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Tiergerechte Vogelhaltung

Wusstest Du, dass …

... Wellensittiche über 150 Bilder pro Sekunde wahrnehmen können, während es beim Menschen nur 16 sind?
... sich an der Federhaube von Nymphensittichen ihre Stimmung ablesen lässt?
... der älteste bekannte Kakadu über 80 Jahre alt geworden ist?

Diese Liste ließe sich unendlich weiterführen – Vögel sind faszinierende Tiere, was ihre Beliebtheit als „Haustier“ erklärt, aber auch dazu führt, dass ihre Haltung komplizierter ist, als man zunächst denkt. Möchte man den Tieren ein tiergerechtes Leben ermöglichen, so sollten einige Dinge beachtet werden.

 

Grundsätzliches und Wahl der geeigneten Vogelart

Bevor Du Dir Vögel anschaffst, informiere Dich genau über die Haltungsbedingungen und überlege, ob und wie Du den Tieren ein tiergerechtes Leben ermöglichen kannst. Infos solltest Du vor allem einholen über:

  • das Alter, das die jeweilige Art erreichen kann,
  • die Mindestmaße von Käfigen oder Volieren,
  • die Fütterung und Pflege,
  • die artgerechte Beschäftigung und geeignetes Zubehör.

In unseren Steckbriefen stellen wir Dir verschiedene Vogelarten und deren Besonderheiten vor. Grundsätzlich gilt, dass Vögel entsprechend ihrer Art ganz unterschiedliche Anforderungen an die Haltung stellen, die unbedingt zu berücksichtigen sind, um Krankheiten und Verhaltensauffälligkeiten entgegenzuwirken.

So gut wie alle im Handel erhältlichen Vogelarten sind soziale Tiere, die daher niemals einzeln gehalten werden dürfen, sondern immer mindestens zu zweit oder in einem kleinen Schwarm. Einzeln gehaltene Vögel verkümmern, werden krank und entwickeln fast ohne Ausnahme Verhaltensauffälligkeiten und Stereotypien wie Federrupfen. Als Mensch kannst Du einem Vogel den Sozialpartner niemals ersetzen.

Wichtig: Es ist übrigens ein Irrglaube, dass paarweise oder im Schwarm gehaltene Vögel nicht zahm werden. Grundsätzlich zähmbare Vögel werden auch bei der Paar- oder Schwarmhaltung zahm.

 

Unterbringung

Geeigneter Käfig oder Voliere

Die Wahl des Käfigs hängt von der jeweiligen Vogelart ab. Empfehlungen zu den Mindestgrößen findest Du in den Checklisten der „Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e. V.“ (TVT). Hier wird z. B. für 2 – 6 Kanarienvögel oder Wellensittiche ein Käfig-Mindestmaß von 150 x 60 x 100 cm (L x B x H) empfohlen, für eine entsprechende Anzahl Nymphensittiche liegt die Mindestgröße bei 200 x 60 x 150 cm (L xB x H). Zu beachten ist, dass die Vögel bei der Käfighaltung täglich einen mehrstündigen Freiflug benötigen, um ihren Bewegungsdrang ausleben zu können und nicht zu verkümmern. Die angegebenen Mindestmaße sind eben das: Mindestmaße, die nicht unterschritten werden sollten und das Minimum an Platz wiedergeben.

Grundsätzlich geht in der Vogelhaltung der Trend weg von der Käfighaltung mit Freiflug zum sogenannten Vogelzimmer. Hier haben die Vögel eine Voliere oder einen Schlafkäfig als Rückzugsmöglichkeit und können ansonsten den Raum nach Belieben nutzen. Vorsicht ist geboten bei giftigen Zimmerpflanzen und Elektrokabeln, die die Vögel anknabbern könnten.

Material und Beschaffenheit des Vogelheims

Der Käfig oder die Voliere selbst muss rechteckig sein, runde Käfige sind aus Tierschutzgründen abzulehnen, da sie den Vögeln keine ausreichenden Bewegungsmöglichkeiten bieten. Die Gitterstäbe sollten waagerecht verlaufen, sodass sich der Vogel kletternd an ihnen bewegen kann. Kunststoffüberzogene Gitterstäbe sind zu vermeiden, da insbesondere nagende Arten den Belag abknabbern und sich dadurch Vergiftungen zuziehen können. Ebenso sollte von weißen Gitterstäben Abstand genommen werden, da sie die Vögel in ihrer Umgebungswahrnehmung stark einschränken.

