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Zeckenbiss bei Hunden

Kaum klettern die Temperaturen über 4 Grad, kriechen die Plagegeister aus allen Winkeln und Ritzen: Zecken! Oftmals unbemerkt von Hund und Besitzer machen sie sich auf die Suche nach einer geeigneten Stelle zum Blutsaugen. Dabei legen sie das bis zu 200-fache ihres eigenen Gewichts zu. Doch mit Blut vollgesaugte Zecken sind nicht nur unappetitlich – sie können für unsere Hunde zur echten Gefahr werden! Je länger sie unbemerkt saugen, desto höher wird das Risiko einer Übertragung von Bakterien oder Viren, was ernsthafte Erkrankungen zur Folge haben kann. Daher sind ein wirksamer Schutz und die schnelle Entfernung von festgesaugten Zecken besonders wichtig. Erfahre hier mehr über Zecken, die von ihnen übertragbaren Krankheiten und wirksame Maßnahmen zur Prophylaxe.

Kleine Spinnentiere – große Gefahr

Zecken gehören zu den Spinnentieren, genauer: zur Unterklasse der Milben. Bis sie ausgewachsen sind, durchlaufen sie mehrere Entwicklungsstadien – von der Larve über die Nymphe bis zur ausgewachsenen Zecke. Es handelt sich um Parasiten, die sich von Blut und Lymphflüssigkeit ihres Wirtes ernähren. Hierzu nutzen sie ihr zangenartiges Mundwerkzeug, mit dem sie zunächst die Haut des Opfers aufritzen, um anschließend mit ihrem Stechrüssel in die Wunde zu stechen. Genau genommen handelt es sich also um einen „Zeckenstich“ und nicht um einen „Zeckenbiss“. Bei diesem Stechvorgang sondert die Zecke ein Sekret ab, das unterschiedliche Wirkstoffe enthält: ein Betäubungsmittel, sodass der Vorgang unbemerkt bleibt, einen Entzündungshemmer, um das Immunsystem des Wirtes zu blockieren, sowie einen Gerinnungshemmer, der dafür sorgt, das ausreichend Blut fließt. Ganz schön perfide, oder? Während des Saugvorgangs kann die Zecke Bakterien und Viren, die diese als Zwischenwirt genutzt haben, in die Wunde und somit in den Organismus unserer Hunde abgeben. Diese Krankheitserreger können zu schwerwiegenden Erkrankungen führen und sind der eigentliche Grund, weshalb Zeckenprophylaxe so wichtig ist. Denn: Der Zeckenstich an sich ist meist nicht weiter schlimm, die dabei übertragenen Bakterien und Viren sind jedoch umso gefährlicher!

Dabei ist Zecke nicht gleich Zecke, es gibt verschiedene Arten, die unterschiedliche Krankheitserreger in sich tragen können. Von den über 900 weltweit bekannten Zeckenarten kommen in Deutschland etwa 20 Arten vor – einige häufiger, die meisten jedoch sehr selten. Die in unseren Gefilden am häufigsten anzutreffenden Zeckenarten sind der Gemeine Holzbock, die Braune Hundezecke und die Auwaldzecke. Die meisten Zeckenarten werden bei Temperaturen von 7 Grad aufwärts aktiv. Demgemäß haben sie etwa von März bis Oktober Hochsaison. Einige haben sich jedoch bereits so gut an kalte Temperaturen angepasst, dass sie weitaus früher aktiv sind – je nach Verbreitungsgebiet mitunter sogar das gesamte Jahr.

Wo halten sich Zecken auf?

Zecken halten sich – leider – überall dort auf, wo auch unsere Hunde gern umherstöbern: im Gras, in kleinen Büschen, auf dem Waldboden oder im Unterholz. Und das nicht nur im tiefsten Wald, sondern auch im Stadtpark oder eigenen Garten. Daher sollte man davon ausgehen, dass man sich grundsätzlich bei jedem Spaziergang, der nicht auf Asphalt stattfindet, Zecken einfangen kann. Zecken warten in Bodennähe auf ihre „Opfer“. Diese registrieren sie durch feine Sinnesorgane an ihren Vorderbeinen. So können sie das Herannahen eines Menschen oder Hundes beispielsweise durch Erschütterungen des Bodens, durch Gerüche wie Schweiß oder durch ausgeatmetes Kohlendioxid wahrnehmen. Sobald sie sich auf dem Körper ihres Wirtes befinden, begeben sie sich auf die Suche nach einer geeigneten Einstichstelle. Bevorzugt werden dabei gut durchblutete, dünnhäutige Areale wie die Achseln, der Bauch oder Kopf. Meist werden Zecken im Vorbeigehen unfreiwillig „aufgesammelt“, es gibt jedoch auch „Jäger“, die ihre Opfer regelrecht verfolgen, so etwa die in Deutschland relativ neue Zeckenart Hyalomma.

