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Tierische Reise durch Südamerika

Aktuell können wir alle von Sandstränden, tropischen Regenwäldern oder schneebedeckten Gipfeln leider nur träumen – Urlaub ist tabu, und wir wissen nicht, wie lange dieser Zustand noch anhalten wird.
Also machen wir uns doch einmal gedanklich auf die Reise! Komm mit uns nach Südamerika: In den weiten Steppen und Hochländern liegt die Heimat von vielen bei uns als Heimtiere gehaltenen Fellnasen, etwa von Meerschweinchen, Degus und Chinchillas. Und hier gibt es viel zu entdecken!

Nicht nur Gebirgsketten und Hochebenen, sondern auch Regenwald gibt es in Südamerika zu entdecken!

Los geht’s! Eine kleine tierische Reise durch Südamerika ...

Wusstest Du zum Beispiel, dass ....

... die größte Meerschweinchenart 1,30 m lang und bis zu 80 kg schwer wird?
... Chinchillas in freier Wildbahn massiv vom Aussterben bedroht sind?
... das Revier einer Degu-Gruppe über 200 Quadratmeter groß ist?

Meerschweinchen

Die Familie der Meerschweinchen (Caviidae) setzt sich aus vielen unterschiedlichen Arten zusammen, die sich in Aussehen und Lebensform teilweise erheblich voneinander unterscheiden. Die Heimat der Meerschweinchen liegt in Südamerika – hier leben sie in ganz unterschiedlichen Lebensräumen (Habitaten): vom flachen Grasland bis hin zu Gebirgsregionen. Sogar auf 4.000 Metern Höhe sind einige Arten anzutreffen. Den deutschen Namen „Meerschweinchen“ erhielten die plüschigen Tiere vermutlich von spanischen Seefahrern, die sie mit nach Europa brachten und von den Quietschgeräuschen, die Meerschweinchen zur Kommunikation von sich geben, an das Quietschen von Schweinen erinnert wurden.

Die Zwergmeerschweinchen (Microcavia) sind mit etwa 20 Zentimetern Länge und einem Gewicht von 300 Gramm die kleinsten Vertreter der Familie. Sie leben in den trockenen Gebieten von Argentinien und Bolivien.

Zwergmeerschweinchen sind recht geschickte Kletterer.

Das Capybara (Hydrochoerus hydrochaeris), auch Wasserschwein genannt, hat rein äußerlich nicht mehr viel mit den uns bekannten Hausmeerschweinchen zu tun, gehört aber zur selben Familie. Es erreicht eine Länge von bis zu 1,30 m (!) und ein Gewicht von bis zu 80 kg und ist somit nicht nur der größte Vertreter der weitverzweigten Meerschweinchen-Familie, sondern auch das größte heute lebende Nagetier. Es lebt teilweise im Wasser, teilweise an Land und ist in den feuchten Regionen Südamerikas beheimatet. Die Pampashasen (Dolichotis) sind besonders putzige Vertreter ihrer Art – sie sehen aus wie eine Kreuzung aus Hase, Meerschweinchen und Mini-Reh.

Je nach ihrer Art sind Meerschweinchen tagaktiv oder dämmerungs- und nachtaktiv. Sie leben in komplexen Sozialstrukturen – entweder in Paaren oder in sog. Harems: Hier lebt ein Männchen mit mehreren Weibchen und dem Nachwuchs zusammen. Meerschweinchen sind Pflanzenfresser, sie ernähren sich von Gräsern, Früchten und Samen. Außerdem gehören sie zu den wenigen Wirbeltieren, die nicht selbst Vitamin C produzieren können. Sie sind also darauf angewiesen, das Vitamin mit der Nahrung zu sich zu nehmen. Das gilt natürlich auch für unsere Hausmeerschweinchen – gutes Futter ist daher immer mit Vitamin C angereichert, um die Tiere mit allem Lebensnotwendigen zu versorgen.

Die Jungtiere sind Nestflüchter, das bedeutet, dass sie quasi vollständig lebensfähig zur Welt kommen und direkt das Nest verlassen – mit Fell, offenen Augen und fertig entwickelten Zähnen.
Meerschweinchen sind äußerst kommunikative Zeitgenossen und verfügen über ein großes Repertoire an Lauten für die Kommunikation in der Gruppe – von einem hohen und lauten Quieken bei Gefahr oder Angst bis hin zu einem Zirpen oder Brummen. Auch ihre Körpersprache ist sehr vielseitig und reicht von der Schockstarre bei Angst bis hin zu Auf-der-Seite-Liegen bei Entspannung. Als Halter von Meerschweinchen ist es sehr sinnvoll, sich mit der Kommunikation und Körpersprache der Tiere zu beschäftigen, um sie besser zu verstehen und ihre Bedürfnisse erfüllen zu können.