Standort der Voliere oder des Käfigs

Der Käfig oder die Voliere sollte in einem ruhigen Raum mit Tageslicht, aber ohne direkte Sonneneinstrahlung stehen. Die optimale Temperatur liegt bei den meisten Vogelarten bei etwa 18 bis 25 Grad. Der Standort sollte frei von Zugluft sein und keinen plötzlichen Temperaturwechseln unterliegen. Im Unterschied zu Menschen können Vögel UV-Licht als eigene Farbe wahrnehmen, das durch Fensterscheiben jedoch „ausgesperrt“ wird. Daher ist es empfehlenswert, den Vögeln bei der Wohnungshaltung eine Tageslichtlampe mit entsprechenden UVA- und UVB-Anteilen anzubieten. Die meisten Vögel sind tagaktiv und brauchen etwa 10 bis 12 Stunden Helligkeit. Ebenso ist auf eine Nachtruhe von ca. 10 Stunden zu achten.

Gefäße für Futter und Wasser

Je nach Vogelart sind unterschiedliche Besonderheiten zu berücksichtigen. Ganz allgemein brauchen alle Vögel mindestens einen Napf für Futter und einen für Wasser. Körnerfresser benötigen einen dritten Napf mit Grit, das sie zu sich nehmen, um die Körner im sogenannten Muskelmagen verdauen zu können. Die Näpfe sollten in Form und Größe so beschaffen sein, dass sie eine einfache Nahrungs- und Wasseraufnahme ermöglichen. Hierfür eignen sich z. B. runde oder ovale Edelstahlnäpfe. Es ist dafür Sorge zu tragen, dass die Näpfe so positioniert werden, dass sie nicht durch Urin oder Kot verschmutzt werden können.

Sitzstangen und Bodenbelag

Im Käfig angebrachte Sitzstangen, wenn möglich aus Naturholz, sollten unterschiedliche Durchmesser aufweisen, sodass die Vögel immer wieder anders greifen müssen und ihre Füße nicht einseitig belasten. So kann man unter anderem den schmerzhaften Sohlenballengeschwüren vorbeugen. Die Stangen sollten so angebracht sein, dass die Vögel immer ein Stückchen fliegen müssen, um sie zu erreichen. Ideal ist es, wenn die Stangen beim Landen etwas federn.
Strikt abzulehnen sind kunststoffüberzogene Sitzstangen, die keinen ausreichenden Halt zulassen, sowie mit Sandpapier überzogene oder geriffelte Stangen, die die sensiblen Füße schädigen und zu schmerzhaften Sohlenballengeschwüren führen können.

Bademöglichkeit

Eine Möglichkeit zum Baden sollte immer, insbesondere jedoch im Sommer, vorhanden sein. Achte dabei auf eine der Vogelart entsprechend dimensionierte Badeschüssel bzw. ein Badehaus. Das Wasser sollte lauwarm sein und etwa bis zum ersten Fußgelenk des Vogels reichen. Auch hier gilt es natürlich, dafür Sorge zu tragen, dass das Wasser nicht durch Kot oder Urin verschmutzt wird.
Als Volierenuntergrund eignen sich zum Beispiel Buchenholzspäne oder Hanfeinstreu.

 

Tierschutzwidriges Zubehör

Es gibt einiges an Zubehör, das auf den ersten Blick praktisch erscheint, jedoch aus Tierschutzgründen strikt abzulehnen ist. Dieses sogenannte „tierschutzwidrige Zubehör“ ist unter anderem in der erwähnten Checkliste des TVT zu finden und kann Deinen Vögeln nachhaltig schaden.

Neben zu klein bemessenen oder runden Käfigen, den bereits erwähnten sandpapier- oder kunststoffüberzogenen Sitzstangen gehören hierzu unter anderem folgende Dinge:


Spiegel oder jegliche Art von Vogelattrappen

Diese täuschen einen Sozialpartner vor, weshalb Dein Vogel immer wieder versuchen wird, das vermeintliche Partnertier zu füttern. Hierzu würgt er Körner aus seinem Kropf hervor, um sie seinem Gegenüber darzureichen. Da dieser sie natürlich nicht annehmen kann, schluckt der Vogel die Körner wieder herunter, um sie erneut hervorzuwürgen usw. Dadurch entsteht ein Kreislauf, der zu massiven Entzündungen des oberen Verdauungstraktes führen kann, die nicht selten tödlich enden.

