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Pferd eindecken – ja oder nein?

Es ist eine Frage, die alle Jahre wiederkehrt: „Soll ich mein Pferd eindecken oder nicht?“
Um die korrekte Antwort werden jährlich regelrechte Glaubenskriege geführt und Hardliner der Fraktionen „Niemals eine Decke aufs Pferd“ und „Mein Pferd trägt immer Decke, auch im Sommer“ fallen in erbitterten Diskussionen übereinander her.
Doch wer hat Recht? Tatsächlich gibt es nur einen Maßstab, an dem Du Dich bei dieser Frage orientieren solltest – und diesen setzt Dein Pferd!
Ja, richtig! Nur Dein Pferd sollte über die Deckenfrage entscheiden und sonst keiner.
Doch woran erkennst Du, ob Dein Pferd eine Decke benötigt und vor allem ab wann? Oder ist gar das ganze Jahr über eine Decke anzuraten? In unserem Blogartikel findest Du Antworten!

Warum Decke fürs Pferd?

Die Angst, das Pferd könne frieren und dadurch krank werden, ist sicherlich einer der häufigsten Beweggründe fürs Eindecken – aber bei weitem nicht der einzige! Es gibt neben der Angst „das Pferd friert“ etliche weitere Gründe, die einen Pferdebesitzer dazu motivieren können, sein Pferd einzudecken.

Weitere Beweggründe, die das Thema „Decke“ spruchreif machen können, sind Erkrankungen von Haut und Fell wie z. B. Sommerekzem, großflächige haarlose Stellen, z. B. durch Narben, oder eine nur schwach oder nicht pigmentierte Haut, wie sie z. B. bei bunten Füchsen oder Perlinos zu finden ist. Hier kann zum Schutz vor der Sonne und zur Vorbeugung von Sonnenbrand auch über eine Decke nachgedacht werden.

Überschießende, mit großflächigen Schwellungen einhergehende Reaktionen auf Insektenstiche, Sommerekzem, ein empfindlicher Rücken – beispielsweise bedingt durch eine Erkrankung wie Kissing Spines (sich berührende Wirbelkörper) –, aber auch der Wunsch, dass das frisch gewaschene und glänzende Pferd mit Decke trotz Koppelgang vor dem anstehenden Turnier sauber(er) bleibt, können den Antrieb zur Decke darstellen.
Du siehst, nicht immer steht das Thema Kälteschutz im Vordergrund, wenn es um die Deckenfrage geht. Wichtig ist, dass die Decke jeweils passend zum Beweggrund fürs Eindecken gewählt wird.

Decke ist nicht gleich Decke!

Für die oben genannten Gründe, die über eine Decke nachdenken lassen können, gibt es die unterschiedlichsten Deckenmodelle, die wir hier in einem Überblick für Dich zusammengefasst haben.

Abschwitzdecken

Abschwitzdecken sollen die von einem schwitzenden Pferd ausgehende Feuchtigkeit aufnehmen und nach außen transportieren. Im Idealfall ist dann nach einiger Zeit das Pferd unter der Decke trocken und die Außenseite der Decke feucht. Die feuchte Decke wird dann abgenommen und zum Trocknen aufgehängt. Bei wärmeren Temperaturen und/oder Pferden mit dichtem, langem Fell funktioniert dieses Konzept allerdings häufig nicht, da das Pferd unter der Decke stark nachschwitzt. In diesem Fall ist eine Abschwitzdecke kontraproduktiv.

Pferd mit über den Sattel gehängter Abschwitzdecke

Tipp: Sollte Dein Pferd stark nachschwitzen, reibe es nach getaner Arbeit gründlich mit trockenem Stroh ab, lasse es sich nach Möglichkeit auf trockenem (!) Boden wälzen (z. B. in der Reithalle; Wälzspuren am Boden hinterher glattrechen) und lasse es dann an einem zugfreien Ort trocknen.

Abschwitzdecken gibt es aus unterschiedlichem Material, in unterschiedlichen Dicken und mit oder ohne Halsteil, so dass sie auch jeweils passend zur Jahreszeit und dem Fellstatus (geschoren oder nicht) ausgewählt werden können.

