Schnabelräude beim Wellensittich

Wellensittiche können genau wie Säugetiere von verschiedenen krankmachenden Erregern befallen werden, nämlich Viren, Bakterien, Pilzen und Parasiten. Zur letztgenannten Gruppe gehören sogenannte Schnabelräudemilben (Knemidocoptes pilae), die insbesondere in Volieren mit vielen Vögeln anzutreffen sind.

Wie wird die Schnabelräude übertragen und woran erkennt man sie?
Diese Parasiten werden bereits im Nest z.B. beim Füttern und Schnäbeln von den Elterntieren auf die Jungvögel übertragen. Daher sind die meisten Wellensittiche vom Schlupf an infiziert. Wenn die Vögel gesund sind und ein gutes Immunsystem haben, kann es sein, dass die Parasitose nie klinisch sichtbar wird. Diese Fälle verlaufen zeitlebens völlig symptom- und beschwerdefrei, obwohl sich die Milben im Horngewebe von Schnabel und Wachshaut fortpflanzen. Eine Übertragung unter den erwachsenen Tieren findet somit nicht statt.

Bei kränklichen Exemplaren kann es jedoch durch den Milbenbefall zu mehr oder weniger heftigen, krümeligen Veränderungen der Hornhaut an Schnabel und Wachshaut kommen. Oft beginnen diese Hornreaktionen im Bereich des Schnabelwinkels, von wo sie sich unbehandelt rasch über den gesamten Schnabel und die Wachshaut ausbreiten können. Man erkennt dort kleine Löcher, die von den Schnabelräudemilben in die Tiefe der Hornhaut gebohrt werden. Daher sieht die Oberfläche von Schnabel und/oder Wachshaut meist schwammartig aus. Gelegentlich kommt es auch zu einer Ausdehnung der hornartigen Hautreaktionen an den Lidern, im Bereich der Ständer sowie an der Kloake. Die Wellensittiche sind dann durch die Grabaktivitäten der Milben stark beunruhigt und fressen schlecht. Auch Atemstörungen können durch Verlegung der Atemwege entstehen. Einige Vögel magern rasch ab und sterben, wenn keine antiparasitäre Behandlung vorgenommen wird. In jedem Fall sollte spätestens bei Auftreten der typischen Hornhautveränderungen im Schnabelwinkel, am Schnabel bzw. an der Wachshaut ein Tierarzt zu Rate gezogen werden.

Was kann der Tierarzt tun?
Er kann durch Entnahme sowie Mikroskopie eines Hautgeschabsels, am besten vom Schnabelwinkel, die Milben nachweisen und eine definitive Diagnose stellen. Da es keine für Wellensittiche zugelassenen Antiparasitika gibt, muss der Veterinärmediziner für Hunde oder Katzen zugelassene Wirkstoffe umwidmen, die sämtliche Milben vernichten. Diese Tierarzneimittel können entweder lokal am Schnabel und auf der Wachshaut oder als Spot-on (1 Tropfen aus der Ampulle) im Nacken oder zwischen den Schulterblättern aufgetragen werden. In die Behandlung sollten stets alle Tiere aus einer Voliere einbezogen werden, damit eine umfassende Erregereliminierung erfolgen kann. Ferner sollte die antiparasitäre Therapie nach etwa 2 Wochen wiederholt werden, damit auch nachfolgende Milbengenerationen gut erfasst werden können. Ein Zuschmieren der Milbenbohrlöcher mit Paraffinöl oder Salben sollte nur Ausnahmefällen und dann einem fachkundigen Behandler vorbehalten bleiben, da stark geschwächte Wellensittiche nicht selten sensibel darauf reagieren.

Text: © Dr. Wieland Beck
Fotos:
© kurhan/shutterstock.com

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