Luftsackmilben können gefährlich sein

Prachtfinken und Gouldamadinen können genau wie Säugetiere von verschiedenen krankmachenden Erregern befallen werden, nämlich Viren, Bakterien, Pilzen und Parasiten. Zur letztgenannten Gruppe gehören sogenannte Luftsackmilben (Sternostoma tracheacolum), die insbesondere in Volieren mit vielen Vögeln anzutreffen sind. Diese Parasiten leben im Respirationstrakt der Vögel, also in der Luftröhre und in den Luftsäcken. Dort vermehren sie sich auch und führen zu heftigen entzündlichen Veränderungen an der Innenauskleidung der Atemwege. Hierdurch wird von den Schleimhäuten entzündliches Sekret abgesondert, das zu Problemen bei der Atmung bis hin zu Atemnot führen kann. Die Prachtfinken zeigen dann ein typisches giemendes Atemgeräusch.

Wie werden Luftsackmilben übertragen?
Die auslösenden Luftsackmilben werden beim Schnäbeln, bei der Futteraufnahme und durch Auswurf von entzündlichem Sekret aus der Luftröhre und der Schnabelhöhle von Tier zu Tier übertragen. Auf diese Weise kann schnell der gesamte Bestand in der Voliere infiziert sein. Daher ist es sinnvoll, krank erscheinende Finken von den gesunden Artgenossen zu trennen und bis zur Gesundung zu quarantainisieren.

Was sind die typischen Symptome?
Die Vögel sind oft müde und entkräften rasch. Durch mangelnde Nahrungsaufnahme kommt es rasch zur Abmagerung, auch Todesfälle können nicht ausgeschlossen werden. Der Befall mit Luftsackmilben kann als „Berufskrankheit“ der Prachtfinken und Gouldamadinen angesehen werden, da er bei diesen Tierarten besonders häufig in Erscheinung tritt. Viele Züchter wissen das und konsultieren schnell einen Tierarzt sobald sie irgendwelche Auffälligkeiten bei der Atmung ihrer Pfleglinge feststellen. Für die Diagnosestellung kann eine Tupferprobe mit Sekret aus der Schnabelhöhle entnommen und unter dem Mikroskop untersucht werden.

Was kann der Tierarzt tun?
Zur Behandlung ist der Wirkstoff Selamectin geeignet, der für Hunde und Katzen als Spot-on-Lösung gegen Hautparasiten, Spul-, Haken- und Herzwürmer vom Veterinär verordnet werden kann. Zur Anwendung bei Prachtfinken und Gouldamadinen muss der Tierarzt den Wirkstoff umwidmen, da er für Vögel nicht zugelassen ist. Bei jedem Tier werden 1 bis 2 Tropfen aus der 15 mg-Ampulle im Nacken aufgetragen. Dies ist nach 1 bis 2 Wochen zu wiederholen, um auch nachfolgende Milbengenerationen mit zu erfassen. Besonders wichtig ist, dass stets alle Vögel in der Voliere gleichzeitig behandelt werden, also auch die gesund erscheinenden. Nur so können die Luftsackmilben beseitigt und Rückschläge (sogenannte Rezidive) ausgeschlossen werden. Unterstützend empfiehlt sich, Stress für die Tiere zu vermeiden und vitaminreiches Futter parallel anzubieten. Auch eine temporäre Rotlichtbestrahlung schwer erkrankter Vögel kann gute Dienste leisten.

Text: © Dr. Wieland Beck
Fotos:
© sompreaw/shutterstock.com

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