Steckbrief

Meerschweinchen

OrdnungNagetiere
UnterordnungMeerschweinchenverwandte
FamilieMeerschweinchen
GattungCavia
VerbreitungSüd- und Mittelamerika
nat. LebensweiseRudeltier
BesonderheitExtrem gutmütig, ideales Tier für umgangsbewusste Kinder
FutterKomplett-Meerschweinchenfutter, stets gefüllte Heuraufe, Vitaminpräparat "Orvitol", zusätzliche Auswahl an Obst und (nicht blähendem) Gemüse
BuchtippMeerschweinchen - Karin Behrend, GU Verlag, München 1990
Meerschweinchen - Dietrich Altmann, Ulmer Verlag, Stuttgart 1997
Meerschweinchen

Meerschweinchen

Eine Bezeichnung mit unterschiedlicher Herleitung

Ob Quieken, Murmeln, Glucksen, Knurren oder Zähneklappern - Meerschweinchen besitzen ein unglaublich vielfältiges Lautrepertoire und sind keineswegs langweilige Tiere, für die sie oft fälschlicherweise gehalten werden. Im Gegenteil: Werden ihre Fähigkeiten durch Beschäftigung gefördert, hat man im Nu quicklebendige und aufgeweckte Gesellen, die sich auf unterschiedlichste Weise verständigen.

Ursprünglich kommen Meerschweinchen aus Mittel- und Südamerika, wo sie über den ganzen Kontinent verbreitet leben. Erdgeschichtlich lassen sie sich schon vor 40 bis 35 Millionen Jahren nachweisen. Der Stammvater ist das Tschudi-Meerschweinchen. Wann das Wildmeerschweinchen sich langsam zum Hausmeerschweinchen gewandelt hat, ist nicht eindeutig festzulegen. Dass es jedoch lange bevor Kolumbus Amerika entdeckte, gewesen sein muss, wurde bei Ausgrabungen in 4000 m hoch gelegenen Siedlungen in Zentralperu nachgewiesen. Dort wurden Schädel von Meerschweinchen gefunden, deren Veränderungen zeigten, dass die Domestikation zwischen 9000 und 3000 v. Chr. erfolgt ist. Bei den Inkas dienten sie sowohl als Fleischlieferanten als auch als Opfertiere für den Sonnengott.

1670 ist überliefert, dass holländische Kaufleute die munteren Tiere bei den Indios Guyanas, der damaligen niederländischen Kolonie, entdeckten und für ihre Kinder als Spielgefährten mitnahmen. So ist das Meerschweinchen nach Europa gekommen. Um 1680 wurden sie nach Frankreich und England verkauft und waren so teuer, dass sie nur reiche Leute erwerben konnten.

Der Name des Meerschweinchens leitet sich in den verschiedenen Ländern ganz unterschiedlich her und hängt mit der Herkunftsgeschichte zusammen. Im deutschsprachigen Raum wird es ein kleines Tier genannt, das übers Meer zu uns kam und quiekt wie ein Schweinchen. In Holland heißt es Guinees biggetje oder Cavia. Biggetje ist das Ferkelchen, das für eine Guinee, eine alte englische Goldmünze, teuer verkauft werden konnte. Cavia ist der lateinische Gattungsname. Bei den Engländern sind im Namen guinea pig auch das Schweinchen und die Goldmünze enthalten. Bei den Franzosen heißt es cochon d`Inde, was soviel wie Schwein aus Indien heißt. Die Spanier gaben ihm den Namen conejillo de Indias, das ist ein kleines Kaninchen aus Indien. In beiden Bezeichnungen steckt jedoch der irrige Glaube, damals den Westen Indiens entdeckt zu haben.

Meerschweinchen gehören zu der Ordnung der Nagetiere (Rodentia), der Unterordnung Meerschweinchenverwandte (Caviomorpha), der Familie der Meerschweinchen (Caviidae), und die Gattung wird als Cavia bezeichnet. Die Jungen sind Nestflüchter und kommen voll entwickelt zur Welt. Sie haben Fell, bereits 14 Tage vor der Geburt im Mutterleib offene Augen und ihr Milchgebiss ebenfalls schon im Bauch gegen das bleibende ausgetauscht. Deshalb können sie von Geburt an neben der Muttermilch auch feste Nahrung zu sich nehmen.

