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Pferd scheren – so klappt´s

Du überlegst Dir, Dein Pferd zu scheren, weißt aber nicht, ob das das Richtige für Deinen Vierbeiner ist und was generell beim Scheren zu beachten ist, damit das Projekt klappt? Wir haben hier für Dich zusammengetragen, welche Beweggründe es fürs Scheren gibt, welche Vor- und Nachteile es mit sich bringt, wann der beste Zeitpunkt zum Scheren ist, auf was Du bei der Umsetzung unbedingt achten solltest inklusive der „Must Haves“ für die Schur und welche Schurarten es gibt.

Warum das Pferd überhaupt scheren?

Ist die Prozedur des Fellkürzens überhaupt nötig, denn schließlich bekommen Pferde Winterfell nicht ohne Grund? Tatsächlich kann es in einigen Fällen sehr sinnvoll sein, Deinem Vierbeiner eine Teil- oder Vollschur zu verpassen. Welche Gründe das sein können und wann Scheren absolut unangebracht ist, erfährst Du im nächsten Abschnitt.

Weniger Schwitzen und geringerer Elektrolytverlust

Die meisten Pferde, die in konventioneller Boxenhaltung mit täglichem Freilauf gehalten und zusätzlich geritten werden, werden im Spätherbst geschoren. Hintergrund ist, dass ein übermäßiges Schwitzen beim Training bedingt durch das Winterfell vermieden werden soll. Starkes Schwitzen führt zu Elektrolytverlust, der, wenn er über einen längeren Zeitraum stattfindet (in dem Fall wäre es die komplette Winterzeit bis zum Verlust des Winterfells), durch entsprechende Elektrolytpräparate ausgeglichen werden sollte.

Weniger Schwitzen und Zeitersparnis

Außerdem dauert es natürlich länger, bis ein stark verschwitztes Pferd mit Winterfell wieder trocken ist. Durch das Scheren werden lange Trockenzeiten vermieden und die Pferde können schneller wieder mit ihren Stalldecken eingedeckt werden. Der Faktor Zeit spielt nicht nur in professionellen Berittställen eine große Rolle, sondern ist auch für den privaten Pferdefreund wichtig: Stell Dir vor, Du steigst um 20 Uhr von Deinem verschwitzten Pferd und stellst fest, dass Dein Vierbeiner auch nach über zweistündiger Trockenzeit noch feuchtes Fell hat! Zwar sind die meisten hochwertigen Pferdedecken atmungsaktiv, dennoch solltest Du Dein Pferd nicht mit noch nassem Fell mit seiner Stalldecke eindecken – die Gefahr von Pilz- und anderen Hauterkrankungen steigt dadurch an.

Scheren aus optischen Gründen

Auch eine optische Komponente kommt bei der Frage, ob das Pferd geschoren werden soll oder nicht, zum Tragen. Für viele Menschen (die Pferdebesitzer selbst, aber auch mögliche Kaufinteressenten) sieht ein geschorenes Pferd gepflegter aus als eines mit dichtem, zotteligem Winterfell. Dies sollte aber bei der Entscheidung, ob geschoren werden soll oder nicht, eine, wenn überhaupt, nur untergeordnete Rolle spielen.

No-Go Nr. 1: Auch bei einer Vollschur, also einem Schnitt, bei dem das Pferd komplett geschoren wird, ist das Abrasieren oder Kürzen der Tasthaare im Gesichtsbereich, auch „Clipping“ genannt, aus Tierschutzgründen verboten und ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, denn Tasthaare erfüllen wichtige Aufgaben.

No-Go Nr. 2: Das Scheren von Fohlen aus optischen Gründen für die Vorstellung auf Fohlenschauen, Auktionen oder anderen Zuchtveranstaltungen wird von allen deutschen Zuchtverbänden untersagt. Geschorene Fohlen sind von der Teilnahme ausgeschlossen – aus gutem Grund, denn auch das Fohlenfell hat eine wichtige Schutzfunktion.