Fliegendecken

Fliegendecken sollen verhindern, dass Fliegen direkt auf dem Fell Deines Pferdes landen und es stören. Fliegendecken haben je nach Modell engere oder weitere Maschen und sind somit unterschiedlich luftdurchlässig. Sie können während der fliegenreichen Jahreszeit beim Schmied, Tierarzt und Pferdezahnarzt gute Dienste leisten und hier dafür sorgen, dass Dein Vierbeiner ruhig(er) bleibt, da er nicht ständig mit dem Verscheuchen der Lästlinge beschäftigt ist. Auch beim Koppelgang kann eine Fliegendecke sehr nützlich sein. So kann Dein Pferd in Gegenden mit vielen Fliegen die Koppelzeit sorglos genießen. Wichtig ist bei einer Fliegendecke für die Koppel, dass die Decke gut sitzt, so dass sie auch beim Wälzen und Toben nicht verrutschen kann.

Pferd mit Fliegendecke

Ekzemerdecken

Ekzemerdecken sind wie ein Rund-um-die-Uhr-Ganzkörperschutzanzug für Pferde, die an Sommerekzem leiden, und die Steigerung zu einer normalen Fliegendecke. Sommerekzem ist eine durch Kriebelmücken verursachte Hauterkrankung. Ekzemerdecken lassen i. d. R. nur die Beine und den Kopf frei. Alle anderen Körperstellen inklusive Hals und untere Bauchseite sollten von ihr bedeckt sein. Als Gesichtsschutz kann zusätzlich eine Fliegenmaske getragen werden. Damit keine Insekten darunter geraten können, sollten Ekzemerdecken relativ eng anliegen (auf Scheuerstellen achten!).

Pferd mit Ekzemerdecke und Fliegenschutzmaske

Regendecken

Regendecken sind wasserdichte Decken, die verhindern sollen, dass das Pferd nass wird. Es gibt sie in unterschiedlichen Ausführungen: Die klassische Regendecke ist ungefüttert und mit oder ohne Halsteil erhältlich. Es gibt aber auch gefütterte Varianten, die dann in den meisten Fällen als Paddockdecken angeboten werden, wobei der Übergang zwischen Regen- und Paddockdecke fließend ist. Auch hier ist auf eine optimale Passform und Anpassung der Decke zu achten, um das Verletzungsrisiko durch eine verrutschte Decke oder durch Hängenbleiben in der Verschnallung zu minimieren.

Paddockdecken

Paddockdecken sind wasserdichte Decken, die vom Pferd auch draußen bei Regen und Nässe getragen werden können, ohne dass die Decke Feuchtigkeit aufnimmt. Es gibt sie ungefüttert und mit verschiedenen Fütterungen wie z. B. 50 g, 100 g, 200 g und noch stärkerer Fütterung.

Pferd mit Paddockdecke im Offenstall

Stalldecken

Stalldecken sind klassischerweise für die Übergangs- und Winterzeit gedacht, um das Pferd vor Kälte zu schützen. Ihr Außenmaterial ist normalerweise nicht wasserdicht, sondern höchstens wasserabweisend. Daher eignen sich Stalldecken nicht, wenn sich Dein Pferd auf einem nassen Paddock/einer feuchten Koppel aufhält oder es regnet. Natürlich ist auch bei Stalldecken eine gute Passform Pflicht!
Wichtig: Die Decke muss immer unbedingt passend zur jeweiligen Situation ausgewählt werden! Pferde, die sich viel im Freien aufhalten und nach Belieben zwischen Innenraum und Auslauf wechseln können, sollten niemals mit einer Decke eingedeckt werden, die nicht wasserdicht ist.

Doch kommen wir wieder zurück zum Thema „Decke als Kälteschutz“ – ist sie nötig oder sogar schädlich? Das diskutieren wir in den nächsten Abschnitten.

Thermoregulation beim Pferd

Wollen wir das Für und Wider des Eindeckens von Pferden mal aus biologischer Sicht angehen.
Pferde verfügen, wie alle gleichwarmen Säugetiere, über die Möglichkeit zur Thermoregulation. Sie können ihre Körpertemperatur auf einem gleichmäßigen Level halten. Die Körpertemperatur eines ausgewachsenen, gesunden Pferdes im Ruhezustand liegt zwischen 37 und 38 °C. Bei Fohlen ist sie etwas höher – meist zwischen 38 und 39 °C. Dies liegt daran, dass der Stoffwechsel eines Jungtieres auf Hochtouren läuft und dabei eine höhere Körpertemperatur entsteht.