Wusstest Du? In Lateinamerika dienen einige Meerschweinchenarten und Zuchtformen als Fleischlieferanten, u.a. die Cuys (Riesenmeerschweinchen).

Diese werden im Haus, aber auch in Fleischbetrieben als Nutztiere gehalten und gemästet. Bei uns werden die süßen Tiere vor allem als Haustiere gehalten. Wann genau Meerschweinchen domestiziert wurden, ist nicht mit Sicherheit zu bestimmen. Man nimmt an, dass dies bereits 5.000 bis 2.000 v. Chr. passierte. Sowohl im Verhalten als auch im Aussehen haben sich Hausmeerschweinchen im Laufe ihrer Domestikation stark verändert. So haben sich zum Beispiel verschiedene Variation in Fellstruktur und -farbe entwickelt, die in der Natur so nicht zu finden sind. Leider sind dadurch auch einige sogenannte „Qualzuchten“ entstanden, zum Beispiel Nacktmeerschweinchen („Skinny Pig“, Cavia porcellus), die aus Tierschutzgründen strikt abzulehnen sind.

Meerschweinchen werden in Südamerika auch als Fleischlieferanten gehalten und gezüchtet.

Der nächste Verwandte der Hausmeerschweinchen ist (wahrscheinlich) das Tschudi-Meerschweinchen (Cavia tschudii), das vor allem in den Anden in Peru sowie weiter im Süden bis nach Chile, Bolivien und im Norden Argentiniens lebt. Ganz geklärt ist die Abstammung unserer Hausmeerschweinchen bis heute nicht. Ein Blick auf das komplexe Sozialverhalten und die großen Reviere macht deutlich, weshalb es so wichtig ist, den Fellnasen auch in menschlicher Obhut möglichst viel Platz und Auslauf sowie mindestens einen Sozialpartner zu geben.

Cavia tschudii, der (wahrscheinliche) Stammvater der Hausmeerschweinchen.

Degus

Degus (Octodon degus) sind als Heimtiere noch nicht so weit verbreitet wie Meerschweinchen oder Kaninchen. Erst seit den 1980er-Jahren werden sie in Deutschland als Haustiere gehalten.
Die wilden Verwandten der Degus leben fast ausschließlich in Chile, nur der Walddegu (Octodon bridgesi), eine Unterart, kommt auch in Argentinien vor. Der Pazifikdegu (Octodon pacificus), der ausschließlich auf der Insel Mocha vor der chilenischen Küste heimisch ist, gilt als stark gefährdet. Der natürliche Lebensraum von Degus sind Strauchland, Halbwüsten und Wälder.

Degus erreichen inklusive Schwanz eine Körperlänge von 25 – 35 cm und können bis zu 300 Gramm schwer werden. Die meisten Degu-Arten sind sowohl tag- als auch nachtaktiv. Das haben sich die in menschlicher Obhut lebenden Vertreter beibehalten. Nur der Walddegu ist ausschließlich nachts unterwegs. Die seitlich liegenden Augen ermöglichen den Degus einen beinahe 360-Grad-Rundumblick, wodurch sie ihre Umgebung immer im Blick haben und somit Feinde sehr schnell entdecken können. Die im Vergleich zum restlichen Körper sehr langen Hinterbeine ermöglichen dem Degu weite Sprünge. Zwischen den Zehen haben sie Borsten, die sie zum Klettern und Graben nutzen.

Degus sind Pflanzenfresser, die sich vorwiegend von Gräsern, Kräutern, Samen und Wurzeln ernähren. In freier Wildbahn leben die hochsozialen Tiere in Familien von fünf bis zehn Tieren, die sich wiederum zu Kolonien mit bis zu 200 Individuen zusammenschließen. Jede Familie beansprucht dabei ein eigenes Territorium. Innerhalb der Familien herrscht eine klare Hierarchie: Das ranghöchste Tier bewacht die Gruppe und vertreibt Eindringlinge sofort aus dem Revier. Außerdem gibt es Wächter, die die Aufgabe haben, nach Fressfeinden Ausschau zu halten. Mit einem schrillen Pfiff werden die anderen gewarnt, wenn sich ein solcher nähert. Dann verschwindet die ganze Gruppe in den selbstgegrabenen Bauten, die meist im Schutz von Hecken oder Sträuchern angelegt werden.

