Frisches Fleisch, Innereien, Gemüse und ausgewählte Ergänzungen statt klassischem Fertigfutter: BARF ist für viele Hundehalter:innen eine interessante Möglichkeit, die Ernährung ihres Vierbeiners individuell zusammenzustellen. Doch während sich die Fütterung eines ausgewachsenen Hundes vergleichsweise gut planen lässt, stellt das BARFen von Welpen und Junghunden besondere Anforderungen.
Denn im Wachstum braucht Dein Hund nicht einfach nur „mehr Futter“. Energie, Eiweiß, Mineralstoffe, Vitamine und Spurenelemente müssen seinem jeweiligen Entwicklungsstand entsprechen und in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen. Besonders bei schnell wachsenden und groß werdenden Hunden können Fehler in der Rationsgestaltung problematisch sein.
Wir erklären Dir, worauf Du achten solltest, wenn Du Deinen Welpen oder Junghund BARFen möchtest.
Was bedeutet BARF?
Die Abkürzung BARF wird meist mit „Biologisch artgerechtes rohes Futter“ beziehungsweise „Biologically Appropriate Raw Food“ übersetzt. Grundlage der Fütterung sind vor allem rohe tierische Komponenten wie Muskelfleisch, Innereien und gegebenenfalls fleischige Knochen. Ergänzt werden sie beispielsweise durch Gemüse, Obst, Öle und weitere Zutaten oder Supplemente.
Welche Bestandteile in welchen Mengen im Napf landen, hängt unter anderem von Alter, Gewicht, Aktivität und individuellen Bedürfnissen des Hundes ab.
Das unterscheidet BARF wesentlich von einem Alleinfuttermittel: Während ein als Alleinfutter ausgewiesenes Welpenfutter so zusammengesetzt sein sollte, dass es den Nährstoffbedarf bei entsprechender Fütterungsmenge vollständig deckt, bist Du bei einer selbst zusammengestellten BARF-Ration selbst dafür verantwortlich, dass Dein Hund alle benötigten Nährstoffe erhält.
Kann man einen Welpen BARFen?
Grundsätzlich können auch Welpen und Junghunde mit einer individuell zusammengestellten Ration gefüttert werden. Allerdings ist die Rationsgestaltung während des Wachstums deutlich anspruchsvoller als bei einem erwachsenen Hund.
Ein Welpe verändert sich schließlich rasant: Körpergewicht, Energiebedarf und Wachstumsgeschwindigkeit entwickeln sich innerhalb weniger Wochen weiter. Gleichzeitig wird in dieser Zeit die Grundlage für Knochen, Gelenke, Muskeln und zahlreiche weitere Körperstrukturen gelegt.
Eine BARF-Ration für einen Welpen sollte deshalb nicht einfach aus einer pauschalen Prozentangabe wie „x Prozent des Körpergewichts“ berechnet werden. Entscheidend ist vielmehr, ob Energie und sämtliche essenziellen Nährstoffe tatsächlich bedarfsgerecht enthalten sind.
Besonders empfehlenswert ist es daher, die Ration von einer auf Hundeernährung spezialisierten Tierärztin oder einem spezialisierten Tierarzt beziehungsweise einer qualifizierten Ernährungsberatung berechnen und regelmäßig anpassen zu lassen.

Welpen und Junghunde haben im Wachstum ganz spezifische Nährstoffbedürfnisse, die eine BARF-Ration exakt berücksichtigen muss.
Warum ist BARFen im Wachstum besonders anspruchsvoll?
Ein erwachsener Hund muss seinen Körper in erster Linie erhalten. Ein Welpe dagegen baut ihn erst auf. Dafür benötigt er unter anderem ausreichend Energie und Eiweiß, aber auch exakt passende Mengen verschiedener Mineralstoffe und Spurenelemente.
Besonders wichtig sind beispielsweise:
- Calcium und Phosphor
- Kupfer
- Zink
- Jod
- Vitamin D
- Vitamin A
- essenzielle Fettsäuren
Dabei gilt nicht automatisch „viel hilft viel“. Sowohl eine Unterversorgung als auch eine Überversorgung mit bestimmten Nährstoffen kann ungünstig sein.
Calcium und Phosphor
Calcium und Phosphor spielen bei der Entwicklung des Skeletts eine zentrale Rolle. Entscheidend sind dabei sowohl die jeweiligen Mengen als auch ihr Verhältnis zueinander.
