Steckbrief

Kanarienvogel

FamilieEchte Finken
Gattung Girlitze
VerwandteZ.B. Birkenzeisig und Stieglitz
HerkunftKanarische Inseln
nat. LebensweiseIn Schwärmen, von Januar bis März Paarbildung
FutterKanarienfutter "Premium" von Versele-Laga, Multivitamin- Präparat "Omni-vit", während der Mauser "Muta-vit", zusätzlich Obst und Gemüse
BuchtippKanarienvögel:
Otto von Frisch, Ulmer Verlag, Stuttgart 1998
Kanarienvogel

Kanarienvogel

Beeindruckend in drei Hauptvariationen

Gesang, Farbe oder Gestalt - schwer fällt die Wahl, wenn man sich für eines dieser drei Hauptmerkmale entscheiden soll. In diese Schwerpunkte werden die Kanarienvögel nämlich nach Rassen unterteilt. Im deutschsprachigen Raum wurde seit jeher der Gesangskanarienvogel bevorzugt, der durch die Harzer Bergleute im Städtchen Andreasberg zu seiner höchsten Vollendung gebracht wurde.

Die Heimat der Vögel sind die Kanarischen Inseln. Man findet sie auf Teneriffa, Gomera, La Palma und Hierro. Dort wird den Tieren der ideale Lebensraum geboten. Nicht umsonst wird das Archipel seit der Antike als die "Inseln der Glückseligen" oder die "glücklichen Inseln" bezeichnet. Sie haben sich auch auf den benachbarten Inseln und den Azoren sowie auf den Kapverdischen Inseln angesiedelt.

Die schnellen Flieger streichen vom Sommer bis zum Winter in Schwärmen von bis zu 50 Tieren durch die offenen, mit Büschen und Bäumen durchsetzten Landschaften. Die wildfarbenen Kanarien fallen durch die braun-graue Zeichnung zwischen Blättern, Blüten und Zweigen kaum auf. Ab Mitte Januar bilden sich zur Brutzeit einzelne Pärchen. Sie brüten am liebsten in einzelnen Bäumen oder großen Büschen. Das Gelege besteht aus drei bis fünf hellblauen Eiern, die das Weibchen 13 bis 14 Tage bebrütet. Während dieser Zeit wird es vom Männchen gefüttert. Die Jungen wachsen schnell und haben innerhalb von 15 Tagen ihr fast vollständiges Gefieder. In dieser Zeit werden sie bereits flügge und kehren noch oft ins Nest zurück. Das Männchen bringt ihnen bei, selbständig zu fressen, während das Weibchen erneut eine Brut beginnt, auf die unter günstigen Gegebenheiten noch eine dritte folgt.

Kanarien gehören zur Familie der echten Finken (Fringillidae) und zur Gattung der Girlitze (Serinus). Wissenschaftlich heißen sie Serinus canaria.

Die hübschen Vögel mit dem zauberhaften Gesang gefielen den Spaniern, die von 1473 bis 1496 die Kanarischen Inseln eroberten. Die Soldaten und Seeleute nahmen die kleinen Sänger mit heim und verschenkten sie als kostbare Rarität. Sie wurden zum Symbol für Luxus und Weltgewandtheit. Nur Reiche konnten sich einen Kanari leisten. Inzwischen versuchten Mönche, die Vögel in ihren Klostern zu züchten. Sie hatten Erfolg damit und betrieben einen schwungvollen Handel mit ihnen. Sie verkauften die Tiere bald nach Italien, England und Frankreich, waren aber klug genug, nur männliche abzugeben, um das Zuchtmonopol zu behalten. Ende des 16. Jahrhunderts begann die Zucht auch in England und Frankreich. Vielleicht wurden versehentlich weibliche Exemplare ausgeführt oder gegen Bezahlung ins Ausland geschmuggelt.

