Kaninchen frisst nicht
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Während es uns selbst durchaus guttun kann, zwischendurch mal einen Tag zu fasten, ist bei Kaninchen genau das Gegenteil der Fall. Das Verdauungssystem der Langohren ist darauf ausgerichtet, über den Tag verteilt mit vielen kleinen Mahlzeiten versorgt zu werden. Bleibt diese Nahrungszufuhr aus, weil das Kaninchen das Futter verweigert, kann sich die Situation innerhalb von Stunden zu einem lebensbedrohlichen Notfall entwickeln. Daher solltest Du die Nahrungsaufnahme Deines Lieblings immer gut im Blick behalten und ihm durchgängig möglichst rohfaserreiches Futter zur Verfügung stellen, sodass es nach Belieben fressen kann, um die Verdauung aufrechtzuerhalten. In diesem Artikel möchten wir Dir erläutern, weshalb die regelmäßige Nahrungsaufnahme bei Kaninchen so wichtig ist, und was passiert, wenn sie diese verweigern.

Wie funktioniert die Verdauung bei Kaninchen?

Um zu verstehen, warum Appetitlosigkeit (Inappetenz) bei Kaninchen so gefährlich ist, müssen zumindest die Grundzüge ihrer Verdauung bekannt sein. Diese beginnt bereits im Maul der Fellnasen, indem sie Nahrung aufnehmen und diese mit ihren Zähnen zermalmen, also zerkleinern. Diese Mahlbewegungen, die das Kaninchen vornimmt, haben zwei Effekte: Erstens werden dadurch die lebenslang nachwachsenden Zähne auf natürliche Weise abgerieben, zweitens kann das Futter, indem es mit Speichel gemischt wird, besser geschluckt werden.

Wichtig: Rohfaserreiches Futter wie Heu, Gräser und Kräuter sind für Kaninchen von zentraler Bedeutung, da sie hier besonders lang kauen müssen. Je länger sie kauen, desto besser funktioniert der Zahnabrieb. Daher kann mittels einer tiergerechten Fütterung Zahnproblemen vorgebeugt werden. 

Der zerkleinerte Nahrungsbrei wird über die Speiseröhre in den Magen und schließlich in den Darm transportiert. Dies geschieht insbesondere durch nachkommende Nahrung. Vereinfacht ausgedrückt muss immer Nachschub in Form von Futter in den Verdauungstrakt gelangen, sodass der Nahrungsbrei weitertransportiert und die Verdauung nicht gestört wird. Während all dieser Vorgänge wirken Enzyme, die letztlich auch dafür sorgen, dass Nährstoffe aufgenommen werden können. Die Ausscheidungen bestehen aus den typischen harten „Kötteln“ und sog. Blinddarmkot, den die Kaninchen zur Nährstoffversorgung direkt vom After aufnehmen und fressen.

Kaninchen müssen also, um eine gesunde Verdauung aufrechtzuerhalten, viele kleine Futterrationen am Tag aufnehmen. Wie viele das sind, ist individuell, hier hat quasi jedes Tier seinen eigenen Rhythmus. Damit es diesen aufrechterhalten kann, müssen Kaninchen rund um die Uhr Futter zur Verfügung haben, sodass sie selbst entscheiden können, wann sie wie viel fressen. Funktioniert dieses Prinzip nicht, weil das Kaninchen aus welchen Gründen auch immer nicht fressen kann oder mag, stellt sich schnell ein lebensbedrohlicher Zustand ein.

Was passiert, wenn Kaninchen nicht fressen?

Frisst das Kaninchen also nicht (mehr), kann der Nahrungsbrei nicht weitertransportiert werden, sondern bleibt quasi an Ort und Stelle. Die Folge sind sog. „Fehlgärungen“. Die bei der Verdauung entstehenden Gase können nicht aus dem Körper entweichen, da Kaninchen aufgrund des fest verschlossenen Übergangs zwischen Speiseröhre und Magen weder aufstoßen noch erbrechen können. Somit sammeln sich die Gase in Magen und Darm und können die Organe regelrecht „aufblähen“ (sog. „Trommelsucht“), was mit starken Schmerzen verbunden ist und im schlimmsten Fall zu einem Reißen der Darm- oder Magenwände (Ruptur) oder zu einem Kreislaufversagen führt. Aus diesem Grund ist ein Kaninchen mit Appetitlosigkeit und Nahrungsverweigerung immer ein Notfall. Spätestens nach etwa 12 Stunden ohne Futter wird es für die Fellnasen lebensbedrohlich.

