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Zahnpflege beim Hund

Etwa 80 % aller Hunde haben bereits im Alter von zwei Jahren Probleme mit den Zähnen oder dem Gebiss (Wiggs et al., 1997). Allerdings ist dies den wenigsten Besitzern und Besitzerinnen bewusst. Der Grund dafür ist, dass Hunde Schmerzen und Schwäche erst sehr spät zeigen. Wenn man also offenkundig merkt, dass der Hund Zahnschmerzen hat, so ist davon auszugehen, dass die Probleme bereits seit langer Zeit bestehen. Denn leider wird die Zahnpflege von Hunden immer noch stiefmütterlich behandelt oder als Spinnerei überbesorgter Hundebesitzer abgetan. Dabei sollte uns allen instinktiv klar sein, dass gesunde Zähne und ein starkes Gebiss für unsere Tiere wichtig sind. Schließlich legen wir auch selbst großen Wert auf Zahnhygiene und bläuen das auch unseren Kindern ein. Es steht also fest: Hunde brauchen gute Zähne, um gesund zu sein und sich wohlzufühlen. Verschiedene Faktoren können jedoch zu Zahnstein, Entzündungen und anderen Zahnproblemen führen. In diesem Artikel widmen wir uns daher dem Thema „Zahnpflege bei Hunden“.

Warum Dein Hund ein gesundes Gebiss braucht

Das Gebiss eines Hundes ist sein wichtigstes Werkzeug: Nur mit gesunden Zähnen kann er schmerzfrei fressen, genüsslich Kauknochen nagen, den Ball aus der Luft fangen oder wilde Zerrspiele mit Dir veranstalten. Umso wichtiger ist es, dass es kraftvoll und gesund bleibt. Das Gebiss eines erwachsenen Hundes besteht aus 42 Zähnen, die ihm evolutionär betrachtet das Ergreifen, Festhalten, Töten, Zerkleinern und Fressen von Beutetieren und somit das Überleben ermöglichen. Nun sind unsere Haushunde keine Jäger mehr, sondern (hoffentlich) friedfertige Mitbewohner. Durch die fehlende Beanspruchung ihres hochspezialisierten Gebisses sowie genetische und rassebedingte Faktoren leiden viele Haushunde an schlechten Zähnen: Bräunliche Verfärbungen (Plaque), Zahnfleischentzündungen oder -blutungen, Zahnstein, schlechter Atem, das Verweigern von Futter oder Kauartikeln, Zahnausfall und weitere Symptome deuten darauf hin, dass es allerhöchste Zeit ist, der Zahnpflege mehr Beachtung zu schenken.

Die Bildung von Zahnbelag (Plaque) ist meist der Startpunkt für Zahn- und Gebissprobleme. Es handelt sich dabei um teilweise kaum sichtbare, teilweise gelblich-bräunliche Ablagerungen, die vor allem aus Futterresten sowie Bakterien und deren Stoffwechselprodukten bestehen. Zu Beginn kann Plaque mit einer Zahnbürste leicht abgeschrubbt werden, bleibt dies jedoch aus, mineralisiert es zu Zahnstein, der schließlich nicht mehr durch Putzen, sondern nur durch eine professionelle Zahnreinigung unter Narkose entfernt werden kann. Auf der rauen Oberfläche des Zahnsteins siedeln sich sodann weitere Plaqueherde und zahlreiche Bakterien an. Diese führen zu Zahnfleischentzündungen (Gingivitis), die nicht nur sehr schmerzhaft sind, sondern, wenn sie bestehen bleiben, zu teils irreversiblen Folgeproblemen wie Parodontitis führen. Die Entzündungen dringen in tieferliegende Schichten vor und befallen beispielsweise den Zahnhalteapparat. Die Folge sind lockere und ausfallende Zähne, freiliegende Zahnhälse, Abszesse u.v.m. Darüber hinaus können Bakterien von der angegriffenen Maulschleimhaut in andere Organe wandern, beispielsweise zum Herzen oder zur Niere, und dort zu Entzündungen mit gravierenden Konsequenzen führen. Und nicht zuletzt: Wer einmal Zahnschmerzen hatte, weiß, wie unangenehm das ist. Nicht anders geht es unseren Hunden. Gesunde Zähne und ein starkes Gebiss sind also zentrale Faktoren für die Gesundheit und das Wohlergehen unserer Vierbeiner.