Scheren aus medizinischen Gründen

Ein wichtiger Grund fürs Scheren kann eine medizinische Indikation sein. An Cushing, einer unheilbaren Stoffwechselerkrankung, leidende Pferde haben meist ganzjährig sehr langes, dichtes und lockiges Fell, welches den Tieren vor allem im Fellwechsel sehr zu schaffen machen kann.

Wann ist die beste Zeit, das Pferd zu scheren?

Für die Beantwortung dieser Frage kommt es auf die individuellen Beweggründe fürs Scheren an. Sollen starkes Schwitzen und seine möglichen Nachteile vermieden werden, so werden die meisten Pferde im Spätherbst geschoren und anschließend eingedeckt. Wenn das Pferd einige Wochen nach der Schur wieder langes und dichtes Winterfell „nachgeschoben“ hat, kann eine zweite Schur nötig sein.
Pferde mit Cushing z. B. sollten immer dann geschoren werden, wenn es erforderlich ist, um ihnen das Leben leichter zu machen, und zwar unabhängig von der Jahreszeit. Hier kann z. B. auch eine Schur im Frühjahr erfolgen.

Geht scheren, ohne das Pferd einzudecken?

Wird aufgrund von Winterfell geschoren, dann ist davon abzuraten, das Pferd zu scheren und anschließend nicht einzudecken, denn das Winterfell ist Bestandteil der Thermoregulation des Pferdes im Winter. Eine Decke muss also anschließend als Fellersatz fungieren. Das Pferd im Anschluss an die Schur nicht einzudecken, ist nur möglich, wenn ein nur geringer Streifen Fell abgeschoren wird, z. B. auf der Hals- bzw. Bauchunterseite bzw. nach dem Umzug des Pferdes ins wärmere Ausland.
Wird dagegen ein Pferd mit Cushing im späten Frühjahr bei trockenem Wetter geschoren, so ist ein Eindecken in der Regel nicht nötig – im Gegenteil. Die meisten Pferde fühlen sich mit der neuen Sommerfrisur dann deutlich wohler!

Welche Schur für welches Pferd?

Es gibt unterschiedliche Schurmuster, die sich jeweils für unterschiedliche Ansprüche und Bedürfnisse eignen. In unserer Übersicht siehst Du die gebräuchlichsten.

Übersicht über die häufigsten Schurarten.

Die Bib- und die Brust-Schur sind die Schurarten, bei denen am wenigsten Fell entfernt wird. Auch bei der Trace-Schur bleibt noch viel Fell stehen. Diese drei Schurarten eignen sich z. B. für Pferde, die im Winter wenig gearbeitet werden bzw. im Offenstall gehalten werden. Bei der Decken-, Chaser- und Irish-Schur hingegen wird deutlich mehr Fell gekürzt. Der Halsbereich wird bei der Decken- und Chaser-Schur z. B. komplett geschoren, bei der Irish-Schur verbleibt ein schmaler Fellstreifen am Hals, der sich nach hinten verbreitert.

Bei der Hunter-Schur wird bis auf die halbe Kopfseite, die Beine und ein Ausschnitt in Form einer Satteldecke das komplette Pferd geschoren. Bei der Vollschur erfolgt eine komplette Schur inklusive Beine und Kopf des Pferdes. Manchmal wird in der Sattellage Winterfell in Form einer Satteldecke oder Schabracke stehen gelassen.
Die Motiv-Schur stellt eine Individualisierungsmöglichkeit dar, bei der dem Pferd, meist am Oberschenkel, unterschiedliche Motive geschoren werden. Hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt!

Wichtig: Wähle das Schurmuster immer passend zum Pferd und seinen Haltungsbedingungen aus.

Pferde in Robusthaltung schert man in der Regel nicht voll, da sie der Witterung mehr ausgesetzt sind als Pferde in Boxenhaltung.
Näheres zu den einzelnen Schermustern kannst Du in unserem Artikel „Welches Schermuster für welches Pferd“ nachlesen.

Tipps fürs Scheren

Damit das Projekt „Pferd scheren“ gelingt, solltest Du einige Vorarbeit leisten.