Die Thermoneutralzone (TNZ) des Pferdes, also der Bereich, in dem die Körpertemperatur ohne zusätzlichen Energieaufwand aufrechterhalten werden kann, liegt bei unseren Vierbeinern zwischen 5 und 25 °C (Hodgess et al., 2018) – ein erstaunlich weiter Bereich! Zusätzlich passt sich das Fell von Pferden den Jahreszeiten an: Im Sommer trägt Pferd Sommerfell, im Winter einen schützenden und isolierenden Winterpelz.

An der eigentlichen Thermoregulation sind u. a. Fell, Haut, Blutgefäße und Drüsen beteiligt: Das Unterhautfettgewebe isoliert und dank der Haarbalgmuskeln können die Haare bei Bedarf je nach Witterung aufgestellt, angelegt oder gedreht werden. Und wer ein Pferd, das nicht regelmäßig ausgiebig geputzt wird, intensiv streichelt, der wird schnell merken, dass sich seine Finger und Handflächen dunkel verfärben und von einer talghaltigen Schicht überzogen sind. Diese Talgschicht ist eine natürliche Schutzschicht, die Haut und Fell des Pferdes vor Wasser schützt.

Wichtig: Sehr robust gehaltene Pferde und Ponys, die der Witterung ausgesetzt sind bzw. sich gerne im Regen aufhalten, sollten nicht zu intensiv geputzt werden, damit diese natürliche Schutzschicht erhalten bleibt.

Das Blutgefäßsystem unter der Haut trägt ebenfalls zur Thermoregulation bei, indem es sich in Abhängigkeit von der Außentemperatur entweder verengt (bei Kälte = Schutz vor Wärmeverlust) oder erweitert (bei Hitze = Abgabe überschüssiger Wärme).
Zusammenfassend kann man also sagen, dass Pferde über ein perfektes System zur Thermoregulation verfügen und ihre TNZ ein sehr weites Spektrum aufweist. Damit kommen wir als Nächstes zu einer der häufigsten Befürchtungen, die Pferdebesitzer dazu veranlassen, ihre Vierbeiner mit einer Decke auszustatten: die Befürchtung, das Pferd könne frieren.

Optimale Thermoregulation mit wenig Verlust von Körperwärme - zu erkennen am nicht geschmolzenen Schnee

Wann friert ein Pferd?

Gleich vorweg – nur weil Du frierst, heißt das nicht automatisch, dass Dein Vierbeiner es auch tut! Du erinnerst Dich an die die Thermoneutralzone (TNZ) des Pferdes aus dem letzten Abschnitt? Sie liegt, wie bereits erwähnt, bei unseren Vierbeinern zwischen 5 und 25 °C. Zum Vergleich: Unsere Thermoneutralzone liegt zwischen 25 und 30 °C (unbekleidet). Wir sind also deutlich weniger temperaturtolerant und frieren viel schneller als unsere Pferde. Der Bereich der TNZ wird übrigens auch häufig als Behaglichkeitsbereich oder Wohlfühltemperatur bezeichnet.

Allerdings wirst Du spätestens jetzt feststellen: Wenn es um Wohlfühlen und Behaglichkeit geht, hat jeder sein eigenes Empfinden! Für den einen sind die unteren Zonen der TNZ angenehmer, für den anderen die mittleren oder sogar oberen – und bei unseren Pferden ist es genauso. Daher muss immer das individuelle Empfinden berücksichtigt werden. Das geht beim Pferd am besten durch genaue Beobachtung des Vierbeiners.

Frieren beim Pferd erkennen

Folgende Symptome können darauf hindeuten, dass Dein Pferd friert:

Zittern

Zittert ein Pferd über mehrere Minuten, dann friert es in den meisten Fällen. Allerdings kann Zittern auch ein Hinweis auf Schmerzen sein. Kommen noch andere Symptome hinzu wie Lahmheit, Umdrehen nach dem Bauch, Scharren, Hinlegen und wieder Aufstehen oder ein hochgezogener Bauch, dann kontaktiere vorsorglich einen Tierarzt, denn dann liegen dem Zittern wahrscheinlich Schmerzen zugrunde.