In diesen Höhlensystemen bunkern sie auch Futter, um für den kalten Winter vorzusorgen. Degus sind außerdem geschickte Kletterer. Darüber hinaus sind die Tierchen richtige Quasselstrippen – sie kommunizieren unentwegt miteinander und haben dafür ein großes Repertoire an unterschiedlichen Lauten, von einem hohen Zwitschern bzw. Trällern bis hin zu einem tiefen, bedrohlichen Knurren. Bei drohender Gefahr knirschen sie sogar mit den Zähnen. Neben ihrem guten Geruchssinn verfügen Degus über ein exzellentes Gehör und können sogar Ultraschalltöne wahrnehmen. Die langen Tasthaare an der Schnauze dienen der Orientierung, v.a. bei Dunkelheit.

Der Nachwuchs kommt behaart und mit offenen Augen auf die Welt – als sogenannte Nestflüchter sind die Degu-Jungen sehr schnell selbstständig. Wie alt Degus in freier Wildbahn werden, ist nicht bekannt. In menschlicher Obhut erreichen sie ein Alter von bis zu acht Jahren. Diese Grundlagen zum natürlichen Lebensraum und Verhalten von Degus sollten allen Degu-Besitzern bekannt sein, sodass sie den Bedürfnissen der Tierchen möglichst gerecht werden können. Degus brauchen vor allem viel Platz, mindestens einen Artgenossen, vielfältige Klettermöglichkeiten und eine ihren Bedürfnissen angepasste Ernährung.

Chinchillas

Ebenso wie Meerschweinchen und Degus sind auch Chinchillas waschechte Südamerikaner. Die auch als „Wollmäuse“ bezeichneten Nagetiere leben im westlichen Südamerika, insbesondere in der Anden- und Küstenregion. Unterschieden werden Kurzschwanz- und Langschwanz-Chinchillas. Während Kurzschwanz-Chinchillas (Chinchilla chinchilla) im Süden Perus, im Westen Boliviens, im Nordwesten Argentiniens und im Norden Chiles vorkommen und dort Habitate in bis zu 3000 Metern Höhe bewohnen, sind Langschwanz-Chinchillas (Chinchilla lanigera) ausschließlich im Norden Chiles zu finden. Chinchillas sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv und ziehen sich tagsüber in ihre Höhlen zurück.

Die plüschigen Tiere erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von bis zu 38 Zentimetern, der Schwanz kann bis zu 15 Zentimeter lang werden. Weibchen sind etwas schwerer als Männchen und bringen bis zu einem Kilogramm auf die Waage. Chinchillas sind hochsoziale Tiere, die in freier Wildbahn in großen Gruppen zusammenleben. In der Natur werden sie etwa 10 Jahre alt, in menschlicher Obhut gehaltene Tiere können jedoch sogar über 20 Jahre alt werden. Chinchillas wurden jahrhundertelang wegen ihres Fells gejagt und beinahe ausgerottet. Noch heute werden Millionen von Chinchillas weltweit in Pelzfarmen gehalten und wegen ihres Pelzes gezüchtet und getötet. Heute sind die freilebenden Bestände in Südamerika zwar streng geschützt, doch die Wilderei ist nach wie vor ein großes Problem. Auch die zunehmende Zerstörung ihres Lebensraumes bedroht den Bestand an freilebenden Chinchillas. Sie gelten deshalb als vom Aussterben bedroht.

Chinchillas sind in freier Natur vielen Gefahren ausgesetzt. Die wildlebenden Bestände sind sehr stark zurückgegangen.

In menschlicher Obhut sollten Chinchillas mindestens zu zweit leben und viel Platz, Auslauf sowie Versteckmöglichkeiten zur Verfügung gestellt bekommen.

Fazit

Meerschweinchen, Degus und Chinchillas gehören zu den beliebtesten Haustieren. Die kleine Reise durch ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet in Südamerika zeigt, dass es sich um hochsoziale Lebewesen handelt, die erstaunliche Fähigkeiten an den Tag legen. Als Tierhalter sollten wir uns bewusst machen, dass wir in der Verantwortung stehen, unseren Lieblingen möglichst viel von ihren natürlichen Verhaltensweisen zu ermöglichen. Dazu gehören viel Platz, eine artgerechte Ernährung sowie ausreichend Beschäftigungsmöglichkeiten.

Neben Chinchillas, Degus und Meerschweinchen gibt es in Südamerika eine erstaunliche Vielfalt an Tieren und Pflanzen zu entdecken. Bleibt zu hoffen, dass es bald wieder möglich sein wird, selbst zu reisen und vielleicht einen Teil davon kennenzulernen und zu entdecken.

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