Plaque ist ein erstes Anzeichen für Zahnprobleme. Werden diese Ablagerungen nicht entfernt, mineralisieren sie zu Zahnstein, der nicht mehr durch Putzen zu entfernen ist. Hier ist zu erkennen, dass die Ablagerungen bereits so weit ausgeprägt sind, dass sich das Zahnfleisch zurückzieht. 

Gründe für schlechte Zähne bei Hunden

Wie beim Menschen auch ist das Gebiss eines Hundes eine sehr individuelle Angelegenheit: Während einige Hunde ohne Zutun bis ins hohe Alter strahlend weiße Zähne haben, müssen andere schon mit zwei Jahren die erste Zahnreinigung in Narkose über sich ergehen lassen. Es gibt zahlreiche Faktoren, die Einfluss auf die Zahngesundheit von Hunden nehmen: Neben der fehlenden Beanspruchung im Zusammenhang mit dem Töten und Zerlegen eines Beutetiers können sowohl genetische und rassebedingte Faktoren als auch bestimmte Haltungsbedingungen wie die Fütterung oder fehlende Zahnpflege zu Zahnproblemen führen. Die wichtigsten Faktoren haben wir im Folgenden für Dich zusammengefasst:

Speichelzusammensetzung/-fluss

Jeder Hund hat eine individuelle Speichelzusammensetzung und einen leicht variierenden pH-Wert, die einerseits genetisch bedingt sind, andererseits aber auch durch das Futter beeinflusst werden. Eine „ungünstige“ Speichelzusammensetzung kann die Bildung von Plaque und Zahnstein fördern. Auch ein zu geringer Speichelfluss kann sich negativ auswirken, da somit die Selbstreinigungswirkung ausbleibt.

Rassespezifische Veranlagung 

Einige Rassen neigen stärker zu Zahnproblemen als andere. Häufig betroffen sind kleine Hunde mit kurzer Schnauze. Hier ist – vereinfacht gesagt – nicht genug Platz für die vielen Zähnchen im doch sehr kleinen Kiefer, dies gilt besonders für die Schneidezähne. Die Folge sind Zahnfehlstellungen und zu eng stehende Zähne, wodurch der Selbstreinigungsmechanismus gestört wird.

Besonders kleine Vierbeiner leiden oftmals unter Zahnproblemen aufgrund ihres kleinen Gebisses und der dadurch sehr eng stehenden Zähne. 

Fehlender Abrieb

Hundezähne werden unter anderem dadurch gereinigt, dass Ablagerungen wie Plaque mechanisch abgerieben werden. Wölfe nagen beispielsweise an Knochen und putzen sich so ganz instinktiv auch die Zähne. Hunde, die nur weiches Futter zu fressen bekommen und keine harten Kauartikel oder Knochen, neigen stärker zu Plaque. Werden diese Beläge nicht entfernt, entwickeln sie sich in Verbindung mit den Mineralien im Speichel zu Zahnstein, der nur noch vom Tierarzt beseitigt werden kann.

Bakterien

Wird Plaque nicht entfernt, haben Bakterien leichtes Spiel, da sie hier die idealen Lebensbedingungen vorfinden. Sie greifen das Zahnfleisch an und bilden sog. Zahnfleischtaschen, in denen sie sich ungehindert vermehren können. Die Folge sind Zahnfleischentzündungen bis hin zur Rückbildung von Zahnfleisch und Kieferknochen.

