, diesen zu verdauen. Liegt der Getreideanteil bei über 60%, wirkt die unverdaute Stärke osmotisch, das bedeutet, dass sie Wasser in den Darm „zieht“. Die Folge ist Durchfall. Außerdem wird ein Zusammenhang zwischen getreidehaltigem Futter und der Bildung bakterieller Zahnbeläge sowie Magendrehungen vermutet. Darüber hinaus gilt: Besteht das Futter schon zu einem großen Teil aus Getreide, ist weniger „Platz“ für andere Bestandteile wie Fleisch, Innereien etc., die der Hund viel dringender benötigt. Schaue Dir also genau die Deklaration an, also die Aufzählung der Inhaltsstoffe auf der Rückseite eines Futtermittels. Hier gilt grob: Was an erster Stelle steht, ist auch in den größten Mengen enthalten. Wir empfehlen, ein Futter zu wählen, das Getreide nicht an erster Stelle auflistet. Unserer Ansicht nach dürfen zwar geringe Mengen Getreide im Futter enthalten sein, es sollte keinesfalls überwiegen. An erster Stelle sollte also in jedem Fall der Fleischanteil stehen. Allgemein wird empfohlen, dass der Getreideanteil im Futter maximal bei 15 % liegen sollte.

Tipp: Auf den meisten Futtermitteln ist der prozentuale Anteil an Getreide und somit Kohlenhydraten nicht aufgelistet. Diesen kannst Du jedoch leicht selbst berechnen: Von 100 %, also dem gesamten Futter, werden die angegebenen Mengen an Rohprotein, Fett, Rohasche und Feuchtigkeit abgezogen. Die Rohfaser gehört zu den Kohlenhydraten und bleibt daher unberücksichtigt. Das Ergebnis ist der prozentuale Kohlenhydratanteil, der wie erwähnt nicht über 15 % liegen sollte. Beispiel.: Ein Futter enthält folgende analytische Bestandteile: Protein: 20 %, Rohfett: 14 %, Rohasche: 7 %, Feuchtigkeit: 8 %. Die entsprechende Berechnung wäre also: 100 – 20 – 14 – 7 – 8 = 51 % (Kohlenhydrate). Beachte, dass Trockenfutter aufgrund des Herstellungsprozesses meist deutlich mehr Kohlenhydrate enthält als Nassfutter. Dieses Beispielfutter hätte also einen viel zu hohen Kohlenhydratanteil.

Was ist dran am Hype um getreidefreies Futter?

Diese Erkenntnisse lassen uns zur letzten Frage kommen: Was ist dran am Hype um getreidefreies Futter? Ist es ebendas, ein Hype, und eigentlich völlig unnötig? Wir meinen: Nein. Getreide bzw. Kohlenhydrate haben in der natürlichen Ernährung von Hunden eine sehr untergeordnete Rolle und können, wie wir gesehen haben, einige Nachteile mit sich bringen. Ein Hund braucht kein Getreide. Er kann die benötigten Nährstoffe aus anderen Quellen ziehen, die gesünder für ihn sind. Nichtsdestotrotz ist es auch nicht „schlimm“, wenn sich ein geringer Anteil von Getreide im Futter befindet, solange der Hund es gut verträgt, fit und agil ist und an keinen Krankheiten leidet, bei denen auf Getreide verzichtet werden sollte. Achte jedoch darauf, dass der Kohlenhydratanteil im Futter maximal 15 % beträgt. Dies ist wohl oftmals das eigentliche Hauptproblem: Um das Futter möglichst günstig zu machen, setzen viele Hersteller auf Getreide, weil es eben schlichtweg billiger ist als Fleisch. Dies geht letztlich zulasten anderer, gesünderer und dringend benötigter Bestandteile im Futter. Ein hoher Getreideanteil ist somit abzulehnen.

Fazit

Wenn Dein Hund Getreide gut verträgt und fit und agil ist, spricht nichts gegen einen gewissen Getreideanteil im Futter. Dieser sollte jedoch möglichst gering sein. Bei Unverträglichkeiten oder gewissen Erkrankungen sollte auf Getreide komplett verzichtet werden. Was allgemein beim Futter gilt, gilt auch für Getreide: Die Entscheidung für oder wider getreidehaltiges Hundefutter ist sehr individuell und sollte immer vom jeweiligen Hund abhängig gemacht werden. Gerne beraten Dich unsere Kollegen vor Ort zur Fütterung Deines Vierbeiners. Egal ob Du Trocken- oder Nassfutter füttern möchtest, oder einen individuell erstellten BARF-Plan und die passenden Produkte zum Barfen benötigst - wir finden das Richtige für Deinen Hund!

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