In der Natur leben sie in Rudeln und bewohnen Erdhöhlen, die sie nicht immer selber graben. Es gehört zu ihrer Überlebensstrategie, sich nicht das Futter zu neiden, kaum zu raufen oder zu streiten. Dabei beachten sie aber eine genaue Rangordnung. Sie sind reine Fluchttiere, haben aber dennoch trotz ihrer Wehrlosigkeit gute Fähigkeiten zum Überleben entwickelt. So legen sie ein vielverzweigtes Netz von Trampelpfaden an, in dem sie sich bestens auskennen und das ihnen eine rasche Flucht ermöglicht. Sie bewegen sich flink im möglichst hohen Gras fort, verständigen sich stets mit den unterschiedlichsten Lauten und trippeln hintereinander her.

Die Geselligkeit und die Lautsprache sind auch bei der Heimhaltung wesentliche Merkmale. Die überaus geselligen Tiere sollten mindestens zu zweit gehalten werden, da der Mensch nie einen Artgenossen ersetzen kann. Zutraulich werden sie trotzdem, möglicherweise sogar schneller als ein verschüchtertes einzelnes. Auch dem Menschen gegenüber zeigen sie ihr Befinden durch ihre vielseitige Sprache. So bedeutet ein lang anhaltendes Quieken das Betteln um Futter, ein murmelndes Glucksen zeigt Zufriedenheit an und ein lang gezogenes Brummen ist eine freundliche Begrüßung unter Meerschweinchen. Beim Freilauf im Zimmer trippeln sie meist ebenfalls hintereinander her und lassen die typischen Verständigungslaute vernehmen.

Meerschweinchen sind pflegeleichte Tiere und als liebevolle, geduldige Partner, die im Gegensatz zu anderen Tieren nur in allergrößter Not beißen, überaus geeignet für Kinder. Man muss nur darauf achten, dass sie nicht fallengelassen oder grob angepackt werden, da sie äußerst zartgliedrig sind. Sie stellen nur wenige Grundansprüche. Dazu gehört ein mindestens 120 x 60 x 50 cm großes Heim, das mit Schlafhäuschen, Heuraufe, Futternapf und Nippeltränke ausgestattet ist. Als Einstreu sollte am besten gepresste Strohstreu verwendet werden. Meerschweinchen sind keine Turner und Kletterer, lieben jedoch erhöhte Aussichtsplätze aus Holz, und beim Freilauf veranstalten sie Hindernisrennen und Verfolgungsjagden. Diese sportliche Betätigung muss unbedingt möglich sein. Bei Kölle-Zoo lässt sich so ein Wohlfühl-Zuhause für Meerschweinchen problemlos zusammenstellen.

Als Grundnahrung dient dem Meerschweinchen Heu, das als wichtiger Ballaststofflieferant ständig zur Verfügung stehen sollte. Als Hauptfutter ist eine Komplettkraftfuttermischung zu empfehlen, die alle Nährstoffe enthält und besonders den hohen Bedarf an Vitamin C, das die Tiere wie auch die Menschen nicht selbst produzieren können, deckt. Zudem empfiehlt es sich, das Trinkwasser mit einem Vitaminpräparat (Orvitol) zu versehen. Daneben bilden Obst und Gemüse einen gesunden Zusatz auf dem Speiseplan. Verzichtet werden sollte auf Kopfsalat und alle Kohlsorten, die eine stark blähende Wirkung haben.

Die Auswahl der Meerschweinchen wird aufgrund ihrer Vielfalt schwierig. Die bekanntesten Rassen sind das Glatthaar-, das Rosetten- und das Angorameerschweinchen. Daneben gibt es Tiere mit besonderer Haarstruktur wie das Englische oder Amerikanische Schopfmeerschweinchen, das Peruanische, das Abessinische, das Satin- oder das Rex- Meerschweinchen, um nur einige zu nennen. Eine große Auswahl ist beim Kölle-Zoo immer vorhanden, und die quirligen Tiere mit den treuen Gesichtern machen die Entscheidung nicht leicht. Die Wahl der Rasse ist Geschmacksache, denn alle sind in ihrem Wesen gleich gutmütig und zähmbar. Die Lebenserwartung beträgt sieben bis zehn Jahre, in denen der Meerschweinchenhalter viel mit seinen dankbaren Freunden erleben kann.

Text: Kölle-Zoo
Fotos: Fotolia

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