Durch Zecken übertragbare Krankheiten

Der eigentliche Zeckenstich ist meist nicht weiter schlimm: Juckreiz und Entzündungen, die insbesondere entstehen können, wenn die Zecke nicht vollständig entfernt wurde, sind in der Regel nach wenigen Tagen passé. Die eigentliche Gefahr, die von Zecken ausgeht, sind die Krankheitserreger, die sie in sich tragen und beim Saugen auf unsere Tiere übertragen. Diese können bei Hunden zu ernsthaften Erkrankungen wie Borreliose, Babesiose, Anaplasmose, Ehrlichiose und in seltenen Fällen Frühsommermeningoenzephalitis (FSME) führen. Neben der Zeckenart ist die Dauer des Saugvorgangs entscheidend. Werden die Zecken sofort entdeckt und entfernt, ist die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung von Krankheitserregern relativ gering (Ausnahme: FSME, hier reicht der Stich bereits aus!). Die Gefahr steigt mit der Dauer des Blutsaugens. Daher gilt: Je früher eine Zecke entdeckt und entfernt wird, desto besser!

Die genannten Erkrankungen führen zu unterschiedlichen, teils sehr unspezifischen Symptomen. Sie können einen schweren Verlauf nehmen und tödlich enden, aber auch völlig symptomlos verlaufen. Einige Erkrankungen können nach einer subklinischen Phase ohne Symptome in eine chronische Verlaufsform übergehen oder bei Schwächung des Immunsystems erneut aufflammen. Die Diagnostik erfolgt anhand der Symptome und/oder mittels Blutuntersuchungen. Treten nach einem Zeckenstich Symptome wie Magen-Darm-Beschwerden, Zittern, Gelenkprobleme, Störungen des Allgemeinbefindens oder Fieber auf, sollte man hellhörig werden! Wenn Du unsicher bist, ob Dein Hund unter einer von Zecken übertragbaren Erkrankung leidet, spreche Deinen Tierarzt darauf an. Denke daran, dass sich Symptome auch erst Jahre nach dem Zeckenstich zeigen können. Im Folgenden eine Übersicht über die häufigsten durch Zecken übertragbaren Erkrankungen und entsprechende Symptome:

 

 

 

 

 

Zeckenschutz

Eine Studie der Veterinärmedizinischen Universität Wien hat nachgewiesen, dass im entsprechenden Untersuchungsjahr jeder zweite (!) Hund an einer durch Zecken übertragbaren Infektion litt (Duscher et. al, 2013; Leschnik et. al, 2013). Das ist schockierend und erklärbar zugleich: Einerseits verstecken sich die Zecken gut und bleiben im dichten Fell lange unbemerkt – bis es zu spät ist. Andererseits werden viele Zeckenmittel falsch, zu spät oder nicht in der notwendigen Regelmäßigkeit angewandt. Daher ist ein konsequenter Zeckenschutz von zentraler Bedeutung. Eine wirksame Prophylaxe umfasst mehrere Komponenten:

1. Nach jedem Spaziergang absuchen

Bürste Deinem Hund nach jedem Spaziergang das Fell aus und untersuche ihn auf Zecken, insbesondere an den von Zecken präferierten Stellen: Augen/Kopf, Ohren, Achseln, Lendengegend und Bauch. Im Idealfall kannst Du die Zecken so eliminieren, bevor sie sich festgesaugt haben.

2. Sofortige Entfernung

Wenn Du eine Zecke entdeckst, die bereits mit dem Saugen begonnen hat, ist es besonders wichtig, sie umgehend zu entfernen. Wir erinnern uns: Mit der Dauer des Blutsaugens steigt die Gefahr der Übertragung von Krankheitserregern. Zum Entfernen der Plagegeister gibt es verschiedene Hilfsmittel wie Zeckenzangen, -haken oder -karten. Diese haben den Vorteil, dass die Zecke nicht gequetscht wird, wodurch im besten Falle verhindert wird, dass sie beim Entfernen ihren Darminhalt samt Erregern in den Hundeorganismus abgibt.

