Nymphensittich Steckbrief

Nymphensittiche (Nymphicus hollandicus) stammen ursprünglich aus Australien und gehören zur Familie der Kakadus (Cacatuidae). Sie leben fast auf dem gesamten Kontinent und pflegen eine nomadische Lebensweise mit engem Kontakt zu Artgenossen. Die lustigen kleinen Papageien werden unter Vogelhaltern immer beliebter. Sie sind klug, sehr aktiv sowie flug- und nagefreudig.

Aussehen

Wildfarbene Nymphensittiche haben ein graues Federkleid mit einem weißen Flügelspiegel und orangefarbige Wangenflecken. Während ausgewachsene Männchen einen gelben Kopf und ausgeprägte Wangenflecken aufweisen, ist der Kopf des Weibchens grau und die Wangenflecken meist etwas schwächer ausgeprägt. Hennen haben gelb-schwarze Querbänder an der Schwanzunterseite. Seit über 150 Jahren werden in Europa Nymphensittiche gezüchtet, wodurch zahlreiche Farbschläge entstanden sind, zum Beispiel Lutinos, Zimtfarbene, Weißköpfe oder Falbe. Hier ist die Unterscheidung der Geschlechter meist nur mittels DNA-Test möglich. Kakadu-typisch haben Nymphensittiche eine Federhaube, die sie zum Beispiel bei Aufregung oder Neugier aufstellen. Ausgewachsene Nymphensittiche werden etwa 32 Zentimeter groß und erreichen ein Gewicht von 70 bis 100 Gramm.

Ursprüngliche Verbreitung & Lebensweise

Nymphensittiche stammen aus Australien, wo sie weite Teile im Inneren des Kontinents bewohnen und vor allem in trockenen Gebieten anzutreffen sind. In freier Wildbahn leben sie in Schwärmen von meist etwa 50 Tieren. Innerhalb dieser Schwärme haben Nymphensittiche einen festen Partner, mit dem sie eng zusammenleben (Partnerfüttern, gegenseitige Gefiederpflege, gemeinsames Schlafen). Sie leben nomadisch, ziehen also von Ort zu Ort auf der Suche nach Wasser und Nahrung. Daher sind Nymphensittich ausgezeichnete und ausdauernde Flieger. Nymphensittich-Weibchen legen etwa 3-6 Eier, die sie meist in Baumhöhlen ablegen. In der bis zu drei Wochen dauernden Brutzeit wechseln sich Hahn und Henne mit dem Brüten ab. Nach dem Schlüpfen werden die Küken bis zu 12 Wochen von ihren Eltern versorgt, bis sie selbstständig sind und ausfliegen.

Nymphensittiche werden etwa 15-20 Jahre alt. Der Bestand wildlebender Nymphensittiche in Australien ist stabil. Dies hängt insbesondere mit dem generellen Ausfuhrverbot der Vögel aus Australien zusammen. Alle bei uns erhältlichen Nymphensittiche sind Nachzuchten.

Tiergerechte Haltung

Unterbringung

Wie in freier Wildbahn brauchen Nymphensittiche unbedingt auch in menschlicher Obhut einen Partner und dürfen daher niemals alleine, sondern immer mindestens zu zweit gehalten werden. Gegengeschlechtliche Paare (Hahn und Henne) sind zu bevorzugen. In Gruppen mit mehreren Vögeln fühlen sich die Tiere am wohlsten, da dies ihrer natürlichen Lebensweise entspricht und ein kleiner Schwarm Schutz und Sicherheit bietet. Die Anzahl sollte immer gerade sein, sodass jeder Nymphensittich einen Partner für sich findet. Stirbt einer der Partner, ist für den verbliebenen ein neuer Gefährte, möglichst im gleichen Alter, zu suchen.
Wichtig: Dass paarweise oder in Gruppen gehaltene Nymphensittiche nicht zahm werden, ist ein Irrglaube. Die Zahmheit ist nicht von der Anzahl der Tiere abhängig, sondern von den jeweiligen Charakteren und der Geduld und dem Einfühlungsvermögen des Menschen.

Für die Haltung von Nymphensittichen gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • Ein Vogelzimmer mit einem „Schlafkäfig“: Hier können die Tiere ganztägig nach Belieben fliegen und sich frei bewegen und bei Bedarf Schutz und Ruhe in ihrem Schlafkäfig finden. Diese Variante der Haltung ist aufgrund des großen Bewegungsdrangs der Tiere empfehlenswert.

  • Eine große Zimmervoliere: Gemäß Informationsblatt nach § 21 TierSchG sollte das Vogelheim, wenn keine Haltung in einem Vogelzimmer möglich ist, mindestens die Maße 150 x 70 x 100 (L x B x H) aufweisen. Zusätzlich sind mehrere Stunden täglicher Freiflug zu ermöglichen. Die TVT (Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e. V.) empfiehlt als Mindestmaß eine Größe von 200 x 60 x 150 cm (B x T x H). Dies sollte keinesfalls unterschritten werden. Bei der Käfig- oder Volierenhaltung muss den Tieren täglich ein mehrstündiger Freiflug ermöglicht werden.