Gerade während des Wachstums sollte Calcium deshalb weder nach Gefühl ergänzt noch einfach über möglichst viele Knochen zugeführt werden. Auch zusätzliche Calciumpräparate gehören nicht ohne Berechnung in eine bereits ausgewogene Ration.
Energieversorgung
Welpen brauchen Energie zum Wachsen – eine zu hohe Energiezufuhr kann das Wachstum jedoch unnötig beschleunigen. Das ist insbesondere bei Hunden größerer Rassen unerwünscht.
Das Ziel lautet deshalb nicht, einen möglichst kräftigen oder schnell wachsenden Welpen heranzuziehen. Er sollte vielmehr gleichmäßig wachsen und eine schlanke, altersgerechte Körperkondition behalten.
Spurenelemente und Vitamine
Bei selbst zusammengestellten Rationen geraten neben Calcium und Phosphor schnell weniger offensichtliche Nährstoffe aus dem Blick. Dazu gehören beispielsweise Jod, Zink, Kupfer und bestimmte Vitamine.
Eine Ration kann daher auf den ersten Blick abwechslungsreich und hochwertig wirken und trotzdem Versorgungslücken aufweisen.
BARF-Ration für Welpen: Was gehört hinein?
Eine ausgewogene BARF-Ration besteht nicht einfach nur aus Fleisch. Je nach individuell berechnetem Futterplan können unterschiedliche Komponenten dazugehören.
Muskelfleisch
Muskelfleisch liefert unter anderem hochwertiges Eiweiß und verschiedene weitere Nährstoffe. Geeignet sein können beispielsweise Rind, Geflügel, Lamm oder andere Fleischsorten.
Abwechslung ist möglich, allerdings muss nicht bei jeder Mahlzeit eine andere Fleischsorte im Napf landen.
Innereien
Innereien sind ausgesprochen nährstoffreich. Leber liefert beispielsweise große Mengen Vitamin A, andere Organe enthalten wiederum andere Vitamine und Spurenelemente.
Gerade deshalb sollten Innereien nicht beliebig dosiert werden. Mehr Innereien bedeuten nicht automatisch eine bessere Versorgung.
Knochen oder alternative Calciumquellen
In klassischen BARF-Konzepten werden häufig rohe fleischige Knochen als Mineralstoffquelle eingesetzt. Bei Welpen muss die Calciumversorgung jedoch besonders sorgfältig berechnet werden.
Nicht jeder Hund muss zwingend Knochen bekommen. Je nach Rationsgestaltung kann Calcium auch über entsprechend dosierte Ergänzungsprodukte bereitgestellt werden.
Knochen bringen zudem Risiken mit sich: Zu große oder ungeeignete Stücke können beispielsweise zu Zahnverletzungen, Verstopfung oder Problemen im Verdauungstrakt führen.
Wichtig: Gekochte Knochen gehören grundsätzlich nicht in den Hundenapf. Durch das Erhitzen verändert sich ihre Struktur und sie können leichter splittern.
Gemüse und Obst
Pflanzliche Zutaten können Ballaststoffe und verschiedene Mikronährstoffe zur Ration beitragen. Häufig verwendet werden beispielsweise:
- Karotte
- Zucchini
- Kürbis
- Gurke
- Pastinake
- verschiedene Blattsalate
Obst kann ebenfalls Bestandteil der Ration sein, sollte aufgrund seines Zuckergehalts jedoch meist einen kleineren Anteil ausmachen.
Nicht jedes Obst und Gemüse ist für Hunde geeignet. Weintrauben beziehungsweise Rosinen, Zwiebeln und Knoblauch sowie weitere für Hunde problematische Lebensmittel gehören nicht in den Napf.
Öle und Fettsäuren
Fett ist nicht nur Energieträger, sondern liefert auch essenzielle Fettsäuren. Je nach verwendeten tierischen Komponenten kann deshalb die Ergänzung eines geeigneten Öls sinnvoll sein.
Besonders langkettige Omega-3-Fettsäuren wie EPA und DHA können beispielsweise über geeignete Fischöle bereitgestellt werden.
Auch hier sollte die Menge zum gesamten Futterplan passen.
Supplemente
Bei selbst zusammengestellten Welpenrationen können gezielte Ergänzungen notwendig sein, um den Bedarf an Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen vollständig abzudecken.
