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Vestibularsyndrom beim Hund

Hund Fritzi hält plötzlich den Kopf seltsam schief und wirkt etwas unsicher auf den Beinen. Vielleicht hat er sich einen Nerv eingeklemmt? Als er sich etwas später erbricht, zu schielen beginnt und beim Laufen schwankt, fahren seine Besitzer mit ihm in die Tierklinik. Hier bekommt er die Diagnose: Er leidet am Vestibularsyndrom.

Was ist das Vestibularsyndrom?

Das Vestibularsyndrom ist eine meist plötzlich auftretende Störung des Gleichgewichtsorgans im Innenohr, genauer des Vestibularapparates. Dieser beeinflusst neben dem Gleichgewicht auch andere Körperfunktionen wie den Blutdruck. Eine Störung des Vestibularapparates führt zu einer eingeschränkten räumlichen Orientierung und Schwierigkeiten in der Koordination von Bewegungen.

Was sind die Ursachen?

Es gibt drei Formen dieses Syndroms:

Die periphere Form betrifft lediglich das Innenohr, während bei der zentralen Form der Hirnstamm bzw. das Kleinhirn geschädigt ist. Im Volksmund wird dies als Schlaganfall bezeichnet. In diesem Fall liegt immer eine Beteiligung des Gehirns vor. Die idiopathische Form, auch als geriatrisches Vestibularsyndrom bezeichnet, kommt bei älteren Hunden infolge degenerativer Prozesse wie Durchblutungsstörungen vor.

Primäre Ursache der peripheren Form ist eine bakterielle oder mykotische (durch Pilze hervorgerufene) Ohrinfektion. Darüber hinaus kann es sich um eine Begleiterscheinung bestimmter Infektionskrankheiten wie Staupe, Toxoplasmose oder Neosporose handeln. Ein weiterer Auslöser kann toxischer Natur sein, etwa bestimmte Antibiotika oder auch manche Inhaltsstoffe von Ohrreinigern. Sehr selten kommt eine Schilddrüsenunterfunktion als Grund in Betracht.

Die zentrale Form hat ihre Ursache in Schädigungen des Hirnstamms bzw. des Kleinhirns, was durch verschiedenste Gründe wie z. B. Frakturen, Flüssigkeiten oder Veränderungen in der Knochenstruktur erfolgen kann.

Symptome

Die Symptome sind vielfältig und reichen – in Abhängigkeit von der Ursache bzw. Lokalisation – von Erbrechen und Übelkeit bis zu ungewohntem Verhalten, permanentem Sich-im-Kreis-Drehen oder auch Kopfschiefhaltung. Ebenso können Gleichgewichtsstörungen, Nystagmus (Zittern der Augäpfel) oder Schielen (meist in Richtung der betroffenen Seite) auftreten. Aufgrund der Gleichgewichtsstörung kann es zu Schwächeanfällen, einem schwankenden Gang (Ataxie) oder zu Lähmungserscheinungen kommen. Außerdem ist es möglich, dass der Hund, da er sich durch die Gleichgewichtsstörungen nicht mehr gut orientieren kann, vorerst nicht zu seinem Futternapf findet und daher anfangs mit der Hand gefüttert werden muss.

Wichtig: Solltest Du bei Deinem Hund diese Symptome feststellen, ist ein schneller Tierarztbesuch erforderlich.

Beim Tierarzt

Der Tierarzt wird Deine Fellnase gründlich durchchecken, um festzustellen, um welche Form des Vestibularsyndroms es sich handelt. Zunächst wird er das Ohr eingehend untersuchen, um eine Ohrentzündung auszuschließen. Wenn es sich um eine Entzündung handelt, legt er unter Umständen Kulturen an, um die Ursache festzustellen, da hier sowohl Bakterien als auch Pilze im Spiel sein können.

Falls bei der Untersuchung mit dem Otoskop nichts zu sehen ist, wird der Tierarzt bei einer Blutuntersuchung die Entzündungs- und Schilddrüsenwerte prüfen.

Wenn auch hier keine Ursache zu finden ist, kann der Tierarzt ein CT (Computertomographie) oder eine MRT (Magnetresonanztomografie) anfertigen, um eventuelle Tumoren, Blutungen oder Infarkte im Gehirn zu erkennen.

Behandlungsmöglichkeiten

Wenn die Ursache der Erkrankung feststeht, ist es möglich, entsprechend zu behandeln. Bei einem entzündlichen Geschehen werden Entzündungshemmer bzw. Antibiotika, Antimykotika oder Kortikoide verabreicht.
Bei einer Hirnschädigung bekommen die Fellnasen in den ersten 24 Stunden ein Kortisonpräparat per Infusion als Erste-Hilfe-Maßnahme.

Wenn es sich um eine Schilddrüsenunterfunktion handeln sollte, wird hormonell unterstützt.
Viel Ruhe und Schonung sowie Vitamin-B-Präparate zur Unterstützung der Nervenfunktion können den Heilungsprozess positiv beeinflussen.

Prognose

Bei entzündlichen oder hormonellen Ursachen ist die Aussicht auf eine vollständige Heilung sehr gut.
Bei der zentralen Form hängt die Prognose stark davon ab, welche Ursache dahintersteckt. Oft erholen sich die Tiere innerhalb von 72 Stunden weitestgehend. In einigen Fällen bleiben bestimmte Einschränkungen, wie zum Beispiel die Kopfschiefhaltung oder der Nystagmus, bestehen. In der Regel können die Hunde jedoch gut mit diesen Beeinträchtigungen leben.

Fazit

Das Vestibularsyndrom ist eine plötzlich auftretende Erkrankung bei Hunden, die sich durch unterschiedliche Symptome wie Kopfschiefhaltung, Erbrechen, Zittern, Schielen oder Lähmungen bemerkbar macht. Je nach Ursache wird eine entsprechende Behandlung eingeleitet.
Fritzi zeigte nach und nach Verbesserungen. Nach etwa drei Wochen war nur noch eine geringe Schiefhaltung des Kopfes zurückgeblieben, die ihn jedoch nicht weiter einschränkt und seiner Lebensfreude keinerlei Abbruch tut.

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