  • Eine ganzjährige Außenhaltung mit einem frostsicheren Schutzraum von mind. 150 x 60 x 100 cm (B x T x H), in den sich die Tiere bei Bedarf jederzeit zurückziehen können.

Bei der Volierenhaltung ist darauf zu achten, dass die Gitterstäbe nicht verzinkt oder mit Kunststoff überzogen sind und waagerecht verlaufen, um den Tieren das Klettern zu ermöglichen. Beim Freiflug muss sichergestellt werden, dass sich die Vögel nicht verletzen oder vergiften können (Vorsicht bei Elektrokabeln, Spiegeln, Ventilatoren, giftigen Pflanzen etc.). Der Standort sollte hell, trocken und vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt sein. Plötzliche Temperaturschwankungen, kalte Nässe und Zugluft sollten vermieden werden.

Am wohlsten fühlen sich Deine Nymphensittiche bei Temperaturen von 18 bis 25 Grad und 60 % Luftfeuchtigkeit. Nymphensittiche brauchen UV-Licht für das Sehvermögen und bestimmte Stoffwechselvorgänge. In Innenräumen sollte ihnen daher eine UV-Lampe mit UVA- und UVB-Anteilen angeboten werden (Fensterscheiben „sperren“ natürliches UV-Licht größtenteils aus). Bei der Verwendung von Leuchtstoffröhren zur Beleuchtung sollte mittels eines Vorschaltgerätes auf Flackerfreiheit geachtet werden. Nymphensittiche sehen deutlich besser als wir Menschen und nehmen das für Menschen unsichtbare Flackern wahr, was sehr irritierend für die Vögel sein kann. Selbiges gilt auch für Fernsehgeräte und Computer.

Die tägliche Helligkeitsphase sollte etwa 12 Stunden betragen. Beachte, dass Nymphensittiche tagaktiv sind und gegen Abend die Möglichkeit brauchen, zur Ruhe zu kommen. Sind die Nymphensittiche in einem Zimmer untergebracht, in dem Du Dich abends noch aufhältst, ist auf eine entsprechende Abdunkelung zu achten. In ganz dunklen Räumen sollte ein schwaches Orientierungslicht verbleiben, um Verletzungen zu vermeiden, da Nymphensittiche schnell erschrecken und in Panik geraten können.
Als Untergrund für den Käfig eignen sich Buchenholzspäne oder staubarme Hanfeinstreu.

Die Grundausstattung einer Voliere umfasst darüber hinaus Natursitzstangen (Obstbäume, Weide, Haselnuss) mit verschiedenen Durchmessern, die zur besseren Federung nur an einer Seite befestigt werden sollten, Gefäße für Wasser und Futter, ein Badehaus sowie Beschäftigungsmöglichkeiten wie dicke Seile, Leitern, Schaukeln etc. Viele Nymphensittiche lieben es, mit einer Sprühflasche sanft mit sauberem Wasser besprüht zu werden. Auch ein Sandbad wird gerne genutzt.

Beschäftigung

Nymphensittiche sind intelligente Vögel, die entsprechend beschäftigt werden müssen, um nicht zu verkümmern. Neben dem obligatorischen Freiflug kannst Du zum Beispiel wie folgt für etwas Action und Spaß im Vogelheim sorgen:

  • Verstecke Futter, Leckerli und Kolbenhirse an unterschiedlichen Stellen im Zimmer oder in der Voliere, um Deine Vögel auf Futtersuche zu schicken. So können sie ihren natürlichen Instinkten nachkommen und ihr Futter selbst erarbeiten.

  • Biete ihnen unterschiedliche Optionen zum Klettern, Sitzen und Nagen an: Naturäste mit Zweigen und Knospen, Korkstücke, Wurzeln. Achte auf die Unbedenklichkeit des Materials.

  • Platziere unterschiedliche Naturmaterialien wie Heu, Stroh, Gras etc. im Gehege, das sie aufgrund ihrer Neugierde schnell entdecken und nutzen werden.

  • Sorge mit Leitern, Schaukeln und dicken Baumwollseilen für Bewegungsmöglichkeiten

  • Spendiere ihnen nymphensittich-taugliches Spielzeug aus Holz oder Pappe. Den klugen Tieren bei Denksport-Spielen zuzusehen, kann eine wahre Freude sein.

  • Viele Nymphensittiche lassen sich auch für Clickertraining und andere Beschäftigungen mit ihren Menschen begeistern.

  • Werde zum Spielzeugentwickler: Es gibt viele Möglichkeiten, selbst Spielzeug für Nymphensittiche zu basteln. Eine Pappröhre mit Leckerli darin, die zu einer Art „Rassel“ wird und lustige Geräusche macht, wird wohl jeden Nymphensittich anlocken.

Nymphensittiche bauen bei guter Haltung schnell engen Kontakt zu „ihren“ Menschen auf. Sie werden rasch zahm und können sogar kurze Melodien nachpfeifen.