Welche Supplemente benötigt werden, hängt von der gesamten Ration ab. Einzelne Produkte einfach „vorsichtshalber“ hinzuzufügen, ist keine gute Idee – denn auch eine Überversorgung kann problematisch sein.
Wie viel BARF braucht ein Welpe?
Im Internet finden sich häufig Tabellen, nach denen Welpen einen bestimmten Prozentsatz ihres Körpergewichts erhalten sollen. Solche Angaben können höchstens eine grobe Orientierung für die Futtermenge sein.
Denn zwei gleich schwere Welpen können einen ganz unterschiedlichen Energiebedarf haben. Alter, Rasse beziehungsweise erwartetes Endgewicht, Wachstumsgeschwindigkeit, Aktivität und Energiedichte der verwendeten Zutaten spielen ebenfalls eine Rolle.
Besonders wichtig ist deshalb die regelmäßige Gewichtskontrolle.
Ideal ist eine Wachstumskurve, mit deren Hilfe sich beurteilen lässt, ob sich das Gewicht Deines Welpen passend entwickelt. Gleichzeitig solltest Du seine Körperkondition beobachten: Ein gesund wachsender Welpe sollte nicht möglichst rund sein, sondern eine altersgerecht schlanke Figur behalten.
Wie oft sollte ein Welpe gefüttert werden?
Junge Welpen können größere Futtermengen noch nicht so gut auf einmal aufnehmen. Ihre Tagesration wird deshalb auf mehrere Mahlzeiten verteilt.
Als grobe Orientierung sind je nach Alter zunächst drei bis vier Mahlzeiten täglich üblich. Mit zunehmendem Alter kann die Zahl der Mahlzeiten langsam reduziert werden.
Entscheidend ist dabei weniger ein bestimmter Geburtstag als vielmehr, womit Dein Hund gut zurechtkommt.
Müssen Welpen jeden Tag exakt gleich gefüttert werden?
Nicht zwingend jede einzelne Mahlzeit muss für sich genommen sämtliche Nährstoffe enthalten. Entscheidend ist eine insgesamt bedarfsgerechte Versorgung.
Bei Welpen sollte der Zeitraum, über den größere Schwankungen ausgeglichen werden, allerdings nicht unnötig lang sein. Gerade während intensiver Wachstumsphasen empfiehlt sich eine möglichst strukturierte Fütterung nach einem berechneten Plan.
Spontanes Austauschen einzelner Komponenten kann dessen Nährstoffbilanz verändern. Deshalb sollten größere Änderungen immer in die Gesamtration einbezogen werden.
BARFen bei großen Hunderassen
Besonders sorgfältig sollte die Ernährung bei Welpen großer und sehr großer Rassen geplant werden.
Sie legen innerhalb kurzer Zeit enorm an Körpergewicht zu. Eine dauerhaft zu hohe Energiezufuhr kann zu einem zu schnellen Wachstum beitragen, während gleichzeitig eine bedarfsgerechte Mineralstoffversorgung für die Skelettentwicklung wichtig ist.
Gerade bei einem zukünftigen großen Hund ist es deshalb keine gute Strategie, ihn möglichst schnell „groß und kräftig“ werden zu lassen. Ein gleichmäßiges, kontrolliertes Wachstum und eine schlanke Körperkondition sind wesentlich wichtiger.
Das erwartete Endgewicht sollte bei der Rationsberechnung berücksichtigt werden.

Gerade bei schnell wachsenden, großen Hunderassen ist ein kontrolliertes, gleichmäßiges Wachstum wichtiger als ein möglichst schneller Gewichtszuwachs
Wie häufig muss der BARF-Plan angepasst werden?
Ein Futterplan, der mit zwölf Wochen passt, ist nicht automatisch auch mit sechs Monaten noch optimal.
Welpen nehmen zu, ihre Wachstumsgeschwindigkeit verändert sich und damit verschieben sich auch Energie- und Nährstoffbedarf. Die Ration sollte deshalb während des Wachstums regelmäßig überprüft und angepasst werden.
Dafür solltest Du Deinen Welpen regelmäßig wiegen und seine körperliche Entwicklung im Blick behalten.