Mein Kaninchen frisst nicht – mögliche Ursachen

Doch wie kommt es dazu, dass die für gewöhnlich dauerfressenden Langohren plötzlich das Futter verweigern? Die Ursachen sind mannigfaltig und können von Zahnproblemen über Vergiftungen bis hin zu Parasitenbefall reichen.

Die häufigsten Gründe für Fressunlust bei Kaninchen im Überblick:

Zahnprobleme

Zahnerkrankungen gehören zu den häufigsten Gründen für eine Fressunlust bei Kaninchen. Normalerweise werden die lebenslang nachwachsenden Zähne durch geeignetes, möglichst rohfaserreiches Futter auf natürliche Weise abgerieben und somit gekürzt. Funktioniert dieses Prinzip nicht, werden die Zähne zu lang und/oder wachsen schief. Sie können dann nicht nur die Schleimhäute verletzen, sondern auch die Nahrung nicht mehr zermalmen, da sie sozusagen nicht mehr aufeinanderpassen. Auch Kieferabszesse – meist eine Folge von nicht erkannten Zahnerkrankungen – können dazu führen, dass die Fellnasen unter starken Schmerzen leiden und das Fressen einstellen.

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Zu lange oder schief wachsende Zähne führen bei Kaninchen oft dazu, dass sie nichts mehr fressen (können). Eine regelmäßige Kontrolle der Zähne ist daher sehr wichtig. 

Magendarmprobleme

Probleme im Magendarmbereich wie Verstopfungen, Aufgasung oder eine Magenüberladung sind die häufigste Ursache für Fressunlust und Appetitlosigkeit beim Kaninchen.

Parasitenbefall

Ein Parasitenbefall kann ebenfalls dazu führen, dass das Kaninchen aufgast und somit keinen Appetit mehr verspürt. Würmer oder Milben kommen ebenso in Frage wie ein Befall mit Fliegenlarven oder Kokzidien. Ein Befall mit dem parasitären Einzeller Encephalitozoon cuniculi kann zu neurologischen Symptomen und Orientierungslosigkeit führen, die dem Kaninchen die Nahrungssuche und das Fressen wesentlich erschweren.

Andere Krankheiten

Einige Erkrankungen wie beispielsweise Myxomatose führen unter anderem zu Appetitlosigkeit und Fressunlust. Eine Nierenerkrankung kann zur Folge haben, dass die Tiere aufgrund starker Übelkeit nichts oder viel zu wenig fressen.

Verschluckte Fremdkörper

Verschluckt ein Kaninchen Fremdkörper, kann es zu einem Darmverschluss kommen. Der Nahrungsbrei kann dann nicht weitertransportiert werden.

Denselben Effekt können Haarballen haben: Durch das Fell-Putzen schlucken die Kaninchen immer wieder Haare ab. Werden diese nicht verdaut, können sie sich im Magen oder Darm verklumpen und sog. „Haarballen“ bilden, die dann ebenso wirken können wie Fremdkörper.

Psychische Ursachen

Auch psychische Ursachen sind nicht selten ein Grund für Appetitlosigkeit und Nahrungsverweigerung. Wir kennen es von uns selbst: Wenn es uns nicht gut geht, haben wir keinen Appetit. Nicht anders geht es unseren Tieren: Der Verlust eines Partnertieres und die damit verbundene Trauer, eine Vergesellschaftung, zu wenig Bewegung und Einzelhaltung führen zu Stress bei den Fellnasen und können Appetitlosigkeit zur Folge haben.

Was tun, wenn Kaninchen nicht fressen? Wann zum Tierarzt?