Kalte Ohren

Sind die Ohren Deines Vierbeiners bis an den Ansatz am Kopf kalt, dann ist ihm wahrscheinlich auch kalt. Allerdings können kalte Ohren bis ins untere Drittel auch bei ernsten Erkrankungen wie Infekten, Herz- und Kreislauferkrankungen sowie Koliken vorkommen. Auch bei diesem Symptom gilt: Bist Du Dir unsicher, ziehe einen Tierarzt zu Rate.

Eng mit anderen Pferden zusammenstehen

Zum Schutz vor Kälte stehen Pferde, die in einer Gruppe bzw. Herde leben, bei Temperaturen unterhalb der Thermoneutralzone eng zusammen. So eng, dass der Individualabstand der einzelnen Pferde deutlich unterschritten wird. Bei diesem Verhalten wärmt sich quasi der eine am anderen. Außerdem wird bei dichtem Zusammenstehen kalter Wind besser abgehalten, vor allem von den Pferden, die weiter innen in der Gruppe stehen.

Bewegung beugt frieren vor

Durch Bewegung wird einem warm, auch Deinem Pferd. Sorge dafür, dass sich Dein Pferd nach Möglichkeit rund um die Uhr frei bewegen kann, z. B. durch Offenstallhaltung. Die Wahrscheinlichkeit, dass Dein Pferd dann friert, ist deutlich geringer, vorausgesetzt, es stehen ausreichend geschützte Rückzugsmöglichkeiten zur Verfügung.

Einfluss der Fütterung auf die Thermoregulation und das Frieren des Pferdes

Damit die Thermoregulation vor allem bei Kälte reibungslos ablaufen kann, ist qualitativ hochwertiges Raufutter in Form von Heu oder Heuersatzprodukten wie Heucobs unerlässlich. Bei der Verdauung von Raufutter werden rund 30 % der freiwerdenden Energie in Wärme umgewandelt. So haben Pferde quasi ihr eigenes Heizkraftwerk im Körper, aber natürlich nur unter der Voraussetzung, dass ihnen genügend Raufutter zur Verfügung steht!
Sorge dafür, dass Dein Pferd vor allem im Winter immer ausreichend Raufutter zum Fressen hat. Sollte das Heu bei Dir im Stall aus welchen Gründen auch immer rationiert und nicht ad libitum zur Verfügung stehen, so füttere Heuersatzprodukte wie Heucobs zu.
Durch ausreichende Raufutterfütterung kannst Du also Frieren effektiv vorbeugen! 

Tipp: Sollte Dein Pferd bei kalten Temperaturen zu wenig trinken, biete ihm ein flüssig angesetztes Mash an!

Ist Eindecken schädlich?

Zum Thema Eindecken von Pferden gibt es eine Studie aus dem Jahr 2018 von Kim Hodgess (Hodgess et al., 2018), bei der die Oberflächenkörpertemperatur (jeweils bei 4 bis 4,5 °C Umgebungstemperatur) der Studien-Pferde ermittelt wurde. Die Pferde waren mit unterschiedlichen Decken eingedeckt (Ekzemer-Decke, Fleecedecke und wattierte Decke) bzw. trugen keine Decke. Die Daten wurden miteinander verglichen und statistisch ausgewertet.

Während das Tragen von Ekzemer-Decken zu keiner signifikanten Erhöhung der Oberflächenkörpertemperatur führte, waren die Oberflächenkörpertemperaturen von mit Fleecedecken und wattierten Decken eingedeckten Pferden signifikant erhöht; und zwar um durchschnittlich 11,2 °C bei der Verwendung von Fleecedecken und 15,8 °C beim Einsatz von wattierten Decken. Zum Vergleich: Die Oberflächenkörpertemperaturen der nicht eingedeckten Pferde lagen zwischen 12,5 und 18, 5 °C.