Ungeeignetes Futter 

Auch das Futter kann die Zahngesundheit negativ beeinflussen. So steht beispielsweise getreidehaltiges Futter im Ruf, Zahnstein zu begünstigen (Meyer/Zentek, 2013). Auch erfordert modernes Hundefertigfutter nur geringe Kautätigkeit, wodurch die Zähne nicht ausreichend von selbst gereinigt werden.

Fehlende Zahnpflege

Der wichtigste Punkt ist die ausbleibende Zahnpflege. Obwohl Zähneputzen die effektivste Möglichkeit ist, Zahnbelägen und daraus resultierenden Erkrankungen vorzubeugen, putzen laut einer Umfrage gerade einmal 1 % der Hundebesitzer ihren Vierbeinern die Zähne (American Pet Products Association’s Annual Pet Owner Survey, 2009-2010).

Wie Du siehst, gibt es zahlreiche Faktoren, die Einfluss auf die Zahngesundheit unserer Vierbeiner nehmen. Einige können wir beeinflussen, andere nicht. Was wir aber alle tun können, ist, unseren Hunden die Zähne zu putzen und somit wirkungsvoll gegen Beläge, Karies und Entzündungen vorzugehen.

Wann zum Tierarzt?

Du solltest die Zähne Deines Lieblings regelmäßig auf Plaque, Zahnstein und andere Zahnprobleme untersuchen. Dies übst Du am besten schon im Welpenalter, sodass sich Dein Vierbeiner die Berührungen gefallen lässt. Bei älteren Hunden können etwas Übung und Geduld gefragt sein, ehe sie sich die Gebisskontrolle gefallen lassen. Sinnvoll ist es, bei jedem Routine-Tierarztbesuch auch kurz die Zähne begutachten zu lassen. So kann Dich Dein Tierarzt auf Veränderungen hinweisen.

Bemerkst Du folgende Symptome bei Deinem Hund, solltest Du einen Tierarzttermin vereinbaren:

  • Gelblich-braune Verfärbungen (Plaque)
  • Zahnstein
  • Zahnfleischentzündung (erkennbar an hochroter Schleimhaut direkt über den Zähnen)
  • Mundgeruch
  • Vermehrtes Speicheln (Ptyalismus)
  • Lockere Zähne oder Zahnverlust
  • Karies
  • Veränderungen des Fressverhaltens (Verweigerung, Zögern, einseitiges Kauen etc.)
  • Reiben oder Kratzen an der Schnauze
  • Gewichtsverlust
  • Schluckstörung (Dysphagie)
  • Orale Blutungen
  • Schmerzen bei Berühren des Fangs
  • Veränderte Kontur der Kieferknochen
  • Depressive Verstimmung oder andere Verhaltensänderungen (aufgrund von Schmerzen)

In diesen Fällen sollte ein Tierarzt das Gebiss Deines Vierbeiners begutachten. Gemeinsam könnt ihr dann entscheiden, was zu tun ist: Womöglich ist es ausreichend, Deinem Hund fortan die Zähne zu putzen, um eine Verbesserung zu erzielen und beispielsweise Plaque zu lösen. In einigen Fällen ist jedoch zunächst eine professionelle Zahnreinigung erforderlich, bei der unter Narkose mit Handgeräten und Ultraschall die Beläge entfernt, die Zahntaschen gereinigt und die Zähne poliert werden. Danach kannst Du von einem „Punkt Null“ mit der Zahnpflege starten. Diese Prozedur ist oftmals erforderlich, wenn die Zahnprobleme schon so weit fortgeschritten sind, dass „normale“ Zahnpflege keine Wirkung erzielen würde oder mit großen Schmerzen für den Hund verbunden wäre.

Bei fortgeschrittenen Problemen, etwa ausgeprägten Zahnfleischentzündungen oder Zahnstein, wie es hier zu sehen ist, kann eine professionelle Zahnreinigung unumgänglich sein, bevor Zähneputzen überhaupt Wirkung zeigen kann. Bei solch massiven Zahnproblemen sollte umgehend ein Tierarzt aufgesucht werden. 