Fasern / Seile / Plastikteile

Vorsicht ist geboten bei Spielzeug, aus dem sich dünne Seile lösen können. An diesen können sich die Vögel leicht verletzen, indem sie sich strangulieren, Körperteile abschnüren oder Teile verschlucken. Ebenso ist darauf zu achten, dass die Vögel keine kleinen Plastikteilchen schlucken.

 

Tiergerechte Beschäftigung

Vögel sind sehr intelligente und bewegungsaktive Tiere, die entsprechende Beschäftigungsmöglichkeiten benötigen. Hier gilt es, sich genau über die jeweilige Art zu informieren, um die Vögel gemäß ihren Bedürfnissen auszulasten. Mehr dazu findest Du in unseren Vogel-Steckbriefen. Grundsätzlich sollten die Vögel die Möglichkeit haben, mehrere Stunden am Tag zu fliegen – entweder im Vogelzimmer oder beim täglichen beaufsichtigten Freiflug. Verbleiben sie ausschließlich im Käfig, kann dies Krankheiten, Verhaltensauffälligkeiten und die Verkümmerung der Flugfedern zur Folge haben.

Biete Deinen Tieren ausreichend Beschäftigungsmöglichkeiten an, z. B. Naturäste zum Knabbern, ein Badehaus und geeignetes Spielzeug. Zum Knabbern und Sitzen eignen sich Zweige von Obstbäumen oder Weichhölzern wie Weide.

Achtung: Eibe, Akazie und Hartriegel sind für die Vögel giftig und dürfen daher nicht verwendet werden.

Fütterung und Pflege

Entsprechend ihrer Herkunft benötigen Vögel unterschiedliches Futter. Die meisten im Handel erhältlichen Vogelarten sind sogenannte Körnerfresser. Ihre Grundnahrung ist demnach eine ausgewogene Mischung aus Sämereien. Zusätzlich sollten Vögel täglich Frischfutter in Form von Gemüse (z. B. Salat, Gurken, Paprika) oder geeigneten Futterpflanzen erhalten – hier gilt: Die Vögel dürfen davon so viel essen, wie sie möchten. Obst sollten sie nur als Leckerlie bekommen, da sie sonst zu viel Zucker aufnehmen. Auch Nüsse und Sonnenblumenkerne sind eher als Leckerlie geeignet, da sie sehr viel Fett enthalten. Erdnüsse mit Schale sollten den Vögeln grundsätzlich nicht gegeben werden, da sie häufig mit Schimmelpilzsporen belastet sind, die zu tödlichen Erkrankungen führen können. Selbstverständlich sollte stets frisches Trinkwasser und bei Körnerfressern Grit zur Verfügung stehen.

Wichtig: Die Futter- und Trinknäpfe müssen täglich gründlich gereinigt werden, der Käfig bzw. die Voliere mindestens zwei Mal pro Woche.

 

Gefahrenquellen und Vorsorge

Achte sowohl bei der Fütterung als auch beim Freiflug darauf, dass die Vögel nicht in Kontakt mit für sie giftigen Substanzen kommen. Es gibt einige weit verbreitete Zimmerpflanzen, die die Vögel keinesfalls fressen dürfen, beispielsweise Zimmerfarn, Fensterblatt oder Orchideen. Grundsätzlich darf in Zimmern, die Vögel bewohnen, nicht geraucht werden.

Behalte Deine Vögel immer gut im Auge, um Veränderungen des Gesundheitszustands schnell erkennen zu können. Aufgrund ihres enorm schnellen Stoffwechsels werden einige zunächst harmlos erscheinende Erkrankungen schnell zur tödlichen Gefahr. Erkennst Du folgende Anzeichen bei einem Deiner Vögel, suche bitte schnellstmöglich einen vogelkundigen Tierarzt auf:

  • Aufplustern ohne ersichtlichen Grund
  • Veränderungen der Futter- und Wasseraufnahme
  • Durchfall oder veränderter Kot
  • Haut- und Federveränderungen
  • Schonen eines Beines oder Schlafen auf zwei Beinen
  • matte oder nur halb geöffnete Augen
  • Verhaltensänderungen

 

Fazit zur tiergerechten Vogelhaltung

Wie Du siehst, gibt es einiges zu beachten, um Vögeln ein tiergerechtes Leben zu ermöglichen. Berücksichtigst Du jedoch die genannten Aspekte und die artspezifischen Besonderheiten, werden Deine Vögel eine große Vielfalt an spannenden Verhaltensweisen zeigen, an denen Du Dich erfreuen kannst.

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