Grundsätzlich gilt, dass eine Nahrungsverweigerung bei Kaninchen – egal aus welchem Grund – immer ein Notfall ist. Je länger Du wartest, um mit Deinem Tier zum Tierarzt zu gehen, desto höher ist die Gefahr, dass Deine Fellnase den nächsten Tag nicht mehr erlebt. Beobachtest Du also, dass Dein Kaninchen für mehrere Stunden kein Futter zu sich nimmt, solltest Du nicht zögern und sofort einen Tierarzt aufsuchen, um weitere Komplikationen zu verhindern und im Zweifelsfall sogar das Leben Deines Tieres zu retten. Um Deinem Tierarzt die Diagnosestellung zu erleichtern, solltest Du Dein Kaninchen genau beobachten und etwaig auftretende Begleitsymptome notieren. Bei einigen Erkrankungen, etwa der Trommelsucht, sind die Fellnasen apathisch und sitzen zum Beispiel in einer Ecke, ohne sich zu bewegen. Haben sie zusätzlich starken Juckreiz, kann dies auf Parasiten hindeuten. Schwellungen im Gesichtsbereich können auf einen Abszess hinweisen, währen das Fressen von Fell häufig bei Stress zu beobachten ist. Kot- und Blutuntersuchungen können weiteren Aufschluss geben. Bestimmte Diagnosen sichert der Tierarzt mittels einer Röntgen- oder Ultraschalluntersuchung.

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Wichtig: Ein Kaninchen, das nicht mehr frisst, ist ein Notfall und muss sofort zum Tierarzt. Warte nicht ab, auch nicht am Wochenende, wenn Du vielleicht einen weiteren Weg zu einer geöffneten Praxis zurücklegen oder gar eine Tierklinik aufsuchen musst. Diese haben auch nachts sowie an Sonn- und Feiertagen geöffnet. Erkundige Dich zur Sicherheit kurz telefonisch.

Behandlung

Wie eine Fressunlust beim Kaninchen behandelt wird, hängt von deren Ursachen ab. In jedem Fall muss eine schnelle Therapie erfolgen, um lebensgefährliche Folgen zu verhindern. Zunächst wird Dein Tierarzt Deinen Liebling genau untersuchen und gegebenenfalls durch eine Infusion stabilisieren.

Bei Verdauungsbeschwerden kommen meist leichte Bauchmassagen und Medikamente wie Sab Simplex oder Dimeticon zum Einsatz, um die Verdauungstätigkeit wieder anzuregen. In schwereren Fällen kann es erforderlich sein, mittels einer Kanüle die Gase direkt abzuleiten, um lebensgefährliche Komplikationen wie eine Ruptur der Magen- oder Darmwand zu verhindern. Darüber hinaus wird Deine Fellnase mit Schmerzmitteln versorgt.

Bei Zahnproblemen als Ursache werden zunächst die Zähne behandelt, etwa durch eine Kürzung, um dem Kaninchen das Fressen wieder zu ermöglichen. Abszesse müssen meist geöffnet werden, um Eiter abzulassen. Danach sind Antibiotika erforderlich, um die Entzündung einzudämmen. Auch Schmerzmittel stehen auf dem Therapieplan.

Parasiten werden mit entsprechenden Medikamenten behandelt, etwa mit Wurmmitteln. Präbiotika begleiten oftmals die Therapie, um die Darmflora zu unterstützen. 

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Wichtig: Oftmals ist zunächst eine Zwangsernährung („Päppeln“) erforderlich, um die Verdauung wieder anzuregen. Hierzu wird dem Kaninchen mittels einer Spritze Nahrungsbrei eingegeben. Eine Zwangsernährung darf nur der Tierarzt anordnen, da bei unsachgemäßer Durchführung weitere Schäden drohen können. Nicht selten kommt es bei unsachgemäßer Durchführung zu Todesfällen. So darf etwa ein Kaninchen, das einen verstopften Darm hat, nur kleine Mengen fressen. Um also die Zwangsernährung zum Wohle des Tieres durchzuführen, muss ein Tierarzt festlegen, wie diese erfolgt. Du solltest Deine Tiere daher nie ohne Rücksprache mit dem Tierarzt auf eigene Faust zwangsernähren.

Wie kann man einer Fressunlust beim Kaninchen vorbeugen?