Die korrekte Entfernung ist wichtig!

Nutze unbedingt eines dieser Hilfsmittel und vermeide es, an der Zecke zu manipulieren (zu drücken, zu quetschen) sowie Öl, Klebstoff, Alkohol oder sonstige Substanzen auf die Zecke zu träufeln! Fasse die Zecke möglichst nahe an der Haut und ziehe sie langsam und gleichmäßig gerade heraus. Wenn Du sie drehst, steigt die Gefahr, dass ein Teil der Zecke steckenbleibt.

So nicht: Bitte die Zecke niemals beim Entfernen quetschen! Die Wahrscheinlichkeit der Übertragung von Krankheitserregern wird dadurch deutlich erhöht, da die Zecke sich in den Stichkanal erbricht.

Nach dem Entfernen solltest Du die Einstichstelle desinfizieren und die nächsten Tage gut beobachten, um evtl. entstehende Entzündungen schnell zu registrieren und zu behandeln.

3. Schutzmassnahmen

Im Handel sind ganz unterschiedliche Präparate zum Zeckenschutz erhältlich. Von Spot-ons und Halsbändern, die mittels chemischer Substanzen wie Insektiziden gegen Zecken wirken, bis hin zu alternativen Methoden wie Bernsteinhalsbändern oder Futterzusätzen.

Spot-ons und Halsbänder

Spot-ons werden direkt auf die Haut aufgetragen – je nach Größe des Hundes im Nacken oder entlang der Rückenlinie. Von dort aus verteilt sich der Wirkstoff über den Blutkreislauf im gesamten Organismus oder lagert sich in der obersten Hautschicht ein.

Halsbänder enthalten dieselben Wirkstoffe wie Spot-ons, sie unterscheiden sich nur in der Handhabung. Die Bänder müssen relativ eng anliegen und dauerhaft getragen werden.

Je nach enthaltenem Wirkstoff sollen sowohl Spot-ons als auch Halsbänder Zecken fernhalten (repellierende Wirkung) oder diese bei Kontakt mit der Haut oder beim Stich abtöten. Diese Mittel bieten in der Regel einen wirksamen Schutz vor Zecken, müssen jedoch regelmäßig erneuert werden, meist alle 4–12 Wochen. Einige Mittel dürfen nicht bei Welpen unter 3 Monaten oder bei trächtigen/säugenden Hündinnen angewandt werden. Vorsicht ist bei einigen Präparaten geboten, wenn andere Heimtiere, etwa Katzen, mit im Haushalt leben, da diese für sie giftig sind. Halsbänder müssen aufgrund ihrer toxischen Wirkung auf Fische beim Baden in Seen unbedingt abgenommen werden.

Beim Auftragen des Spot-ons ist darauf zu achten, nicht mit der Lösung in Kontakt zu kommen (ggf. Einmalhandschuhe tragen). Leben mehrere Hunde im Haushalt, sollten sie davon abgehalten werden, sich gegenseitig abzulecken, bis das Mittel vollständig eingezogen ist. Am besten ist es, das Mittel abends aufzutragen, dann hat es genug Zeit zum Einwirken. Kuscheln und Im-Bett-Schlafen sollten für 24 Stunden vermieden werden. Bei Halsbändern muss man sich bewusst sein, dass man dauerhaft zumindest minimal auch selbst mit dem Wirkstoff in Kontakt kommen wird. Dies ist besonders zu beachten, wenn Kinder im Haushalt leben.

Bitte folge bei der Verwendung von Spot-ons und Zeckenhalsbändern den Anweisungen des Herstellers – nur bei richtiger Anwendung können die Mittel ihre Wirkung entfalten und Deinen Vierbeiner schützen. In aller Regel werden die Präparate gut vertragen. Sollte Dein Hund jedoch nach Anwendung Symptome zeigen wie Hautausschlag, Zittern, Kurzatmigkeit, Krämpfe etc., suche bitte umgehend einen Tierarzt auf.