Prophylaxe: Das Einmaleins der Zahnreinigung

Du hast Dich entschieden, der Zahnpflege Deines Vierbeiners fortan mehr Beachtung zu schenken? Sehr gut, denn Prophylaxe ist bekanntlich besser, als im Nachhinein die gemachten Fehler zu korrigieren. Zähneputzen ist die wirkungsvollste Methode, um Plaque gar nicht erst entstehen zu lassen und somit auch die daraus folgenden gesundheitsgefährdenden Konsequenzen zu vermeiden. Doch nicht jeder Hund lässt sich das gefallen – zum Glück gibt es gute Alternativen!

Zähneputzen

Zunächst zum Klassiker: Zähneputzen. Zahnbürsten für Hunde gibt es in unterschiedlichen Ausführungen, beispielsweise mit kleinerem oder größerem Bürstenkopf. Gemeinsam ist ihnen in der Regel die ergonomische Form, die ideal auf das Hundegebiss zugeschnitten ist und Dir die Handhabung erleichtert. Mittlerweile gibt es auch elektrische Ultraschallzahnbürsten für Hunde. Für diese benötigst Du eine spezielle Zahncreme, um eine entsprechende Wirkung zu erzielen. Einen Beweis dafür, dass Ultraschallzahnbürsten eine bessere Wirkung erzielen als „normale“ Handzahnbürsten, gibt es aktuell nicht (Vibhute, 2012).

Wichtig ist es, eine Zahnbürste zu wählen, die zur Größe Deines Vierbeiners passt. Alternativ gibt es „Fingerzahnbürsten“, meist aus Silikon, die einfach über den Zeigefinger gezogen werden können. Eine andere Variante sind Fingerline aus Baumwolle, die eine etwas angeraute Oberfläche haben. Welche Variante Du wählst, hängt davon ab, womit Du am besten zurechtkommst. Hier können etwas Übung und Ausprobieren erforderlich sein. Viele Hunde lassen sich Fingerlinge eher gefallen als richtige Zahnbürsten. Somit eignen sie sich besonders für Hunde, die direkt hinter die Couch flüchten, wenn sie das Wort „Zähneputzen“ hören, sowie zum Üben mit Welpen oder Hunden, die noch nicht an das Zähneputzen gewöhnt sind.

Sog. Fingerlinge sind besonders für kleine Vierbeiner geeignet. Auch Hunde, die sich gegen das Zähneputzen (noch) wehren, akzeptieren Fingerlinge oftmals besser als Zahnbürsten. 

Die Zahnbürste erfüllt den mechanischen Part bei der Reinigung: Durch die Bewegungen wird Plaque entfernt oder tritt im besten Falle gar nicht erst auf. Wichtig ist es, eine spezielle Hundezahnpasta zu nutzen, um zu verhindern, dass Dein Vierbeiner Stoffe aufnimmt, die nicht gesund für ihn sind, beispielsweise Fluorid oder ätherische Öle. Eine „Menschenzahnpasta“ ist also nicht geeignet. Es gibt eine Vielzahl an Hunde-Zahnpasten auf dem Markt: mit und ohne Fleischgeschmack, mit und ohne Minze, mit und ohne Enzyme usw. Enzymatische Zahnpasten sollen Ablagerungen lösen, die dann durch die mechanische Bewegung abgeschrubbt werden können. Wichtig ist, dass sie regelmäßig angewandt werden. Ansonsten tut es für den Anfang auch eine „normale“ Hundezahnpasta, mit der sich ebenfalls gute Erfolge erzielen lassen. Auch Wasser ist besser als nichts. Hauptsache es wird geputzt!