Auch Tirol wurde bald zu einer Hochburg der Züchter. Die Bergleute legten dabei besonderen Wert auf einen schönen Gesang und intensive Farben. Im 18. Jahrhundert erreichte die Tiroler Kanarienzucht ihren Höhepunkt.

Im Harz begann eine systematische Zucht. Der Schwerpunkt wurde auf den Gesang gelegt. Tiefe wohlklingende Rollpassagen waren besonders beliebt. Daraus entstand der Begriff "Harzer Roller". Der Harzer Roller oder auch Edelroller genannt ist der berühmteste Sänger. Seine Farbe ist gelb. Sein Lied besteht hauptsächlich aus vier Strophen, Touren genannt. Sie bestehen aus Hohlrolle, Knorre, Pfeife und Hohlklingel. Das Männchen steckt mit seinem Gesang sein Revier ab und lockt Weibchen an. Daher lässt nur das Männchen den wunderschönen Gesang verlauten. Weibchen könnten genauso gut singen, sehen jedoch keine Veranlassung dazu.

Singen können natürlich auch die Farbkanarien, doch liegt darin nicht ihr Schwerpunkt. Bei ihnen wird Wert auf neue und fehlerfreie Farbschattierungen gelegt. Durch Mutationen verloren Kanarien Melanine, dunkle Farbstoffe, und die ersten Schecken entstanden. Durch den weiteren Verlust aller Melanine wurden die Vögel völlig gelb. Diese Farbe des Gefieders heißt Lipochrom- oder Fettfarbe. Auch das Rot ist eine Fettfarbe. Verschwindet neben den Melaninen auch die Fettfarbe, sind die Tiere ganz weiß. Aus den drei Grundfarben Gelb, Rot und Weiß wurden hunderte von Farbschlägen gezüchtet.

Auf das besondere Aussehen wird bei den Gestalt- oder Positurkanarien Wert gelegt. Man unterscheidet glatte, gebogene und frisierte Rassen. Heute werden insgesamt 26 verschiedene Positurkanarien gezählt. Nicht nur ihre vielseitige Geschichte macht die Kanaris als Heimtiere überaus beliebt. Die freundlichen Vögel entwickeln einen starken Bezug zum Menschen und werden sehr zahm. Trotzdem sind sie gesellige Tiere und sollten daher mindestens zu zweit gehalten werden. Dabei ist ein Pärchen ideal, bei gleichgeschlechtlicher Haltung haben sich die Weibchen als die verträglicheren erwiesen. Will man einen guten Sänger, muss ein Männchen dabei sein, bevorzugt man dagegen ein prachtvolles Farbkleid, so sind beide Geschlechter zu empfehlen.

Kanarienvögel sind sehr schnelle, sportliche und bewegungsfreudige Gesellen. Deshalb muss die Möglichkeit zu täglichem Freiflug gegeben sein. Das Heim kann natürlich nie zu groß sein, doch sollte es für zwei Tiere mindestens 100 cm breit, 60 cm tief und 80 cm hoch sein. Zur Ausstattung gehören Sitzstangen verschiedener Dicken, ein Badehaus, Futter- und Trinkgefäße, Sand als Einstreu und zur Verdauung, Sepiaschalen sowie Leitern und Seile, was selbstverständlich alles beim Kölle Zoo angeboten wird.

Als Hauptfutter empfiehlt sich eine Komplettfuttermischung vom Kölle Zoo, die alle notwendigen Nährstoffe enthält. Da die Vögel manchmal etwas wählerisch sind, ist es sinnvoll, ein Multivitamin-Präparat ins Trinkwasser zu geben, ein zusätzliches auch bei der Mauser. Der Speiseplan kann durch Obst und Gemüse sinnvoll ergänzt werden.

Wer den unkomplizierten, munteren Mitbewohnern ein möglichst artgerechtes Leben bietet, kann sich oft über zehn Jahre lang an ihnen erfreuen.

Text: ©Kölle-Zoo
Fotos: ©Kölle-Zoo

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