Sprays

Neben Spot-ons und Halbändern gibt es auch Sprays, die vor Zecken schützen sollen. Diese werden entweder direkt auf das Fell (Kontaktspray) oder auf die unmittelbare Umgebung des Hundes, beispielsweise Schlafplätze (Umgebungsspray), gesprüht und sollen die Plagegeister abwehren und/oder abtöten.

Als Nachteil muss hier genannt werden, dass sowohl Dein Hund als auch Du selbst immer wieder mit den Inhaltsstoffen in Kontakt kommt. Je nach Toxizität sollte Dein Hund das Spray auf keinen Fall ablecken können. Du selbst solltest Dir nach jedem Kontakt die Hände waschen. Einige Sprays riechen außerdem sehr stark, was nicht nur für Menschen, sondern besonders für die empfindliche Hundenase sehr unangenehm sein kann.

Alternative Mittel

Es gibt eine ganze Reihe an natürlichen Mitteln zur Zeckenprophylaxe, deren Wirksamkeit wissenschaftlich nicht eindeutig nachgewiesen ist. Diese reichen von Bernsteinhalsbändern über Futterzusätze wie Schwarzkümmel- oder Kokosöl bis hin zu Anhängern, die Signale im Ultraschallbereich aussenden. Hier gilt es, auszuprobieren, ob und was dem Hund hilft. Viele Hundehalter scheinen gute Erfahrungen damit zu machen und können auf chemische Mittel gänzlich verzichten. Bei anderen bleiben die Präparate wirkungslos.

Insbesondere bei Kokos- und Schwarzkümmelöl wird teils von erstaunlichen Effekten berichtet. Unter das Futter gemischt sollen sie bei vielen Hunden eine zeckenabwehrende Wirkung entfalten. Bitte berücksichtige immer die Dosierungshinweise des Herstellers! Bei alternativen Mitteln wie Ultraschall-Anhängern oder ätherischen Ölen sollte berücksichtigt werden, dass Hunde einen äußerst gut ausgebildeten Hör- und Geruchssinn haben. So stellt sich die Frage, inwieweit unsere Vierbeiner davon irritiert werden.

Alternative Zeckenmittel sind sicherlich einen Versuch wert, bringt der Hund jedoch trotzdem massenweise Zecken mit nach Hause, wird man an chemischen Alternativen vermutlich kaum vorbeikommen.

Wichtig: Beachte bei der Wahl des Zeckenschutzes bitte unbedingt, dass die verwendeten Stoffe nicht für im Haushalt lebende andere Haustiere giftig sein dürfen! Permethrin-haltige Stoffe (Pyrethrum; "Crysanthemen-Wirkstoff") sollten auf keinen Fall verwendet werden, wenn Katzen mit im Haushalt leben bzw. erst nach Rücksprache mit dem Tierarzt. Zwar stellen sich die Vergiftungserscheinungen erst bei Überdosierung ein und es gibt auch entsprechend niedriger dosierte Permethrin-haltige Präparate für Katzen, die Überdosierung ist allerdings schnell erreicht, sollte die Katze den Hund ablecken oder engen Körperkontakt zum frisch behandelten Hund (gemeinsames im Körbchen liegen) haben. Auch für den Hund als Futterzusatz verwendetes Schwarzkümmelöl sollte auf keinen Fall an Katzen verfüttert werden, da es bei ihnen zu schweren Leberschädigungen führen kann. Lass Dich bitte bei Unsicherkeiten welches Produkt geeignet ist beim Tierarzt beraten!

Den Hund vor Zecken zu schützen, bedeutet auch sich selbst zu schützen: Verliert Dein Hund Zu Hause Zecken, so können diese natürlich auch im Haus lebende Menschen befallen.

Fazit

Sobald die Temperaturen im Frühjahr steigen und die Zecken aktiv werden, müssen wir uns als verantwortungsvolle Hundebesitzer Gedanken machen, wie wir unsere Vierbeiner vor Zeckenstichen und der Gefahr von dadurch übertragbaren Krankheiten zuverlässig schützen können. Ob man dabei direkt zu chemischen Mitteln greift oder es zunächst mit alternativen, natürlichen Mitteln versucht, ist jedem selbst überlassen. Einen 100%igen Schutz kann keines der Mittel bieten, daher ist es besonders wichtig, dass Du Deinen Hund nach jedem Spaziergang absuchst und festgesaugte Zecken unmittelbar entfernst.

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