Hygiene beim BARFen
Rohes Fleisch kann Krankheitserreger wie bestimmte Bakterien oder Parasiten enthalten. Eine sorgfältige Küchenhygiene gehört deshalb unbedingt zum BARFen dazu.
Achte unter anderem darauf:
- die Kühlkette einzuhalten,
- Fleisch nur so lange wie nötig bei Raumtemperatur stehen zu lassen,
- Hände nach der Zubereitung gründlich zu waschen,
- Messer, Bretter und Futternäpfe sorgfältig zu reinigen,
- rohes Fleisch getrennt von Lebensmitteln für Menschen zu verarbeiten,
- Futterreste nicht lange im Napf stehen zu lassen und
- Hinterlassenschaften des Hundes hygienisch zu entsorgen.
Besondere Vorsicht ist geboten, wenn kleine Kinder, ältere Menschen, Schwangere oder immungeschwächte Personen im Haushalt leben.

Sorgfältige Küchenhygiene ist beim BARFen unverzichtbar – besonders, wenn rohes Fleisch und Innereien verarbeitet werden
Welche Fehler sollte man beim Welpen-BARFen vermeiden?
Einer der häufigsten Irrtümer lautet: Solange die Zutaten frisch und abwechslungsreich sind, wird der Hund automatisch mit allem versorgt.
So einfach ist es leider nicht. Besonders vermeiden solltest Du daher:
- eine Rationszusammenstellung ausschließlich nach Gefühl,
- pauschale Prozentpläne ohne Berücksichtigung des individuellen Bedarfs,
- eine nicht berechnete Calciumversorgung,
- wahlloses Ergänzen von Mineralstoffen und Vitaminen,
- zu energiereiche Fütterung und dadurch zu schnelles Wachstum,
- häufige Änderungen des Futterplans ohne Neuberechnung,
- einseitige Fleischfütterung,
- ungeeignete oder gekochte Knochen und
- mangelnde Hygiene im Umgang mit rohen tierischen Produkten.
Fertig-BARF für Welpen – eine Alternative?
Wer nicht jede einzelne Komponente selbst zusammenstellen möchte, findet auch fertige BARF-Menüs.
Hier lohnt sich jedoch ein genauer Blick auf die Deklaration. Die Bezeichnung „BARF-Menü“ bedeutet nicht automatisch, dass das Produkt allein den kompletten Nährstoffbedarf eines wachsenden Hundes deckt.
Achte deshalb darauf, ob das Futter ausdrücklich als Alleinfuttermittel für Welpen beziehungsweise Hunde im Wachstum deklariert ist.
Handelt es sich lediglich um ein Ergänzungsfuttermittel, müssen weitere Komponenten hinzugefügt werden, damit eine vollständige Ration entsteht.
BARF oder Welpenfutter – was ist besser?
Ein ausgewogenes Welpen-Alleinfuttermittel bietet einen entscheidenden praktischen Vorteil: Die notwendigen Nährstoffe sind bereits in passenden Mengen enthalten, sofern das Futter bedarfsgerecht gefüttert wird.
BARF ermöglicht dagegen eine sehr individuelle Zusammenstellung der Zutaten, erfordert dafür aber deutlich mehr Wissen und Planung.
Es gibt deshalb nicht die eine Fütterungsform, die zu jedem Hund und jedem Menschen passt. Wichtig ist vor allem, dass Dein Welpe zuverlässig mit Energie und allen essenziellen Nährstoffen versorgt wird und sich gesund entwickelt.
Welpen BARFen: Gute Planung ist das A und O
Wer seinen Welpen BARFen möchte, sollte die Ration nicht einfach aus einigen Fleischsorten, Innereien und Gemüse nach Augenmaß zusammenstellen. Gerade während des Wachstums ändern sich die Bedürfnisse Deines Hundes schnell und Fehler in der Nährstoffversorgung können deutlich größere Auswirkungen haben als bei einem ausgewachsenen Tier.
Mit einem fachlich berechneten Futterplan, regelmäßigen Gewichtskontrollen und Anpassungen an die jeweilige Wachstumsphase lässt sich die Ernährung wesentlich gezielter gestalten.
Und ganz gleich, ob BARF, Nass- oder Trockenfutter: Entscheidend ist am Ende nicht das Etikett auf der Fütterungsmethode, sondern dass Dein kleiner Vierbeiner alles bekommt, was er für eine gesunde Entwicklung braucht.
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