Die Studie kam daher zu dem Schluss, dass durch Eindecken die Oberflächenkörpertemperatur von Pferden signifikant erhöht werden kann – mit negativem Effekt auf die Thermoregulation, da die TNZ überschritten werden kann.
In der Studie wird zudem betont, dass viele Pferdebesitzer ihr Pferd deshalb eindecken, da sie ausgehend vom menschlichen Temperaturempfinden die Befürchtung haben, ihr Pferd könne frieren. Die Studie weist auf die breite TNZ von Pferden hin, stellt allerdings auch heraus, dass die Thermoregulation nur dann optimal verlaufen kann, wenn entsprechend ausgeprägtes Fell und Unterhautfettgewebe vorhanden seien. Zudem wird die Wichtigkeit der Futteraufnahme (ausreichend geeignetes Raufutter) betont.
Was diese Studie zeigt, ist, dass es unter einer Decke deutlich wärmer werden kann. Im schlimmsten Fall so warm, dass die Oberflächenkörpertemperatur Deines Pferdes über seine TNZ steigt.

Deckst Du Dein Pferd ein, solltest Du also unbedingt darauf achten, dass es Deinem Vierbeiner unter seiner Decke nicht zu warm wird. Hier ist zum einen die Wahl der Dicke der Decke in Bezug zur Außentemperatur, aber auch das Material der Decke (atmungsaktiv oder nicht) relevant. Besonders kompliziert und arbeitsaufwändig kann das in den Übergangszeiten sein. Dann ist es nachts häufig schon bzw. noch sehr kalt, tagsüber können die Temperaturen aber vor allem bei Sonnenschein wieder bzw. schon deutlich ansteigen. Hier ist ein gutes Decken-Management im Stall sehr wichtig. Die Pferde sollten dann abends ein- und morgens bei gestiegener Temperatur ausgedeckt werden, um sie vor Überhitzung zu schützen. Gleiches gilt, wenn das Pferd vor Regen geschützt werden soll. Dies kann auch über die Sommermonate nötig sein. Daher sollte die Regendecke je nach Umgebungstemperatur und Fellstatus nach überstandenem Regenschauer zeitnah wieder ausgezogen werden.

Welche Pferde sollten keine Decke tragen?

Es gibt Fälle, in denen Du aus Sicherheitsgründen unbedingt darauf verzichten solltest, Dein Pferd einzudecken. Jungpferde in der Aufzucht, die artgerecht in Gruppen gehalten werden, sollten nie eingedeckt werden und mit Decke in der Gruppe mitlaufen. Hier ist die Gefahr, dass einer der Aufzuchtfreunde beim Spiel in oder an der Decke hängenbleibt, sehr hoch. Im schlimmsten Fall können tödlich endende Verletzungen für beide die Folge sein.

Tragende Stuten kurz vor dem Abfohltermin bzw. Stuten mit Fohlen bei Fuß sollten ebenfalls nie eingedeckt werden. Auch hier kann sich durch die Decke ein hohes Verletzungsrisiko z. B. beim zu spät bemerkten Abfohlen oder durch Verfangen des Fohlens in den Bauchgurten der Decke ergeben. Ist aus welchen Gründen auch immer die Decke für die Stute unbedingt notwendig, dann nur unter ständiger Aufsicht – was sich, wenn überhaupt, nur unter Klinikbedingungen realisieren lässt.

Pferde mit ausgeprägtem Winterfell sollten ebenfalls nicht „einfach so“ eingedeckt werden. Zieht beispielsweise ein Jungpferd im „Winterfelllook“ während des Winterhalbjahrs von der Jungpferdeaufzucht zu Dir in einen Pensionsstall, dann solltest Du auf eine Stalldecke verzichten – die Gefahr der Überhitzung und damit einhergehenden Unwohlseins ist hier zu hoch.

Welche Pferde sollten eine Decke tragen?

Tatsächlich kommen nicht alle Pferde grundsätzlich ohne Decke aus. Die Gründe hierfür können vielfältig sein. Einige haben wir hier zusammengefasst:

  • Erkrankungen wie PSSM, Rückenempfindlichkeit, Kissing Spines, gynäkologische Probleme bei Stuten, Nieren- und Blasenerkrankungen und Infekte (nach Absprache mit dem Tierarzt!)
  • Sehr junge/schwache Fohlen bei sehr kalten Temperaturen/Nässe in Absprache mit dem Tierarzt
  • Sehr alte Pferde in schlechter körperlicher Verfassung
  • Abgemagerte Pferde
  • Pferde ohne ausreichend schützendes Winterfell wie z. B. Importpferde aus dem wärmeren Ausland, wenn der Temperaturunterschied zwischen Ursprungs- und Zielland sehr hoch ist
  • Geschorene Pferde
  • Pferde mit Überreaktionen auf Insektenstiche bzw. Pferde mit Sommerekzem

Ab wann das Pferd eindecken?