Hast Du eine für euch passende Zahnbürste und Zahnpasta ausgewählt, erfolgt die Reinigung wie bei uns Menschen: Gehe von Zahn zu Zahn vor und putze sanft, ohne zu viel Druck, von Rot nach Weiß, also vom Zahnfleisch in Richtung Zahn. Ausspülen ist nicht notwendig, die Zahnpasta kann ohne Probleme geschluckt werden. Es ist nicht nötig, das Maul weit aufzumachen. Oftmals reicht es schon, die Lefzen nach oben zu ziehen, um bequemen Zugriff auf die Zähne zu haben. Bei Sensibelchen kannst Du zunächst auf die Reinigung der Innenseiten verzichten. Diese werden in der Regel durch Speichel und Zungenbewegungen genug gesäubert. 

Geputzt wird mit sanftem Druck von Rot nach Weiß. Die Fangzähne, also die großen Eckzähne, sollten besonders gut geputzt werden, da sie beim Kauen von Kausnacks etc. oft nicht genug gereinigt werden. 

Wichtig: Bei Hunden, die bereits unter starken Zahnproblemen oder Zahnfleischentzündungen leiden, ist das Zähneputzen nicht sinnvoll, da das Bürsten dem Hund große Schmerzen bereiten würde. Seine Abneigung gegenüber der Zahnreinigung würde dadurch verständlicherweise noch stärker werden. Halte in diesem Fall Rücksprache mit Deinem Tierarzt, ob zunächst eine professionelle Reinigung erforderlich ist oder ob Du es mit den im Folgenden beschriebenen „Ersatz-Methoden“ versuchen kannst.

Zahngels und -sprays

Gele und Sprays für die Zahnreinigung eignen sich vor allem für Hunde, die Dich mit der Zahnbürste partout nicht an ihre Beißerchen lassen. Es gibt sie mit unterschiedlichen Wirkstoffen, die jedoch alle das Ziel haben, bestehenden Plaque aufzulösen und eine Neubildung zu verhindern. Auch soll dadurch Entzündungen und der Ansiedlung von Bakterien vorgebeugt und die Maulflora positiv beeinflusst werden. Meist wird ein Sprühstoß ins Maul gegeben oder mit dem Finger eine erbsengroße Menge auf die betroffene Stelle aufgetragen. Bei regelmäßiger Verwendung sollen diese Gels oder Sprays die Ablagerungen lösen. Nach einiger Zeit können sie zum Beispiel mit einem Fingerling sanft abgerieben werden. Laut einer Untersuchung von Hennet (2000) erzielen Gels auf der Basis von Chlorhexidin die beste Wirkung. Sie können die Bakterienlast eindämmen und somit Zahnfleischentzündungen lindern oder vorbeugen.

Tipp: Bei hartnäckigen Ablagerungen kann eine Kombination aus einem solchen Spray oder Gel – zum Beispiel auf Enzymbasis – und einer regulären Zahnpflege mit Bürste und Pasta gute Erfolge erzielen.

Trinkzusätze

Zusätze, die ins Trinkwasser gegeben werden, sind ebenfalls eine einfache Möglichkeit, die Zahnhygiene zu unterstützen. Besonders geeignet sind sie für Vierbeiner, die sowohl das Zähneputzen als auch die Verwendung von Gels oder Sprays vehement ablehnen. Auch als Ergänzung zum Zähneputzen sind sie empfehlenswert. Es gibt sie auf enzymatischer Basis und/oder mit desinfizierender Wirkung.

Futterzusätze

Futterzusätze basieren auf einem ähnlichen Wirkprinzip: Das Ziel ist es, durch eine Veränderung des pH-Werts des Speichels und/oder durch bestimmte Enzyme oder Zusatzstoffe die Bildung von Plaque zu reduzieren bzw. die Mineralisierung zu Zahnstein zu verhindern. Bezüglich des Futters generell ist zu erwähnen, dass es förderlich ist, wenn der Hund viel kauen muss.