Gesunde Kaninchen, die tiergerecht gehalten werden, haben vermutlich kaum je das Problem eines mangelnden Appetits. Genüsslich fressen sie sich durch Heu- und Frischfutterberge und freuen sich über das ein oder andere Leckerli. Die beste Vorsorge einer Inappetenz und gefährlicher Folgen wie Trommelsucht ist daher eine tiergerechte Haltung und Ernährung der Langohren.

Auf Folgendes solltest Du achten:

  • Kaninchen brauchen viel rohfaserreiches Futter, also Heu, Kräuter und Gräser. Zu diesem müssen sie durchgängig Zugang haben. Fertigfutter mit Getreide und Zucker ist zu vermeiden, da dies den pH-Wert im Verdauungstrakt auf ungünstige Weise verändert und zu Verdauungsproblemen führen können.
  • Bewegung regt die Verdauung an: Sorge dafür, dass sich Deine Tiere möglichst dauerhaft frei bewegen können, etwa durch ein großes Freigehege oder durch freie Wohnungshaltung.
  • Stress schlägt auf den Magen: Einsamkeit ist der Hauptfaktor für Stress bei Kaninchen. Artgenossen vermitteln Sicherheit und tragen wesentlich dazu bei, dass sich Dein Kaninchen wohlfühlt. Daher müssen Kaninchen mindestens zu zweit gehalten werden.
  • Zahnkontrolle: Überprüfe regelmäßig die Zähne Deines Kaninchens, um Zahnprobleme frühzeitig zu erkennen.
  • Tierarzt-Check-up: Regelmäßige Tierarztbesuche sind sinnvoll, um Krankheiten zu bemerken. Naturgemäß zeigen Kaninchen Schwäche erst sehr spät, sodass es bereits zu spät sein kann, wenn Du merkst, dass es Deinem Tier nicht gut geht. Bei Auffälligkeiten des Fells, der Ausscheidungen, des Fress- oder übrigen Verhaltens sollte ein Tierarzt aufgesucht werden.
  • Hygiene: Unhygienische Bedingungen können dazu führen, dass sich Parasiten rasch ausbreiten. Entferne daher täglich Köttel und Urin und reinige das gesamte Gehege mindestens ein bis zwei Mal pro Woche gründlich.  

Gibt es Hausmittel, wenn das Kaninchen nicht frisst?

Nahrungsverweigerung ist bei Kaninchen ein lebensbedrohlicher Zustand, daher fehlt Dir leider die Zeit, um mit Hausmitteln zu experimentieren. Dies kann Deinem Tier im Zweifelsfall das Leben kosten, und sei es auch nur, weil Du zu lange mit dem Tierarztbesuch gewartet hast. Der erste Weg sollte daher immer zum Tierarzt führen, sodass Deine Fellnase schnell die Behandlung erhält, die sie benötigt. Ist sie erst einmal versorgt und die Ursache bekannt, kannst Du in Absprache mit dem behandelnden Arzt und in Abhängigkeit von der Ursache ergänzend zur verordneten Therapie oder Medikation mit Hausmitteln unterstützen. Gerne kannst Du Deinen Tieren eine Wärmequelle anbieten, die viele Kaninchen mit Verdauungsproblemen dankend annehmen. Biete ihnen außerdem möglichst variantenreiches Futter an, also eine große Auswahl an geeignetem Frischfutter und blattreiches Heu von bester Qualität an.

Fazit

Es kann unterschiedliche Gründe dafür geben, warum Kaninchen zu wenig oder gar nichts mehr fressen – angefangen bei Verstopfungen über Zahnprobleme bis hin zu Nierenerkrankungen. Eine schnelle Diagnose ist wichtig, da sich bereits nach wenigen Stunden fehlender Nahrungsaufnahme lebensbedrohliche Konsequenzen für Dein Tier ergeben können: Durch die fehlende Nahrung kommt die Verdauung quasi zum Erliegen, die in Magen und Darm befindlichen Gase können nicht entweichen und blähen den Bauch auf, was zu starken Schmerzen und unbehandelt zum Tod führt. Daher solltest Du täglich kontrollieren, ob Deine Lieblinge (genug) fressen. Tun sie dies nicht, solltest Du sie genau beobachten und spätestens nach ein paar Stunden zum Tierarzt gehen.

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