Ab wann Du Dein Pferd eindecken solltest, hängt maßgeblich davon ab, warum Du es eindecken möchtest.
Möchtest Du Deinen Sommerekzemer schützen, solltest Du eindecken, bevor die lästigen Insekten aktiv werden, und nicht erst, wenn das Pferd sich die halbe Mähne und den Schweif blutig gescheuert hat.
Pferde, die zu Verspannungen im Rücken bei Wetterwechsel, nasskaltem Wetter oder Regen neigen, sollten immer dann eingedeckt werden, wenn es durch Wetterwechsel nötig wird.

Tipp: Teste, ob sich die Symptome der Verspannungen Deines Pferdes durch Eindecken bei Regen, Kälte oder nasskaltem Wetter bessern oder nicht. Sollten sie sich bessern, ist es empfehlenswert, das Pferd mit einer der Witterung angepassten Decke zu schützen. Besonders Pferde mit muskulären Erkrankungen (z. B. PSSM2) oder Kissing Spines können von gezieltem Eindecken profitieren.

Bei Reitpferden im Training kann es sehr sinnvoll sein, zu versuchen, einem starken „Schieben“ des Winterpelzes durch rechtzeitiges Eindecken im Frühherbst entgegenzuwirken. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass diese Methode bei manchen Pferden gut funktioniert, bei anderen aber auch überhaupt nicht. Sie bekommen trotz Decke einen ausgeprägten Winterpelz. Hier hilft nur ausprobieren! Solltest Du Dein Pferd ohnehin scheren wollen, dann kannst Du auch bis ca. Mitte bis Ende Oktober mit dem Eindecken warten und dann nach dem Scheren eindecken.

Tipp: Möchtest Du Dein Pferd scheren, dann kannst Du zwischen verschiedenen Schermustern wählen. Bei einer Vollschur wird das gesamte Pferd geschoren (Ausnahme: Tasthaare dürfen nicht abgeschoren werden!), bei einer Teilschur verbleibt ein Teil des Winterfells am Pferd.

Bei akuten Erkrankungen wie Infekten solltest Du Dein Pferd in Absprache mit dem Tierarzt mit einer der Witterung angepassten Decke immer dann eindecken, wenn nötig.

Welche Decke bei welcher Temperatur?

Die Frage, welche Decke bei welchen Temperaturen angebracht sein kann, lässt sich leider auch nicht pauschal beantworten, da viele Faktoren eine Rolle spielen. Ist das Pferd geschoren oder nicht? Wenn ja, komplett oder nur in Teilschur? Wie ist der Ernährungszustand? Leidet das Pferd an Erkrankungen? Steht ausreichend qualitativ hochwertiges Raufutter zur Verfügung und hat das Pferd die Möglichkeit zur permanenten freien Bewegung nach eigenem Ermessen und kann jederzeit ausreichend geschützte Rückzugsmöglichkeiten wie Weidehütten aufsuchen?

Die Entscheidungsfindung ist hier also sehr individuell. Aufgrund der weiten TNZ von Pferden empfiehlt es sich, mit einer möglichst dünnen, ungefütterten Decke zu starten und dann zu testen, mit welcher Decke sich Dein Vierbeiner am wohlsten fühlt.

Fazit

Du siehst – die Frage, ob eine Decke für ein Pferd notwendig oder sinnvoll ist, lässt sich nicht pauschal beantworten, sondern muss immer individuell entschieden werden – und zwar immer im Sinne des Pferdes! Eine kategorische Ablehnung des Eindeckens kann sich genauso negativ auf das betroffene Pferd auswirken wie unangemessenes Eindecken.

Quellen:
Kim Hodgess et al. 2018: „To rug or not to rug: Potential impacts on equine welfare”, Conference Paper.

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