Kauartikel

Auch Kauartikel können einen förderlichen Einfluss auf die Gesundheit der Zähne haben. Durch das ausgiebige Kauen werden einerseits Ablagerungen mechanisch entfernt, andererseits wird dadurch der Speichelfluss angeregt. Speichel ist ein wichtiger Faktor, da er Teil des „Selbstreinigungsmechanismus“ ist. Er führt einerseits durch bestimmte Enzyme zu einer Verminderung der Bakterienlast im Maul und kann andererseits verhindern, dass Bakterien an der Maulschleimhaut anhaften (Paquette et al., 2000).

Bei Kauartikeln solltest Du auf gute Qualität achten: Empfehlenswert sind Naturkausnacks ohne Getreide und Zucker oder Knochen mit Resten von Fleisch, sofern Dein Hund diese verträgt. In unseren Kölle Zoo Märkten und im Onlineshop halten wir eine Vielzahl solcher Snacks von Lottis Häppchen für Dich bereit.

Kauartikel können ergänzend zum Zähneputzen gute Dienste leisten, um die Zähne sauber zu halten und die Selbstreinigungsmechanismen zu aktivieren. Je länger der Hund beschäftigt ist, desto besser! 

Wichtig: Bei Knochen ist etwas Vorsicht geboten: Füttere Knochen grundsätzlich nur ungekocht, da sie sonst splittern können. Knochen von Huhn und Schwein sind für Hunde tabu. Außerdem solltest Du genau beobachten, ob Dein Hund den Knochen verträgt. Hier findest Du mehr zum Thema Knochenfütterung. 

Zahnpflege zur Gewohnheit werden lassen

Als Hundebesitzer sollte man sich angewöhnen, die Zahnreinigung des Vierbeiners ebenso in den Tagesablauf zu integrieren, wie man es bei sich selbst macht, denn gelegentliches Zähneputzen zeigt keine durchschlagenden Erfolge. Bei sauberen und gesunden Zähnen reicht es zur Prophylaxe aus, 1–2 Mal pro Woche zu Zahnbürste & Co. zu greifen. Bei bereits vorhandenem Plaque oder Hunden, die sehr schnell Zahnstein bekommen, ist es sinnvoll, jeden Tag zu putzen. Gels und Sprays müssen bei vorhandenen Belägen in der Regel täglich angewandt werden.

Ist Dein Vierbeiner das Zähneputzen noch nicht gewohnt, so achte darauf, nicht mit der Tür ins Haus zu fallen. Wenn Du direkt mit Zahnbürste und Pasta zu Werke rückst, wird er das nächste Mal Reißaus nehmen. Fange sanft an, indem Du ihn zunächst mit den Utensilien vertraut machst: Zeige ihm die Zahnbürste, halte sie ihm ans Maul und belohne ihn mit einem Leckerli. Beim nächsten Mal fährst Du ihm einmal kurz mit der Zahnbürste und etwas Wasser durch den Mund, ohne dabei Zahnpasta zu benutzen. Im nächsten Schritt darf er ein wenig Zahnpasta vom Finger ablecken. Belohne jede gemeisterte Hürde mit Leckerli. So kannst Du Schritt für Schritt vorangehen, bis er es schließlich zulässt, dass ihm die Zähne komplett geputzt werden. Gehe langsam, ruhig und kleinschrittig vor und belohne jeden kleinen Erfolg! Ebenso sollte auch Welpen das Zähneputzen von klein auf angewöhnt werden. Sie lernen es in der Regel sehr schnell.

Wenn Du Deinen Hund langsam an das Zähneputzen gewöhnst, wird er es schnell als selbstverständlich ansehen. 