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Wichtig: Tierschutzwidriges Zubehör wie Flugeschirre mit Leine, Spiegel, kleine Plastikspielsachen etc. solltest Du unbedingt vermeiden, um Deine Tiere nicht der Gefahr auszusetzen, sich zu verletzen oder Verhaltensauffälligkeiten zu entwickeln.

Ernährung

Gesund ernährt werden Nymphensittiche mit einer ausgewogenen Großsittich-Körnermischung und Frischfutter. Achte darauf, dass das Fertigfutter nicht zu viele Sonnenblumenkerne und Nüsse enthält, da diese sehr fettig sind. Als Frischfutter eignen sich nicht blähende Gemüsesorten wie Salat, Zucchini, Paprika etc., Futterpflanzen wie Katzengras oder Callisia sowie Kräuter, etwa Vogelmiere oder Löwenzahn, und Obst. Es ist sinnvoll, zweigeteilt zu füttern: Ein Teil des Futters wird an einem festen Futterplatz angeboten, während der Rest versteckt wird. Das Suchen nach Futter ist Teil der natürlichen Lebensweise und hält fit.

Für die Verdauung des Körnerfutters müssen Nymphensittiche immer Grit zur Verfügung haben. Eine Sepiaschale und ein Kalkstein dienen der Mineralstoffversorgung. Frischfutterreste müssen aus hygienischen Gründen täglich entfernt werden, frisches Trinkwasser muss selbstverständlich durchgängig zur Verfügung stehen. Erlebnisfutter wie Kolbenhirse sowie gelegentlich Keimfutter werden gern angenommen. Während der Mauser oder der Brut haben die Tiere einen erhöhten Proteinbedarf, der beispielsweise durch Eifutter gedeckt werden kann.

Gesundheit

Der Grundstein für Gesundheit und ein langes Leben wird durch gesunde Ernährung, täglichen Freiflug und ausreichend Bewegung, durch das Leben in Gesellschaft (keine Einzelhaltung!) und tiergerechte Beschäftigung gelegt. Ein täglicher Gesundheitscheck ist empfehlenswert, um Krankheiten rasch zu erkennen. Mehr zur Gesundheit von Vögeln findest Du hier. Grundsätzlich sind Nymphensittiche sehr robuste Vögel, die nicht sehr krankheitsanfällig sind. Fehler in der Haltung wie mangelnde Bewegung oder falsche Ernährung können jedoch zu zahlreichen Problemen wie Verfettung und Störungen des Stoffwechsels führen. Einzelhaltung führt zu Verhaltensstörungen wie Schreien, selbstverletzendem Verhalten (Federrupfen), Aggressivität oder Dauer-Eierlegen. Sohlenballengeschwüre an den Füßen sind meist auf nicht geeignete Sitzstangen zurückzuführen (einheitliche Durchmesser, Sandpapierüberzug, Plastik).

Für wen eignen sich Nymphensittiche?

Nymphensittiche eignen sich für Menschen, die Zeit und Platz haben, um den Bedürfnissen der kleinen Kakadus gerecht zu werden. An ihrer Federhaube lässt sich ihre Stimmung recht gut einschätzen: Bei Angst und Unwohlsein ist sie eingezogen, sind die Tiere neugierig oder (positiv-)aufgeregt, stellen sie die Haube auf. Anders als andere Vögel haben Nymphensittiche durchaus Interesse daran, mit „ihren“ Menschen zu interagieren, sofern diese ihnen mit Geduld und Einfühlungsvermögen begegnen. Erwähnenswert ist, dass Nymphensittiche sehr gesprächig sind und auch eine enorme Lautstärke mit ihren schrillen Rufen erreichen können. Dies sollte ggf. mit hellhörigen Nachbarn oder Vermietern vor der Anschaffung abgestimmt werden. Der Nagetrieb sollte ebenfalls nicht unterschätzt werden. Beim Freiflug kann es durchaus vorkommen, dass an „verbotenen“ Einrichtungsgegenständen geknabbert wird. Für die tägliche Versorgung Deiner Nymphensittiche (Fütterung, Reinigung, Gesundheitscheck, Einstreuwechsel) solltest Du 15-30 Minuten einplanen. Eine umfassende Grundreinigung samt Desinfektion des kompletten Geheges sowie aller Einrichtungsgegenstände sollte mind. 1 Mal pro Woche erfolgen und kann durchaus 1-2 Stunden in Anspruch nehmen.

Fazit

Nymphensittiche sind aktive und kluge Tiere, die einige Ansprüche an die Haltung stellen. Sie brauchen mindestens einen Artgenossen, viel Platz zum Fliegen und tiergerechte Beschäftigung. Zum „Ausprobieren“, ob ein Haustier in das eigene Leben passt, sind Nymphensittiche nicht die richtige Wahl. Mit ihrer hohen Lebenserwartung von bis zu 25 Jahren übernimmt man als Halter langfristige Verantwortung, der man gerecht werden muss, um sicherzustellen, dass die Tiere nicht verkümmern. Können sich die Vögel jedoch entfalten und ein tiergerechtes Leben führen, bringen sie mit ihrer liebevollen Art viel Freude in das Leben ihrer Besitzer.

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