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Verhaltensstörungen bei Vögeln

Wenn Dein Vogel ausdauernd an den Gittern nagt, sich Federn ausrupft, permanent auf einer Stange hin und her läuft oder aggressiv auf Dich oder Artgenossen reagiert, solltest Du handeln! All dies sind deutliche Anzeichen dafür, dass Dein Vogel unter einer Verhaltensstörung leidet und sich nicht wohlfühlt. Doch keine Sorge: Durch genaues Hinsehen und Analysieren der Situation und der Umgebung wird es Dir gelingen, die Ursachen für die Störung festzustellen und zu beheben, sodass es Deinem Liebling schnell besser geht! 

Was sind Verhaltensstörungen?

Ganz allgemein gesprochen werden unter Verhaltensstörungen Handlungen oder Bewegungsmuster verstanden, die vom „normalen“, artspezifischen Verhalten abweichen. Beispielsweise putzen alle Vögel ihr Gefieder, nagen an Gegenständen oder zwitschern. Gehen diese artspezifischen Verhaltensweisen jedoch in exzessives Putzen oder gar Federrupfen, maßloses Nagen oder stundenlanges Schreien über, ist von einer Verhaltensstörung die Rede. Dein Vogel zeigt Dir damit deutlich: Etwas stimmt nicht mit mir, es geht mir nicht gut, ich fühle mich nicht wohl.

Auch dauerhaftes Schreien ist eine Verhaltensstörung. Insbesondere Papageien schreien oft unentwegt nach ihrem Partner, wenn sie beispielsweise alleine gehalten werden. 

Wie äußern sich Verhaltensstörungen?

Es gibt verschiedene Arten von Verhaltensstörungen, die auch unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. Am häufigsten zu beobachten sind:

  • Zwanghaftes Putzen
  • Federrupfen und anderes selbstverletzendes Verhalten
  • Schreien/Kreischen
  • Aggressionen gegen Artgenossen oder Menschen
  • Fehlprägung auf den Menschen oder andere Tiere
  • Stereotypien (Wiederholung gleichförmiger Bewegungen wie Hin- und Herlaufen auf der Stange)
  • „Füttern“ eines Spiegels oder Plastikvogels
  • Vermehrtes Eierlegen
  • Fehlendes Brutverhalten
  • Beißen

Diese Symptome können isoliert, aber auch in Kombination auftreten. Sie können so weit gehen, dass der Vogel ernsthafte gesundheitliche Probleme bekommt. Federrupfen beispielsweise führt nicht selten zu großflächig kahlen Stellen und (blutigen) Entzündungen der Haut. Zudem schwächen Verhaltensstörungen das Immunsystem, da der Vogel augenscheinlich unter starkem Stress und Unwohlsein leidet. Er ist somit auch anfälliger für andere Erkrankungen.

Federrupfen ist eine typische Verhaltensstörung, die sowohl bei Großpapageien als auch kleinerern Vögeln wie Wellensittichen oder Kanarienvögeln vorkommt. Sie muss nicht immer so massiv ausgeprägt sein wie bei diesem Allfarblori. Meist fängt das Rupfen fast unbemerkt an, führt jedoch schnell zu massiven Gefieder- und Hautverletzungen. 

Was sind die Ursachen von Verhaltensstörungen?

Eines sollte ganz klar betont werden: Verhaltensstörungen wie die oben genannten sollten niemals leichtfertig als „Eigenheit“ des Vogels akzeptiert oder gar belächelt werden. Sie sind deutliche Anzeichen dafür, dass der Vogel leidet und nicht weiß, „wohin mit sich“. Sie sind daher ausnahmslos ernst zu nehmen.