Hartnäckige Fälle

Bei einigen Hunden bringt alles Putzen nichts: Sie haben eine genetische Disposition zu Zahnstein und werden trotz engmaschiger Pflege Zahnstein entwickeln. Bei einer professionellen Zahnreinigung beim Tierarzt werden unter Narkose mittels eines sog. Scalers Zahnstein entfernt und die Zahntaschen gereinigt, die oftmals zu Zahnfleischproblemen führen. Nach der Reinigung sind die Zähne Deines Lieblings erstmal sauber. Damit dies so bleibt, solltest Du der Zahnpflege fortan Priorität einräumen und dranbleiben, ansonsten werden die Probleme recht schnell wiederkommen.

Vorsicht ist bei Angeboten an den Tag zu legen, die eine Zahnreinigung ohne Narkose versprechen. Das Problem besteht darin, dass bei einer solchen Prozedur lediglich der sichtbare Bereich der Zähne mittels bestimmter Werkzeuge gesäubert wird. Entzündungen außerhalb des sichtbaren Bereichs, etwa in den Zahnfleischtaschen, stellen jedoch die eigentliche Gefahr dar. Und ebendiese bleiben bestehen, da sie schlichtweg nicht ohne Narkose entfernt werden können. Eine solche Zahnreinigung ist also lediglich eine optische Angelegenheit, die der Zahngesundheit nicht zugutekommt. Aufgrund der Vielzahl an Angeboten warnt die TVT (Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e. V.) sogar davor. Eine solche Zahnreinigung sei, so TVT, „reine Kosmetik und keine medizinische Behandlung“. Sie führe in „grob fahrlässiger Weise zur Erhaltung und Förderung eines chronischen Entzündungsherdes und kaschiert eine zugrunde liegende Problematik“ (TVT, 2009). Die TVT kommt zu dem Schluss: „Laienhafte Zahnkosmetik ohne Narkose mit unzureichender Diagnostik und Therapie gefährdet das Wohlbefinden und die Gesundheit der Tiere, ist deshalb tierschutzwidrig und somit zu untersagen.“ (Ebd.) Sind Zahnprobleme also schon weit fortgeschritten, hilft leider nur eine professionelle Zahnreinigung unter Vollnarkose.

Fazit

Etwa 80 % aller Hunde haben bereits im Alter von zwei Jahren Probleme mit den Zähnen. Dies ist erschreckend, wenn man bedenkt, dass eine Vielzahl dieser Probleme wie zum Beispiel Zahnfleischentzündungen mit Schmerzen einhergehen. Daher sollte der Zahnpflege bei Hunden unbedingt mehr Bedeutung zugemessen werden, denn gesunde Zähne sind ein entscheidender Faktor für das Wohlergehen unserer Vierbeiner. Neben hochwertigem Futter und der regelmäßigen Gabe von Kauartikeln ist es sinnvoll, seinem Liebling die Zähne zu putzen, um Plaque und daraus resultierenden Folgeerscheinungen und Krankheiten vorzubeugen.

 

Literatur:

American Pet Products Association’s Annual Pet Owner Survey 2009-2010. Oral health care study of 766 dog owners. Trone Research, January 2011.

Hennet, P. (2002). Effectiveness of a Dental Gel to Reduce Plaque in Beagle Dogs. Journal of Veterinary Dentistry, 19(1), 11-14.  

Paquette D. W. and Williams R. C. (2000). Modulation of host inflammatory mediators as a treatment strategy for periodontal diseases, Periodontology 24: 239-252.  

Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e. V. (TVT): Zahnreinigung mit Ultraschallgeräten bei Hunden und Katzen. Merkblatt Nr. 119, 2009.

Vibhute, A., Vandana, K. L. (2012): The effectiveness of manual versus powered toothbrushes for plaque removal and gingival health: A meta-analysis. J Indian Soc Periodontol. 2012;16:156–60.  

Wiggs, R. B., Lobprise, H. B. (1997): Periodontology. Veterinary Dentistry, Principals and Practice. Philadelphia: Lippincott – Raven,  pp 186-231.

Zentek, J. (2013): Ernährung des Hundes. Enke.

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