Benötigte Materialien besorgen

Organisiere Dir vorab alle Materialien, die Du fürs Scheren Deines Pferdes benötigst. Das sind mindestens:

  • Schermaschine mit scharfen Scherblättern
  • Eventuell Ersatzscherblätter passend zu Deiner Schermaschine
  • Öl für die Schermaschine
  • Kreide (bei Schimmeln Farbkreide) zum Vorzeichnen des Musters, wenn Du keine Vollschur planst. Silber- oder Blauspray kann ebenfalls verwendet werden, lässt sich aber hinterher wesentlich schlechter entfernen als Kreide.
  • Ablenkung bzw. Bestechung in Form eines gefüllten Heunetzes oder einer Leckschale
  • Wenn Du Kopf und Beine scheren möchtest oder eine Motivschur planst, solltest Du Dir zudem eine kleinere Schermaschine (eventuell mit Akku) besorgen. Hierfür gibt es spezielle Geräte, mit denen filigranere Bereiche bzw. Muster geschoren werden können.
  • Eventuell Schablone für die Motivschur
  • Richte Dir Wechselkleidung und nimm diese zum Scheren mit in den Stall. Ziehe zum Scheren etwas an, an dem die abgeschorenen Haare möglichst wenig hängenbleiben! Dein Auto und Deine Waschmaschine werden es Dir danken.

Ruhiger Ort und Helfer

Für die Gewöhnung an die Schermaschine und das eigentliche Scheren solltest Du Dir einen ruhigen Ort mit ausreichend Platz und rutschfestem Untergrund suchen. Denk immer daran: Pferde sind Fluchttiere und können uns Menschen durch ihre Größe schwer verletzen. Auch das bislang bravste und ruhigste Pferd kann durch das Geräusch und die Vibration der Schermaschine so aus der Fassung gebracht werden, dass sich sowohl Mensch als auch Tier schwer verletzen können.

Pferd an Schermaschine gewöhnen

Gewöhne Dein Pferd vorab an die Schermaschine, und zwar sowohl an die Geräusche, die das Gerät macht, als auch an die Berührung mit der Maschine. Es gibt Pferde, die beides problemlos tolerieren. Andere wiederum reagieren empfindlich, wenn sie das surrende Geräusch hören. Hier kann es helfen, das Radio laufen zu lassen, damit die Musik das Surren übertönt.
Es gibt aber auch Pferde, die die Berührung mit der Schermaschine zunächst gestatten, beim Gefühl der vibrierenden Maschine dann aber erschrecken.

Tipp: Berühre Dein Pferd zunächst mit der ausgeschalteten Maschine mindestens an den Körperstellen, an denen du scheren möchtest, und schalte die Maschine dann erst ein paar Mal an und aus, bevor Du das Pferd mit laufender Maschine berührst.

Bei Jungpferden und Pferden, von denen man nicht weiß, wie sie auf die Schermaschine reagieren, empfiehlt es sich, die Pferde aus Sicherheitsgründen nicht anzubinden, sondern von einem erfahrenen und ruhigen Helfer am Halfter mit Strick halten zu lassen.

Sedieren oder nicht?

In seltenen Fällen kann beim Scheren sogar eine Sedierung nötig sein. Dazu ist immer dann zu raten, wenn das Pferd sich trotz des Versuchs der Gewöhnung an die Prozedur unberechenbar verhält. Besprich Dich hierzu bitte mit Deinem Tierarzt. Er berät Dich zum für Dein Pferd richtigen Präparat. Es gibt Sedierungspasten, die oral verabreicht werden können. Dies kannst Du selbst durchführen und bist damit zeitlich unabhängig. Es gibt aber auch die Möglichkeit, dass Dein Tierarzt ein Medikament intervenös verabreicht.

Im Anschluss an eine Sedierung darf das Pferd so lange nichts fressen, bis die Wirkung der Sedierung wieder abgeklungen ist, da der Schluckreflex beeinträchtigt sein kann (Gefahr von Verschlucken und Schlundverstopfung kann die Folge sein!). In der Regel rechnet man mit einem Zeitraum von mindestens 2 Stunden, bis das Pferd wieder fressen darf.