Die häufigste Ursache für Verhaltensstörungen sind Haltungsfehler, insbesondere:

  • Einzelhaltung (Einsamkeit)
  • Bewegungsmangel (zu kleiner Käfig, kein Freiflug)
  • Stress (Streit in der Gruppe, falscher Partner, Tod des Partners, Ortswechsel etc.)
  • Langeweile (kein Spielzeug, keine Beschäftigungsmöglichkeiten, reizarme Umgebung)
  • Fehlprägungen (Handaufzucht)
  • Einrichtungsfehler (Spiegel, Plastikvögel etc.)
  • Ungeeignete Umgebung (zu geringe Luftfeuchtigkeit, zu wenig Tageslicht)
  • Fütterungsfehler (naturferne Fütterung wie Pellets) 

Eine der häufigsten Ursachen für Verhaltensstörungen ist die Einzelhaltung von Vögeln. Spiegel oder andere "Partnerersatze" führen zu massiven psychischen Problemen. 

Vögel sind kluge, aktive und äußerst soziale Tiere. Sie brauchen Kontakt zu Artgenossen, müssen fliegen können, benötigen Beschäftigungsmöglichkeiten und Abwechslung. Sie stellen somit durchaus hohe Ansprüche an die Haltung, die erfüllt werden müssen, um Verhaltensstörungen und andere Erkrankungen zu verhindern. Bereits kleine Fehler können fatale Auswirkungen haben. So benötigen beispielsweise tropische Vögel eine hohe Luftfeuchtigkeit. Ist sie zu niedrig, juckt die Haut, woraufhin sie versuchen, sich mit Knabbern und Beißen Linderung zu verschaffen. Doch ohne Ausschaltung der Ursache ist keine Besserung in Sicht, sodass es schnell zu blutigen Ekzemen und Infektionen kommt, wodurch auch der Juckreiz schlimmer wird. Ein Teufelskreis entsteht und das Kratzen und Beißen verselbstständigt sich.

Behandlung von Verhaltensstörungen

Zunächst sollte mittels einer tierärztlichen Untersuchung eine körperliche Erkrankung, beispielsweise ein Parasitenbefall, ausgeschlossen werden. Ist der Vogel körperlich gesund, so gilt es, das zugrunde liegende Problem, den Auslöser der Verhaltensstörung, zu identifizieren und alsbald abzustellen. Alleine gehaltene Vögel müssen vergesellschaftet werden. Langeweile kann behoben werden, indem den Vögeln mehr Reize und Beschäftigungsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt werden (Spielzeug, Leitern, Schaukeln, Naturäste, Knabbermaterial etc.). Um Bewegungsmangel vorzubeugen, muss Vögeln täglich Freiflug gewährt werden. Was die Ernährung betrifft, sind Körner z. B. Pellets vorzuziehen, da durch das Schälen der Körner eine natürliche Verhaltensweise ausgelebt werden kann.

Die Behandlung von Verhaltensstörungen kann sehr langwierig sein. Auch nach Beseitigung der Ursachen kann es vorkommen, dass das Verhalten noch eine Zeitlang anhält, denn es hat sich in gewisser Weise bereits „verselbstständigt“. Hier ist Geduld gefragt! Die Prognose ist umso günstiger, je früher eingeschritten wird. Grundsätzlich gilt: Vorsorge ist besser als Nachsorge. Um Verhaltensstörungen erst gar nicht entstehen zu lassen, sollte von Beginn an Wert auf eine tiergerechte Haltung gelegt werden. Hier findest Du mehr dazu.

Fazit

Leider sind Verhaltensstörungen wie Federrupfen nicht selten. Sie sollten stets Anlass sein, die Haltungsbedingungen selbstkritisch zu hinterfragen. Man kann nicht immer alles richtig machen, Fehler passieren. Wenn unsere Tiere jedoch mit deutlichen Anzeichen darauf hinweisen, dass etwas nicht stimmt, dass sie einsam, unterfordert oder gestresst sind, liegt es an uns, durch Anpassungen der Vogelhaltung die Grundlage für eine Genesung zu legen. Unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in unseren Kölle Zoo Märkten stehen Dir gerne mit Rat und Tat zur Seite und beraten Dich zu allen Themen rund um die tiergerechte Vogelhaltung. Wir freuen uns, wenn wir Dir weiterhelfen können!

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