Die eigentliche Schur

Hast Du alle benötigten Materialien organisiert und Dein Pferd an die Schermaschine gewöhnt, dann kann es losgehen!

Vor der Schur

Bei jungen und agilen Pferden empfiehlt es sich, diese vor der Schur zu bewegen. Schwitzen sollten sie aber direkt vor dem Schertermin nicht, da sich nasses und feuchtes Fell nicht scheren lässt. Das Fell Deines Pferd muss trocken sein. Um die Scherblätter vor übermäßig schneller Abnutzung zu schützen, putze Dein Pferd gründlich. Durch Erde und Sand im Fell werden die Scherblätter nämlich schneller stumpf.

Falls eine Sedierung nötig ist, sediere rechtzeitig vorher, da die Sedierung einige Zeit braucht, bis sie wirkt.
Um nicht aus Versehen Mähne oder Schweifhaare abzuschneiden, flechte den Schweif eine, bandagiere die Schweifrübe ein und stecke die Mähne mit Haarklammern nach oben. Alternativ kannst Du die Mähne auch einflechten.
Zeichne das gewünschte Schermuster mit Kreide vor.

Start der Schur

Beginne mit dem Scheren an eher unempfindlichen Körperstellen, wie z. B. dem Hals oder der Kruppe, und arbeite Dich langsam an die heikleren Bereiche wie Beine und Kopf vor.

Bei der Schur der Beine solltest Du Vorsicht walten lassen.

Wenn Dein Pferd sediert wurde, solltest Du entweder direkt mit den heiklen Stellen starten oder nach kurzem Test an unkritischen Stellen zügig an den schwierigeren Stellen weitermachen. Mit der Zeit lässt die Sedierung nämlich nach – nutze die Zeit der besten Wirkung also clever!

Führe gleichmässige, lange Züge von hinten nach vorne aus.

Schere Dein Pferd in möglichst gleichmäßigen und langen Zügen. Führe die Schermaschine gegen die Fellrichtung von hinten nach vorne und setze die Schermaschine in einem Winkel von ca. 30 Grad an. Schere so, dass sich die Scherbahnen überlappen, dann bekommst du ein gleichmäßigeres Ergebnis.

Bei der Schur am Kopf ist Fingerspitzengefühl gefragt.

Wichtig: Denk daran, die Schermaschine zwischendurch zu ölen, und entferne für eine reibungslose Funktion die Haare zwischen den Scherblättern. Wie oft die Maschine geölt werden muss, hängt von ihrer Leistungsstärke und der Fellbeschaffenheit Deines Pferdes ab. Der Kopf der Schermaschine wird sich während des Scherens erwärmen und kann teilweise so warm werden, dass es unangenehm für das Pferd wird. Überprüfe mit Deinem Handrücken immer wieder die Temperatur des Scherkopfes und lasse die Maschine bei Bedarf zwischendurch abkühlen.

Nach der Schur

Bürste Dein Pferd nach der Schur gründlich, damit alle abgeschorenen Haare restlos entfernt werden. Die Haare kitzeln und pieken Deinen Vierbeiner sonst womöglich unter seiner Decke. Manche Pferde scheuern sich dann unaufhörlich an den Boxenwänden oder wälzen sich immer wieder, wenn die Fellreste nicht gründlich entfernt wurden. Apropos Decke: Decke Dein Pferd nach der Schur ein, wenn Du im Herbst bzw. Winter sein Winterfell abgeschoren hast. Reinige die Schermaschine gründlich, indem Du alle Haare entfernst, und öle die Maschine im Anschluss.

Fazit

Überlege Dir gut, ob eine Schur für Dich und Dein Pferd die richtige Entscheidung ist. Einmal geschoren benötigt es je nach Pferd mehrere Wochen bis Monate, bis das Fell wieder seine ursprüngliche Länge hat und seine Schutzfunktion im vollen Umfang wieder erfüllt. Egal aus welchen Gründen Du Dein Pferd scheren möchtest – gute Vorbereitung und die Wahl der für Dein Pferd passenden Schur sind das A und O!

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